Gestern berichteten die Medien über den neuen über tausend Seiten starken Ernährungsbericht des Bundesamtes für Gesundheit. Auch Blogs berichten darüber. Über siebzig Studien stellen fest, was wir bereits wissen: Die Schweizerinnen und Schweizer essen zu viel und zu fett und bewegen sich zu wenig. Im Zentrum von möglichen Massnahmen stehen – wen es überrascht, kann meine alten Adidas “Zürich” haben – Präventionskampagnen die uns Sensibilisieren und endlich umdenken lassen sollen. Sofort hebt auch das Lamento über die geringen Mittel an, die dafür zur Verfügung stehen, und die – auch hier: wen wunderts – in keinem Verhältnis stehen zu den sogenannten “volkswirtschaftlichen Kosten”, welche durch Fettleibigkeit verursacht werden.
Auch ich bin – ich gebe es zu – regelmässig Opfer meiner Gelüste. Seit ich mir meinen bescheidenen Wohlstand erarbeitet habe, lebe ich nach dem Motto: “Lieber Genossenes bedauern, als bedauern nichts genossen zu haben.” Bewegung bekomme ich sicher auch zu wenig, obwohl die Botschaft der Präventionskampagnen bei mir durchaus angekommen ist. Sollen darum tatsächlich drastische Massnahmen wie kompliziertere Deklarationsvorschriften oder gar Werbeverbote ergriffen werden, wie gestern verschiedentlich vorgeschlagen wurde? Will man auch in diesem Bereich dazu übergehen, den Menschen vor sich selber zu schützen? Vielleicht hilft tatsächlich nur eine drastische Massnahme, aber eine, welche die Selbstbestimmung der Menschen ernst nimmt. Ich versichere Ihnen – geschätzte Leserin, geschätzter Leser, dass die Berücksichtigung der Fettleibigkeit bei der Berechnung der Krankenkassenprämien umgehend zu sportlicheren Menschen und trendigen Gemüsesuppen (füllen den Magen!) führen werden. Ich jedenfalls habe mich für diesen Fall schon nach neuen Joggingschuhen umgeschaut.

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3 thoughts on “Fette Schweizer: ordnungspolitisches Abnehmen bringt mehr als Kampagnen

  1. Ich stimme dem uneingeschränkt zu. Hat jemand einmal untersucht, was bei Bund, Kantonen und Gemeinden für Kampagnen ausgegeben wird?

  2. Ich stimme zu, dass statt Präventionskampagnen die volkswirtschaftlichen Kosten nicht senken werden, da damit nur Symptome wegbeschwört werden, deren Ursache ganz wo anders liegt:

    Der motorisiere Individual-Verkehr macht die Benutzung des Körpers zur Fortbewegung am Strassenrand völlig unattraktiv. Lärm und Abgase machen Strassen nachweislich unwirtlich, gefährlich und ungesund, so, dass das natürliche, gesunde Zu-Fuss-Gehen vermieden wird.

    Dies ist ein auf rechtspolitischem Weg zu lösendes öffentliches Problem, da die Industrie die Verminderung von Emmissionen nur halbherzig vorantreibt und all zu langsam zur Produktreife bringt.

    Hier muss die Politik endlich Ordung machen, da die gesundheitschädigenden Folgen der Bevorteilung eines für breite Schichten nachweislich ungesunden Mobilitätskonzeptes sowohl für den Nutzer als auch den Nichtnutzer dieser Mobilitätsart grosse gesundheitliche Schäden verursacht und die Lebensqualität massiv beeinträchtigt.

  3. Ich für meinen Teil kann nur sagen, dass man Geduld haben muss, bis man “seine” Sportart gefunden hat. Sport und Bewegung muss Spass machen, denn nur so bleibt man auch dran. Ich war mein ganzes Leben lang ein Sportmuffel, aber seit zwei Jahren kann ich nicht mehr genug von Aerobic kriegen. =)

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