Förderung von Feng shui und Farbgestaltung?

Heute berichtet die NZZ (S. 13) über ein beeindruckendes Netzwerk von Frauenunternehmen und ihrer Arbeit zur Unterstützung von Frauen, die eine Firma gründen oder übernehmen. Die private Initiative stösst auf viel Goodwill, sogar im Staatsekretariat für Wirtschaft (Seco), das die Förderung von Unternehmerinnen in Europa und Nordamerika untersuchen lässt und sich eine ähnliche direkte Förderung überlegt.

Da beginnt das ordnungspolitische Problem. Eine spezifische Förderung von Unternehmerinnen wäre höchstens dann eine – immer noch sehr fragwürdige – Überlegung wert, wenn Frauen geschlechterspezifische Defizite für diese Tätigkeit aufwiesen, was schlicht nicht zutrifft. Aus dem Text wird auch nicht klar, worin die postulierten “anderen Probleme” von Firmengründerinnen bestehen. Das Kursprogramm des Netzwerkes fokussiert sich auf geschlechterunspezifische Themen wie Finanzen, Steuern oder Marketing. Einzig Themen wie “Feng shui, Kultur und Farbgestaltung” fehlten nie. Sind das die spezifisch weiblichen Anliegen, die gefördert werden müssen? Die Bevorteilung von weiblichem Unternehmertum – statt die Vereinfachung der Selbständigkeit durch Abbau administrativer Hürdenfür alle – schafft nur Begünstigte mit entsprechenden Abhängigkeiten. Freies Unternehmertum verkommt zur Günstlingswirtschaft. Muss ich mich als an Farbgestaltung interessierter Unternehmer als Frau ausgeben, um vom durch das Seco verbilligten Kurs über Bürowände teilzunehmen?

Vielleicht kriege ich aber als Mann eine finanzielle Unterstützung, wenn ich mich anschicke, ein legendäres ordnungspolitisches Werk in die weibliche Form umzuschreiben: Friedrich A. von Hayeks “Der Weg zur Knechtschaft” – Titelvorschläge werden gerne entgegengenommen!

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2 Kommentare

  1. Julika Hartmann:

    Genau auf den Punkt getroffen. Ich hatte mal beschlossen aus jedem Frauennetzwerk auszutreten, in dem es Feng Shui Kurse gibt, nur blieb dann keins mehr übrig.

    Ich hab fast nur mit Frauen zu tun, also keine Ahnung, was sonst noch Männer und Frauen unterscheidet, vielleicht sollte ich einfach mal meine Möbel umstellen. Es dürften sich in der “Unternehmerinnenförderung” aber wohl dieselben Argumente wiederfinden wie bei der Förderung der Erwerbsquote von Frauen.
    Es ist aber schon so, dass Frauen weniger und andere Unternehmen gründen als Männer und sich da insb. bei der Kapitalbeschaffung Differenzen ergeben. Ich warte immer noch auf den Schlussbericht auf das Postulat Fetz.

    Auszüge aus dem Expertinnenbericht sind schonmal lustig. (Ok, um fair zu sein zitieren die auch nur aus einer hsg-Sdudie):

    “Die Erweiterung des Spektrums hin zu nicht primär
    wachstumsorientierten Gründungen setzt ein anderes Verständnis von
    Unternehmertum und ein anderes Erfolgskonzept voraus: von
    wachstumsorientierten Unternehmen hin zu lustvollen
    UnternehmerInnen, die ihren Lebenszweck nicht ausschliesslich in der
    Berufstätigkeit sehen.”

  2. Parcival:

    Ich bin grundsätzlich für Frauenförderung, denn Frauen haben z.T. immer noch nicht die gleiche Chancengleichheit wie Männer. Dies liegt ganz einfach daran, dass ein Paar, wenn es Kinder kriegt, entweder einen Eltern- oder Grosselternteil zu deren Betreuung abstellen oder einen meist nicht vorhandenen Krippenplatz teuer bezahlen muss.

    In diesem Sinn scheinen mir Feng Shui Kurse zur Frauenförderung tatsächlich auch fragwürdig, dafür aber Tagesschulen und Teilzeitarbeit für Männer dringend nötig.

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