Gestern beanstandeten eine Arbeitsgemeinschaft von Hilfswerken zusammen mit anderen NGO das geringe Engagement des Bundes bei der Verfolgung der Millenniumsziele der UNO. Konkret forderten Sie den Bundesrat auf, seine Entwicklungshilfe aufzustocken (Artikel im Tagesanzeiger, alliance sud). Ihre Forderung ist verständlich. Angesichts der mit grossem Aufwand verbundenen Werbung für Spendengelder liegt es auf der Hand, mittels öffentlichem Druck die Finanzierung von Projekten durch die öffentliche Hand anzupeilen.

Private Spendenbereitschaft stärken
Aus empirischen Studien und praktischer Erfahrung weiss man jedoch, dass zusätzliche Information über einen guten Zweck, die Bereitschaft zu einer Spende erhöht. Breitere Information der Öffentlichkeit schafft also jene Aufmerksamkeit, welche dem gesamten Sektor zwischen Staat und Markt nützt. Die Hilfswerke wären also gut beraten eines Systemwechsels weg von direkten Zuwendungen ohne Leistungsaufträgen und hin zu einem einfachen demokratischen Mechanismus der Mittelverteilung zuzustimmen, wie es die “Einprozent-Steuer” vorsieht. Die “Einprozent-Steuer” sieht für alle Steuerzahlenden vor, ein prozent ihres Steuerbetrages einer NGO ihrer Wahl zu schenken. Im gegenzug würden direkte, nicht an ienen leistungsauftrag gebundene Gelder seitens des Staates wegfallen. Gerade bei dieser in Osteuropa erprobten demokratisierten Art der Zuteilung staatlicher Gelder bemängeln Hilfswerkvertreter die Notwendigkeit von zusätzlicher Werbung und PR – und verkennen die positiven Auswirkungen einer Dynamisierung des gesamten NGO-Sektors. Statt um Gelder zu lobbyieren und in Pressekonferenzen – scheinbar ohne jeden unmittelbaren Anlass – Gelder einzufordern, wären sie den Steuerzahlenden direkt verpflichtet und müssten sich bei den Bürgerinnen und Bürgern um die Zuteilung ihres einen Prozentes bemühen.

Ähnliche Artikel:

  • No Related Posts

2 thoughts on “NGOs fordern Gelder vom Staat – statt Spendende von ihrer guten Arbeit zu überzeugen

  1. Ein interessanter Vorschlag, der in jedem Fall dann eine echte Alternative ist, wenn gleichzeitig die Kirchensteuer entfällt. Mit Werbung und PR verbindet sich aber tatsächlich eine Problematik: Wenn nämlich vor allem jene begünstigt werden, die sich mit viel (Werbe-)Geld eine Stimme verschaffen können, läuft die Demokratisierung aus dem Ruder. Wenn plötzlich jene profitieren, die weniger zum anerkannten Gemeinwohl beitragen, nützt das vielleicht der gefährdeten Heidellerche, schadet aber dem ausstiegswilligen Drogenabhängigen, dem man das Prozent nicht gönnen mag. Stellt sich die Frage, wer nach welchen Kriterien jene Auswahl an zu begünstigenden Institutionen und Organisationen trifft (und deren Tätigkeiten überwacht!), die da zu beschenken wären. Aber eben, wem der Vogel näher liegt, den kümmert’s wenig, solange er nur wählen darf.

  2. Pingback: Kampagne für ideologische Entwicklungshilfe auf Ordnungspolitischer Blog

Leave a Reply

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.