Bahnpreise-Einmaleins: Preise koordinieren
Preise sind nicht Selbstzweck – sie erfüllen eine wichtige Koordinationsfunktion: Ein Mechanismus der unabhängig von Ideologie gilt und selbst die strengsten staatlichen Regulierungen durchbricht. Um dies zu verstehen darf der Blick jedoch nicht auf den “angeschriebenen” Preis eines Gutes alleine fixiert bleiben, sondern muss auch andere, zum Teil nicht monetäre Preiskomponenten erfassen: Zeit beim Warten, Suchaufwand beim Vergleichen und vieles mehr (vgl. Staus, Schlangen für Eintritte usw.). Die Koordinationsfunktion funktioniert umso besser, je stärker Angebot und Nachfrage aufeinander abgestimmt werden können. Wird dieser Abgleich aber erschwert oder verunmöglicht, entstehen Kosten durch zu viel bzw. zu wenig Angebot sowie auf der Nachfrageseite in Form der obengenannten Zeit- und Suchkosten usw. Kurzum: die Ressourcen werden insgesamt suboptimal genutzt.
Beispiel Bahnpreise
Die Bahn kann sich als staatlich geführter Betrieb leisten, von marktgerechten Preisen abzuweichen. Dies ist auf dem ersten Blick ein Vorteil für die Bahnkunden, da die Berechnung der Reisen einfach ist – oder war: Schon seit der Eröffnung des Anschlusses an den Flughafen Kloten 1981 ist man von der distanzunabhängigen Bepreisung abgewichen, und seit mehreren Jahren bezahlt man für die Hauptstrecken einen teureren Tarif (z.B. Zürich-Bern). Wenn nun die Cisalpino “die Bahn zum Flugzeug macht” (vgl. NZZ vom 31.01.06, S. 13), so ist dies nicht nur eine Fortsetzung eines Trends im schweizerischen Bahnwesens, sondern auch schlicht die Annäherung an die normalen Verhältnisse eines Marktes. Werden die Tarife weiterhin stur nach einem mechanischen Prinzip berechnet, reist man entweder in überfüllten Zügen oder in halbleeren Wagen und – wenn man Glück hat – ab und zu in optimaler Sitzplatzauslastung.
Unternehmerische Flexibilität ist sinnvoll
Mit anderen Worten: sind die Tarife generell zu tief, verzichtet man auf Einnahmen (z.B. für neues Rollmaterial oder für saubere Bahnhöfe) oder verlangt zu viel (z.B. in Randzeiten). Vor allem verzichtet das Unternehmen auf die Koordinationsfunktion des Preises. Werden diese Nachteile durch eine einfache, ästhetische und gewohnte Preisstruktur wettgemacht?
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Sepp:
Wer hat schon einmal die leeren Züge so zwischen 9 und 11 Uhr oder 15-16 Uhr gesehen? Dies sind die gleichen Züge, die morgens zu klein sind, um allen einen Sitzplatz zu bieten. Es ist zu umständlich die Länge der Kompositionen so zu variieren. Ok. Bleiben also nur die Preise, um die Nachfrage mit dem Angebot zu koordinieren. Eigentlich klar…
12 Februar 2006, 9:25 pm