Genmoratorium: Staatlicher Schutz privater Interessen!?
Die Einschränkung der Wahlfreiheit, sei es jene der Konsumierenden oder der Landwirte, lässt sich ordnungspolitisch nicht rechtfertigen – sofern man beide für mündig hält… Es braucht nur Entscheidungsgrundlagen in Form von gezielten Informationen, sei es durch eine Deklaration oder – noch besser – durch private Agenturen und ihren Labels. Daraus lässt sich aus heutiger Sicht für beide Seiten ein Trost herleiten:
Entscheidend ist aus ordnungspolitischer Sicht, dass jede und jeder nach seinem individuellen Risikoprofil wählen darf – genauso wie bei der Wanderroute, beim Weinkonsum oder bei der Sportdisziplin. Von diesen Gedanken ausgehend verbleiben als treibende Motive für oder gegen die akuelle Abstimmungsvorlage also lediglich die wirtschaftlichen Eigeninteressen der Beteiligten beidseits, die wenig mit den vorgeschobenen ethischen oder gesundheitlichen Argumentation zu tun haben.
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Sepp:
Mein Senf zu den Risiken: Die bestehen seit Millionen Jahren
14 November 2005, 11:45 amSachliches Denken hilft auch im Bereich der Gentechnologie: Grundlage der Evolution ist bekanntermasen die Mutation. Tagtäglich entstehen natürlicherweise genmutierte Organismen. So entstanden und entstehen wunderschöne und “gute” Pflanzen und Tiere aber auch gefährliche Lebewesen, wie Krankheitserreger oder gefährliche Tiere. Sachlich gesehen gibt es keinen Unterschied zwischen den alltäglichen und nicht minder risikoreichen Freisetzungsversuchen evolutiver Art und jenen menschlicher Art. Der Mensch lebt seit Jahrmillionen mit diesem Risiko. Gentechmais ist mit etwas Abstand betrachtet nicht “künstlich”, sondern sehr natürlich – er hätte auch zufällig durch eine evolutive Mutation entstehen können – und darum auch nicht der Untergang menschlichen Daseins. Die Verteufelung gentechnisch veränderter Organismen kann nur ideologisch oder religiös begründet werden.
Esther:
Alle Bürgerrechte sind staatlicher Schutz privater Interessen. Es kommt drauf an, ob diese Interessen legitim sind oder nicht. Im konkreten Fall geht es um das Interesse, nicht von fremden auferlegte Risiken bei der Nahrungsmittelproduktion ausgesetzt zu werden. Auch wenn gentechnisch veränderte Lebensmittel höchst wahrscheinlich nicht gesundheitsschädigend sind, kann es doch sein, dass durch die beschleunigte Mutation das Ökogleichgewicht aus dem Lot gerät und noch unabsehbare Schäden nach sich zieht. Diese Möglichkeit können wir nicht ausschliessen und darum ist es richtig und wichtig, die Bevölkerung zu fragen, ob sie diese Risiken auf sich nehmen will. Denn falls ein Schaden eintritt, wird er alle betreffen. In unserer kleinräumigen Schweiz ist eine Trennung des Saatguts eine Illusion. Das konsequente Wegsehen bei den potentiellen Gefahren der Moratoriumsgegner ist genauso reine Ideologie.
14 November 2005, 1:04 pmChristoph:
@Esther: Bei technischen Errungenschaften lassen sich Risiken NIE ausschliessen, das war schon immer so. Aber ohne technischen Fortschritt lassen sich die Probleme der heutigen Zeit nicht lösen (Stichworte: Bevölkerungsexplosion, Ressourcenknappheit, Klimaerwärmung, Epidemien, etc.). Im Vergleich zu diesen Problemen ist doch das Risiko von freigesetzten GVO gering! Es wäre langsam an der Zeit, dass sich links-grün wieder mit den wahren ökologischen Problemen befasst, anstatt sich grundsätzlich gegen alles Neue zu stellen. Angst war schon immer ein schlechter Ratgeber und vermochte den Siegeszug von Kartoffeln, Eisenbahn, Computer, Natels gotlob nicht aufzuhalten. Es kann doch keine Lösung sein, wenn man immer dagegen ist.
Im übrigen habe ich nichts dagegen, dass das Volk befragt wird.
14 November 2005, 11:49 pmForum Politik ignoranz.ch » Dossier Gentechnik Abstimmung:
[...] Ordnungspolitischer Blog: Genmoratorium: Saatlicher Schutz privater Interessen? [...]
15 November 2005, 1:26 pmPOLIS - Genmoratorium: Die Blogwelt ist gespalten...:
[...] Genmoratorium: Die Blo… [...]
15 November 2005, 3:21 pmPolis:
Ich hab auf Polis mal ein paar Argumente zusammengetragen für und wider das Genmoratorium. Hier der Manuelle Trackback dazu: http://polis.kaywa.ch/default/genmoratorium-die-blogwelt-ist-gespalten.html
15 November 2005, 4:23 pm