Swisscom-Aktien: Verkehrte Welt

Der Bund will die Swisscom-Aktien verkaufen. Bundesrat Merz ist der Meinung, dass der Bund das unternehmerische Risiko nicht mittragen könne. Tatsächlich sind Aktien immer mit einem erheblichen Risiko behaftet – zumal in einer Branche, welche Wachstum mittels teurer und risikoreicher Akquisitionen im Ausland realisiert. Bei jeder Neuemission von Aktien wird mittels “Wagnishinweis” ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Investoren auch damit rechnen müssen, ihr Geld zu verlieren.
Gewerkschafter Daniel Levrat ist strikte gegen den Verkauf und kündigt bereits das Referendum an. Er sieht den Service public gefährdet, sollte der Bund nicht mehr an der Swisscom beteiligt sein. Die Beteiligung des Bundes als Aktionär sichere die Versorgung des Landes mit Telekommunikation. Es ist eine verkehrte Welt: Der Gewerkschafter will weiterhin unverdrossen Staatsgeld dem unternehmerischen Risiko aussetzen und will als Aktionär Einfluss auf die Versorgung nehmen. Er hat plötzlich das Vertrauen in den Staat als Regulator und seine Rahmenbedingungen verloren.

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2 Kommentare

  1. sisyphos:

    Die Genossinnen und Genosen brauchen schliesslich eine raison d’être…

  2. Leben ohne Swisscom-Grundversorgung auf Ordnungspolitischer Blog:

    [...] Was, wenn das viele so machen? In Frankreich sollen es gemäss NZZ (via freilich.ch) bereits vierzig Prozent sein, die ohne France Télécom leben! Dann ist der ehemalige Monopolist plötzlich das Argument los, aufgrund dessen er von gewissen konservativen Politikerinnen und Politikern von links bis zur Mitte noch als staatsnotwendiger Betrieb gehätschelt wird. Der Bundesanteil am Unternehmen ist echt in Gefahr, aber nicht wegen des Verkaufs, sondern wegen technischem Fortschritt und mündigen Menschen, die auf Alternativen umsteigen können – und bald wird es deren mehr geben, wenn die ersten pan-europäischen Netze kommen. Deshalb: Verkauft die Swisscom, aber schnell! [...]

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