Schulgebaeude
Wenn Volksabstimmungen über die Anzahl Sprachen an der Primarschule entscheiden, wenn Volksinitiativen über Handarbeits- und Turnstunden geplant und politische Gremien statt Eltern über Klassengrössen, Lehrpläne und Lehrmittel entscheiden ist es Zeit für einen Neuanfang.

Und der geht so: Wir entpolitisieren die Bildung und legen die Verantwortung ganz in die Hand der Eltern – dort wo sie natürlich und verfassungsgemäss auch liegt. Der Staat zieht sich ganz aus der Bildung zurück, verselbständigt die bestehenden Infratrukturen (durch klassisches Management Buy-out zum Beispiel) und springt nur noch dort ein, wo Private keine Bildung anbieten. Er beschränkt sich auf die Garantie von Mindeststandards – die einzige Aufgabe die ihm sinnvollerweise zufällt – wie er es heute bei seinen eigenen Schulen auch schon macht. Die Eltern erhalten Bildungsgutscheine, die sie einlösen können, wo sie wollen. Zuerst entsteht ein Wettbewerb unter den bestehenden Schulen. Später entstehen auch private Angebote, die sich um Schülerinnen und Schüler anzuziehen differenzieren werden und verschiedene Angebote (immer in Erfüllung der staatlichen Mindeststandards) machen.

Diese Idee ist nicht neu, ja sogar der FDP ist sie schon in den Sinn gekommen. Nur hat sie der Mut rasch verlassen: “Das liberale Gedankengut würde zwar zu einer freien Schulwahl in allen Schulstufen tendieren, doch könnte ein solcher Liberalisierungsschritt in der obligatorischen Schule zu erheblichen gesellschaftspolitischen Problemen führen (Segregation gewisser Quartiere in Städten und Agglomerationen, Integrationsprobleme, etc.).” (Quelle) Schade hat man sich bei der FDP nicht etwas genauer mit dieser Frage auseinandergesetzt.

Da sprechen wieder einmal die vereinigten eidg. dipl. Bedenkenträger. Wer sich mit der freien Schulwahl ernsthaft auseinandersetzt, kommt zu einem anderen Schluss: Die freie Schulwahl mittels Bildungsgutscheinen ist gerade in den Staaten immer mit Programmen verknüpft, die einkommensschwachen Familien speziell unterstützen – sei es mit speziell hohen Gutscheinen oder durch zusätzliche Stipendienprogramme – wenn, ja wenn die Leistung des Kindes stimmt. In vielen amerikanischen Bundesstaaten bekommen sogar nur die einkommensschwachen Familien einen Bildungsgutschein (oder eine entsprechende Steuergutschrift), so zum Beispiel in Milwaukee, Wisconsin, wo nur Familien mit einem Einkommen von 175% der Armutsgrenze und darunter einen Bildungsgutschein erhalten. Richtig angewandt sind Gutscheinsysteme soziales Aktionsprogramm mit deutlichen Resultaten.

Das Staatsmonopol auf Bildung führt dazu, dass jeder Anreiz einen besseren Unterricht zu bieten, individuellere Förderung anzubieten und erfolgreichere Schülerinnen und Schüler auszubilden verschwindet. Das ändert sich schlagartig, wenn auch nur ein minimaler Wettbewerb zwischen den Schulen entsteht. Ein marktorientiertes System, welches den “Verbrauchern” von Bildung die Wahl lässt, bringt Schulen, deren Angebot und Leistung nicht attraktiv genug ist schnell an den finanziellen Abgrund. Qualität setzt sich dann endlich durch – Mittelmass hat keinen Platz. Ich zitiere aus meiner Quelle (PDF):

Ein Anzahl von Kriterien zeigt, dass die freie Schulwahl positive Ergebnisse erzielt. Sie verbessert die Elternzufriedenheit mit den Schulen. Sie verbessert die Schulleistungen der teilnehmenden Schüler. Darüber hinaus verbessert sie die Leistungen der öffentlichen Schulen. Kurz, die freie Schulwahl durch die Eltern befördert ein Bildungssystem, das allen Schülern bessere Chancen bietet – unabhängig davon, wo sie zur Schule gehen.

Die institutionelle Einheit von Finanzierung, Produktion und Kontrolle von Bildung ist ein Schwachpunkt unseres Bildungswesens. Weil die Bildungskonsumenten nicht wissen, was ihre Bildung eigentlich kostet (die Bezahlung erfolgt ja indirekt), nehmen sie ihre Verantwortung für das Produkt nicht im gleichen Masse wahr, wie wenn sie die Rechnung selber (oder durch Gutscheine) bezahlen müssten. Die Überaschung folgt dann auf dem Fuss, wenn man die Kosten einmal ausrechnet, wie kürzlich die Schweizerische Universitätskonferenz (Link).

