Lohnsteuerkarte (Deutschland)
Jubel ertönte vorgestern allüberall: Die Steuern sind abbezahlt! Am 19. April feierte auch ich zusammen mit Kollegen den “Tax Freedom Day” – den ersten Tag an dem wir frei unser Geld verdienten. Nach 108 Tagen dürfen wir durchschnittlichen Steuerzahlenden nun selber behalten, was wir verdienen. Die gute Nachricht: im Jahr 2000 brauchten wir dazu noch 112 Tage. Die schlechte: Anfangs der neunziger Jahre waren es noch weniger als 100 Tage. Und wie sieht es in anderen Ländern aus? Wann feiern die den Tax Freedom Day?

Vereinigte Staaten: 26. April 2006 (inkl. schöner chronologischer Vergleichsgrafik)
Grossbritannien: 3. Juni 2006 (die armen Briten)
Kanada: 26. Juni 2005 (für das Jahr 2005, in diesem Jahr können die Kanadier ihren Rekordwert hier sogar individuell nachrechnen)

Können wir nun zufrieden zurücklehnen? Kaum, wenn man sich ein paar andere Zahlen aus den Schweizer Staatsfinanzen vergegenwärtigt. Das Finanzepartement in oben verlinkter Medienmitteilung:

In den Berechnungen spiegelt sich die Entwicklung der Staatsfinanzen der letzten 15 Jahre. Seit 1990 haben sich die Schulden des Bundes von 38 Mrd. CHF auf fast 130 Mrd. mehr als verdreifacht. Jährlich wendet der Bund rund 4 Mrd. für Schuldzinsen auf. Im gleichen Zeitraum ist die Staatsquote von 30% auf 36.5% gestiegen.

Was man mit vier Milliarden so alles sinnvolles bewerkstelligen könnte! Da kommt bei mir immer gleich eine Frage auf – vielleicht weiss da draussen in der Blogosphäre jemand eine Antwort: Warum befürworten Staatsgläubige in allen Parteien solche Schulden? (Foto: pixelquelle.de)

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10 thoughts on “Steuern bezahlt: Tax Freedom Day in der Schweiz

  1. “Warum befürworten Staatsgläubige in allen Parteien solche Schulden?”

    Ganz einfach – sie profitieren von der staatlichen Umverteilungsmaschinerie. Der Economist nennt diese Leute Insider, ich nenne sie Staatskapitalisten und Ausbeuterklasse.

    Aber frag doch mal Chr. Schenkel, der wird dir das schon beantworten wollen/können…

  2. Die Staatsqueote ist an sich nur so lange so angenehm tief als Zwangsabgaben an private Institutionen nicht mitgezählt werden (Stichwort Krankenkassenprämien), die in anderen OECD-Ländern über “normale” Zwangsabgaben finanziert werden. Gemäss Economiesuisse wäre die “echte” Quote in der Schweiz bei ca. 42 %…. Schöner Durchschnitt… :-(

  3. Warum befürworten Staatsgläubige in allen Parteien solche Schulden?

    Staatsgläubige befürworten solchen Unsinn nicht. Staatsgläubige wollen einen handlungsfähigen Staat. Strukturelle Staatsverschuldung befürwortet niemand, den ich kenne, sie kommt zustande, weil im Wahlkampf die breite Masse die Macht hat und außerhalb davon die Lobbyisten regieren. Wer die vier Milliarden Euro wiederhaben will, muss entweder die Demokratie abschaffen oder die Parlamentslobby.

    Schönen Gruß, Steve

  4. Wenn Staatsgläubige einen handlungsfähgen Staat wirklich wollten, würden sie etwas gegen die Schuldenlast unternehmen, denn die verringert die Handlungsfähigkeit massiv. In der Schweiz um vier Miliarden Franken pro Jahr.

  5. Wie bitte? Nehmen wir deutsche Beispiele die du kennst:
    Kohl war staatsgläubug hat Defizite angehäuft, der Schröder war Staatsgläubig und hat noch mehr Defizite angehäuft. und auch jetzt sieht es nicht danach aus, als ob du recht bekommen könntest…

  6. > der Schröder war staatsgläubig

    Ich muss gestehen, dass ich im Falle Kohls einen guten Teil der Amtszeit wegen Mauer und Infantilismus nicht mitbekam; doch wenn Schröder staatsgläubig ist, dann ist Ihr politisches Koordinatensystem meinem und Schröders doch sehr fremd.

