Mehr Mut zum Abbau von Mythen


In regelmässigen Abständen beschreibt die Presse die Vorteile grösserer institutioneller Einheiten.  Diesmal beklagt der Tagesanzeiger (10.09.05) unter dem Titel “Mehr Mut zu grösseren Gemeinden” die fehlende Lust zu Fusionen und kommt zum Schluss, dass die (kantonalen!) Behörden gefordert sind.
Bedeuten grössere Gemeinden auch ein besseres und effizienteres Gemeindewesen? Erfahrungen aus der Praxis, empirische Studien und nicht zuletzt auch logische Argumente widersprechen alle dem Prinzip “grössere Gemeinden = besser”.
Viel sachgerechter ist ein differenzierter Ansatz, bei dem je nach Ausgangslage das bedürfnissgerechte “grösser”, “gleich” oder “kleiner” Platz haben soll. Viel besser noch: Zusammenarbeit dort, wo Synergien (–> Kostenersparnisse oder Leistungsverbesserung) tatsächlich gewonnen werden können!
Zum Schluss noch ein Bitte: Wohlwollende Aussenstehende, lasst die betroffene Bevölkerung bestimmen, welches Preis-Leistungsverhältnis für öffentliche Aufgaben ihnen genehm ist, denn besser ist in der Regel nicht billiger – oder soll man sich darüber wundern, dass nicht jeder in einer Villa wohnt, weil das doch auch viel besser wäre? Wie im Artikel erwähnt: es geht ja nicht nur ums Sparen…
q.e.d.

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2 Kommentare

  1. Rioja:

    Das Schlagwort “Fusion” blendet die Vielfalt an Gestaltungsmöglichkeiten aus. Die Reduktion auf das alleinige Kriterium einer betriebswirtschaftlich optimalen Betriebsgrösse wird dem Bedürfnis der Bewohnerinnen und Bewohner nicht gerecht.
    Der Schub für die Diskussionen rund um die optimale Ausgestaltung der Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortung zwischen Gemeinden muss von der Basis her kommen.

  2. zarathustra:

    Mit dem Schlagwort “Fusion” wird in der Tat nichts gewonnen, solange nicht auch inhaltliche Neuerungen erfolgen. Grösser ist also nicht zwingend besser, wenn nur die Grösse entscheidet. Hingegen stellt sich die Frage, ob der Souverän tatsächlich über alle möglichen und unmöglichen öffentlichen Aufgaben bestimmen soll. Denn natürlich würden wir alle lieber in eigenen Villen leben, solange irgend jemand anders die Miete bezahlt. Deshalb wollen wir alle nicht auf unser Handy verzichten, die Mobilfunkantenne aber im Garten des Nachbarn bauen lassen. Oder mit anderen Worten: Der Schub für Änderungen soll vom Souverän kommen, die konkrete Ausgestaltung aber darf nicht zur Interessenwahrung auch der kleinsten Einheiten verkommen.

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