Wenn sich also heute Eltern nicht um die Schule kümmern, kann daraus nicht abgeleitet werden, dass Väterchen Staat das sowieso besser kann und machen soll. Und dass Lehrkräfte gegen eine freie Schulwahl sind, versteht sich von selber – denn sie sind in einem echten Bildungswettbewerb erstmals richtig gefordert. Der Wechsel von der heutigen Angebotsfinanzierung (der Staat finanziert die Schulen) zu einer Nachfragefinanzierung (der Staat finanziert die Schülerinnen und Schüler bzw. deren Eltern) ist ein Paradigmenwechsel der nicht die Schule und die Bldung in Frage stellt, sondern nur die festgefahrenen Institutionen und deren Funktionäre. Ein solches System ist sozialer und erfolgreicher. Vielleicht merkt es ja noch jemand in der FDP. (PDF-Quelle zu den Herausforderungen in Europa, Foto: pixelquelle.de)

Ähnliche Artikel:

  • No Related Posts

32 thoughts on “Bildung entpolitisieren – Eltern entscheiden lassen

  1. Hallo,
    erstmal zu Anfang: Die Position ist beeindruckend konsistent und hat ihre Anziehungspunkte – deshalb möchte ich mithelfen, sie abzurunden, und stelle mal ihre Schwachpunkte zum Nachfeilen heraus.

    Bildung entpolitisieren

    In dieser Formulierung steckt schon mal ein Knackpunkt: Politische Bildung ist auch Bildung und auch für ein liberales Gemeinwesen unabdingbar.
    Ich kann sie also “entstaatlichen”, “in die Hände der Betroffenen legen” oder sonstwas damit tun, aber bestimmt nicht entpolitisieren.

    Eltern entscheiden lassen

    Eine sehr alte liberale Idee ist die Idee der “Gewaltenteilung”, sprich, die Teilung der Macht in den für die Gesellschaft zentralen Bereichen. Bildung ist die Zukunft jeder Gesellschaft, und die Zukunft ist ein zentraler Bereich. Es ist also zumindest einen sehr genauen Blick wert, die Verantwortung bzw. effektive Macht für und über Bildung in einer Hand zu vereinigen: Doch genau darauf zielt das Programm ab.

    *** Gesellschaftliche Dekohärenz ***

    Die Schule, so sie nicht wie in gewissen geistigen Drittweltstaaten dreigliedrig ist, hat einen integrierenden Faktor, weil Kinder aller Couleur zusammen lernen und aufwachsen. Ich halte aus der Schule noch einige Freundschaften zu anderen Milieus: Und auch der Blick auf meine alte Stufe ist eine entscheidende Verbreiterung der Perspektive. Die Gemeinschaftsschule für alle stellt Inter-Milieu-Bindungen her, die einfach hervorragender sozialer Kitt sind.

    * Parallelgesellschaftsbildung *

    Was werden Sie sagen, wenn sich die muslimische Minderheit der Gesellschaft jetzt auch noch eigene Schulen baut und dort die Kinder, obwohl sie sie nach Mindeststandards _aus_bildet, in der fremden Kultur indoktriniert? Ist ein Nebeneffekt des oberen Punktes, aber wichtig zu erwähnen.

    *** Selbstbestimmung des Individuums ***

    _Kinder_sind_nicht_Eigentum_der_Eltern_. Diese Erkenntnis der Aufklärung ist der Leuchtturm, mit dem dieser Flugzeugträger auf Kollisionskurs fährt. Ein Kind ist ein Individuum, das noch keine eigenen Entscheidungen treffen kann¸ und es wurde den Eltern in Anerkennung der natürlichen elterlichen Liebe zur Erziehung anvertraut. Das Kind ist jedoch zu schwach, sich gegen eine schlechte Erziehung von Seiten der Eltern zu wehren!
    Deshalb gibt es die Schule als gesellschaftliche, also staatliche, Institution: Um diesem heranwachsenden Individuum, _trotz_ eines schlechten Elternhauses, zu ermöglichen, in eine beliebige soziale Schicht aufzusteigen. Chancengleichheit eben.

    *** Bildungsferne Schichten ***

    Damit Ihr Vorschlag funktioniert, müssen die Eltern ein gleichwertiges Interesse daran haben, ihrem Kind Bildung angedeihen zu lassen. Nichts läge der Realität ferner: Ich habe das Glück gehabt, in meiner Jugend viel als Gast in Berufsschulen und Fortbildungseinrichtungen zu sein, ich habe die DDR von innen gesehen, und in beiden Systemen gab und gibt es einfach bildungsferne Schichten, sprich Menschen, die selbst nie in den Genuss von Bildung gelangt sind und ihren Wert deshalb auch nicht einschätzen können.