    Regierungserklärung Schröder 2002:

    “Es ist richtig, dass der Staat nicht die Bereiche organisieren soll, in denen die Gesellschaft das selbst besser kann. Deshalb brauchen wir weniger Bürokratie und weniger Obrigkeits­denken – aber nicht weniger Staat. Ebenso klar ist: Der allgegenwärtige Wohlfahrtstaat, der den Menschen die Entscheidungen abnimmt und sie durch immer mehr Bevormundung zu ihrem Glück zwingen will, ist nicht nur unbezahlbar. Er ist am Ende auch ineffizient und inhuman.”

    Ich lese das “aber nicht weniger Staat” hier als abwehrenden Einschub (und “mehr Staat” heißt das noch lange nicht), der Tenor des Rests ist eindeutig. Ich habe von Schröder und seiner Mannschaft sehr oft “weniger Staat” und sehr selten “mehr Staat” gehört.

    Die Schröder-Führung glaubte also nicht an den Staat: Damit waren es per Definition keine Staatsgläubigen.

  7. Man sollte bei Politikern nicht auf Erklärungen achten, sondern auf das, was sie tun. Alles Andere ist naiv. Ach ja, den Staatsgläubigen noch weiter Links ist die Verschuldung noch mehr egal (und das war ja die These hier). Staatsgläubige aller Parteien werfen heute das (unser) Geld zum Fenster hinaus und merken nicht, dass sie morgen ein Sparprogramm machen müssen, weil sie die Zinsen fast nicht mehr bezahlen können.

  8. Hallo,

    Ehrlichen Glückwunsch, Sepp, das war schon eine Argumentation.

    Man sollte bei Politikern nicht auf Erklärungen achten, sondern auf das, was sie tun.

    Schröders politisches Vermächtnis:
    1. Die Staatseinnahmen real gesenkt.
    2. Neuverschuldung produziert.
    3. Den Börsengang des letzten staatlichen Fernverkehrsunternehmens eingeleitet.

    Nenn jetzt mal ein ebenso schwer wiegendes Beispiel für Schrödersche Staatsgläubigkeit.

    den Staatsgläubigen noch weiter Links

    Kohl war ganz bestimmt nicht links anzusiedeln. Ich gehe mal davon aus, dass du Schröder meintest, auch wenn der diese Unterscheidung links rechts transzendiert hatte.

    ist die Verschuldung noch mehr egal

    Ich habe in der Berliner taz (www.taz.de), die die Bild der Linken in Deutschland ist, sehr oft die Forderung nach einer strukturellen
    Steuererhöhung gelesen, um das Defizit in den Griff zu bekommen.

    Die liberale Forderung ist eine Steuersenkung zusammen mit einer
    Ausgabensenkung, also eine Staatsschrumpfung. Nur ist Staat
    schrumpfen nicht ganz trivial, also senken wir halt nur die Steuern:
    Willkommen im Schuldenland.

    (und das war ja die These hier)

    War sie nicht. Oder hast du ein Zitat dazu?

    Staatsgläubige aller Parteien werfen heute das (unser) Geld zum Fenster hinaus

    Bundeshaushalt 2003:
    http://www.destatis.de/basis/d/fist/fist03_1.php

    Ich bin sicher, die Schweiz unterscheidet sich qualitativ nicht davon.

    Welcher dieser Posten ist genau das Fenster? Die Sozialausgaben, die zur Hälfte in die Rente wandern? Ich erinnere sie dann mal, wenn sie eine Rente wollen.
    Und “unser” Geld ist so ein Thema: Volkswirtschaften sind ziemlich komplex, und die volkswirtschaftliche Sichtweise, es gäbe “dein” Geld und das hättest du “verdient”, ist ihrerseits äußerst naiv. Denke immer dran, wer für fünf Euro putzt, und damit erst deine Stundenlöhne möglich macht.

    merken nicht, dass sie morgen ein Sparprogramm machen müssen, weil sie die Zinsen fast nicht mehr bezahlen können.

    Oder hoffen, dass sie schon weg vom Fenster sind, wenn das passiert.
    Grundsätzlich aber volle Zustimmung: Staatsverschuldung ist Mist.

  9. Pingback: Tax freedom day: später als das EFD erlaubt « Ordnungspolitischer Blog

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