Erholt von einer Woche Schnee – sehr viel Schnee – in den Bergen melde ich mich zurück. Im Moment läuft ja die Frühjahrssession des Parlaments: Tummelplatz für allerlei aufmerksamkeitsorientierte Persönlichkeiten mit Flair für ordnungspolitische Missgriffe. Ein Beispiel gefällig? Et voilà: Wann gibt es einmal eine IV-Revision, welche die behinderten Menschen ernst nimmt? Welche Logik steht hinter der Forderung, Unternehmer müssten gleichzeitig als Betreuer einer Quoten von behinderten Menschen tätig sein? Gerade jetzt wird ein entsprechender Antrag gestellt, der von einer naiven und verklärten Sicht der Welt zeugt. Dieser ordnungspolitische Unsinn hat folgende Konsequenzen: Statt Menschen mit Behinderungen als Individuen mit Stärken und Schwächen wahrzunehmen, werden sie zu Empfängern von mittels Quoten und drohenden Bussen geschaffenen “Mitleidsjobs” degradiert. Menschenverachtung ausgerechnet aus dem Schosse einer Partei, die sich als Hüterin der Menschenrechte gebärdet. Klar, ich gebe zu, der Antrag ist natürlich nur gut gemeint…

Stärken entwickeln
Die damit verbundene “Scheinintegration” durch Ausgrenzung auf künstlich geschaffene Integrationsjobs löst das Problem nicht. Statt auf die individuellen Fähigkeiten abzustellen, versorgt sie der Antrag. Behinderte Menschen sind erfahrungsgemäss oft in die Arbeitswelt integrierbar, wenn ihre Stärken gezielt entwickelt werden. Vielleicht soll mit dem Antrag das Versagen der aktuellen “Invalidenpolitik” übertüncht werden, die von einer bürokratischen IV geprägt ist und falsche Anreize setzt. Zudem ist eine ganze Industrie entstanden, die sich auf die Integration spezialisiert hat und natürlich genauestens weiss, was den behinderten Menschen gut tut! Die entsprechenden Geldmittel fliessen viel einfacher staatlich gelenkt dorthin als zu engagerten Arbeitgebern, die freiwillig behinderte Menschen aufnehmen würden. Und nun sollen die gleichen Arbeitgeber doch noch gut dafür sein? Die Staatsgläubigkeit etatistsicher Politiker treibt hier zynische Blüten – es ist Zeit, dass die erst in Kinderschuhen steckende Idee der Subjekthilfe (“Persönliche Assistenz”) endlich Fuss fasst, damit die segregierten Integrierten wieder reintegriert werden.

Ähnliche Artikel:

  • No Related Posts

3 thoughts on “Behinderte Menschen: Eingliederung durch Ausgrenzung?

  1. Hmm, das ist jetzt alles sehr theoretisch und ideologisch. Wieviel reale, praktische Erfahrung hast Du mit behinderten Menschen im Allgemeinen, und der Integration dieser Menschen in die Arbeitswelt im Besonderen?

  2. Übrigens kannst Du gleich Nägel mit Köpfen machen und am 19. März in Zug die Betroffenen und ihre Eltern gleich selber fragen, was sie von Deinen Ansichten halten.

  3. Deine Vermutung, MatthiasG, trifft nicht zu. ich habe wähend drei Jahren in einer institution gearbeitet, die sich u. a. genau dieser Problematik annahm: Die Stärken der einzelnen behinderten Menschen entwickeln, individuelle Lösungen suchen, statt alle möglichst gut versorgen.

Leave a Reply

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.