Parallelimporte statt aufsehenerregendes Massnahmenbündel
Heute haben das Bundesamt für Gesundheit (BAG) und die Pharmaindustrie ein Massnahmenpaket (Medienmitteilung) vorgestellt, um die Kosten im gesundheitswesen um 250 Mio. zu senken. Der “Handel” zeigt vor allem, wie gross der Druck auf die Pharmaindustrie geworden ist, wie in anderen Wirtschaftssektoren auch Parallelimporte zuzulassen. Dazu beigetragen haben insbesondere verschiedene parlamentarische Vorstösse (zum Beispiel diese Motion, als Postulat überwiesen). Der Druck auf die Pharmaindustrie ist gestiegen. Das Argument, durch die hohen Medikamentenpreise würde der Forschungsplatz Schweiz gesichert, lässt sich angesichts des kleinen Anteils des schweizerischen Marktes am Gesamtumsatz der Branche kaum noch halten. Viel schmerzhafter wären gemäss Brancheninsidern Parallelimporte, weil das Preisniveau der Schweiz als Referenz für zahlreiche europäischen Länder dient. Es erstaunt also nicht, dass mit dem heutigen Massnahmenbündel vor allem Aktivismus vorgetäuscht wird.
Ordnungspolitische Frage bleibt ungelöst
Im Hinblick auf kommende gesundheitspolitische Debatten will man offensichtlich auf ein Bauernopfer verweisen. Die grundsätzliche ordnungspolitische Frage bleibt jedoch nicht gelöst: Wie ist es zu rechtfertigen, dass ein Medikament (auch ein patentgeschütztes) in der EU deutlich weniger kosten als in der Schweiz? Ist das Patent in Deutschland weniger Wert? Warum soll in der Schweiz verboten sein, was mein Kollege Kaufmann Edwin Kohl und rund 1000 Mitarbeitende von der Kohlpharma AG in Deutschland seit 1979 erfolgreich und auch zugunsten geringerer Gesundheitskosten praktizieren: Medikamente des genau gleichen Herstellers in der EU kaufen und umgepackt in Deutschland vertreiben?





Sepp:
Gerade dieses Thema scheint mir schwierig zu sein. Es stimmt, dass etwas gegen die Hochpreisinsel Schweiz unternommen werden muss. Aber hat das nicht auch gewisse Grenzen? Muss denn der Wettbewerb überall spielen? Ich finde nicht.
14 September 2005, 9:33 amEsther:
Doch, in dieser Frage trete ich klar für Wettbewerb ein. Wenn wir uns entschieden haben, die Verteilung von Medikamenten über den Markt zu organisieren – und ich denke, das ist sinnvoll – dann ist es zumindest begründungspflichtig, warum das gleiche Produkt im einen Land mehr kosten soll als im anderen. Und solche Gründe sehe ich in diesem Fall weit und breit nicht.
10 Oktober 2005, 10:29 am