    Sie kennen also den Wert der Ware nicht. Das ist kein Markt.

    Schönen Gruß, Steve

  2. Ich vermute mal “Entpolitisierung” bezieht sich auf die unsinnigen Abstimmungen – es löift ja im Endeffekt auf eine Entstaatlichung hinaus, wenn ich richtig sehe. Und: Steve hat wieder einmal nur gelesen, was ihm passt, und das vergessen:

    “Er beschränkt sich auf die Garantie von Mindeststandards”

    Dann sind alle Einwände “flupp und weg”. Interessant ist ja, dass sich nicht einmal die FDP traut.

  3. Die Herausbildung von Parallelgesellschaften ist einzig und allein bedingt durch den Sozialstaat.

    Tut mir leid, dem muss ich mit Empirie widersprechen: Hier in Dublin existiert eine starke polnische Parallelgesellschaft (mit eigenen Zeitungen, eigenen Läden, eigenen Unternehmen, eigenem Alles, aber oft nicht vorhandenen Englischkenntnissen), die nie einen einzigen Cent sozialstaatlicher Unterstützung gesehen hat. Keinen Cent haben sie gesehen, weil sie alle keine irischen Staatsbürger sind, denn die polnische Einwanderung ist jünger als die irische Einbürgerungszeit lang ist.

  4. “Er beschränkt sich auf die Garantie von Mindeststandards”

    Dann sind alle Einwände “flupp und weg”.

    Sepp, du trollst auch nur, ohne den Text zu lesen, oder?
    Nicht nur, dass die Mindeststandards für die Hälfte der Einwände vollkommen irrelevant sind, ich ging sogar noch explizit dort auf sie ein, wo sie angebracht wären.

    Wenn du einen ernsthaften Beitrag liefern willst, freue ich mich. Bis dahin *PLONK*.

  5. Freie Schulwahl mit Bildungsgutscheinen – sehr gut, das habe ich schon immer mitgetragen. Die Bildungspolitik zu entpolitisieren ist aber ein Schwachsinn, denn spätestens wenn man Minimlastandards festlegt, braucht es irgendwo einen Souverän, welcher diesen festlegt.

    Im übrigen habe ich das Gefühl, dass das US-Amerikanische Bildungssystem ein wenig gar zu positiv gesehen wird. In den Genuss der Stipendien zu kommen, ist in den USA verdammt hart, man muss nicht nur gute Noten haben, sondern sehr gute Noten, wo man die anderen auch noch um Zehntelspunkte abhängt. Obwohl das US-Amerikanische Bildungswesen zweifellos Spitzenwissenschaftler fördert, lässt es gleichzeitig grosse Massen ohne adäquate Bildung. Wer unreflektiert in die USA schielt, beteiligt sich deshalb gleichzeitg am Ausverkauf des hohen Bildungsniveaus ind er Schweiz. Wieder einmal mehr gilt es, ein Vorbild nicht plump 1:1 zu übernehmen, sondern an die lokalen Verhältnisse anzupassen, damit auch effektiv ein “Bildungsmehrwert” entsteht.

  6. Parcival: Wenn ich die oben angegebene Quelle anschaue, dann gibt es nicht “das US-Bildungssystem”, sondern Dutzende und Hunderte von verschiedenen Systemen, die natürlich en détail betrachtet werden müssen, weil sie je verschiedene Auswirkungen haben. Je nach Modell gewährleisten gerade Bildungsgutscheine den Zugang bildungsferner Schichten zu Bildung – vorausgesetzt jemand will Bildung – wenn jemand nicht versteht, dass Bildung wichtig ist, trifft er einen selbstverantwortlichen Entscheid.
    Klar ist für mich (bei nef ist das anders) auch, dass es den Souverän für die Mindeststandards braucht. Diese sind nötig, um Parallelgesellschaften zu verhindern (wir hatten mal den Fall eines Scientology-Kindergartens, der genau mit diesen Standards verhindert werden konnte). Mindeststandards garantieren Kohärenz – das haben Standards so an sich.

  7. Hallo Sepp,

    das ist ja mal ein konstruktiver Diskussionsbeitrag, ich bin positiv überrascht.

    vorausgesetzt jemand will Bildung – wenn jemand nicht versteht, dass Bildung wichtig ist, trifft er einen selbstverantwortlichen Entscheid.

    Eben nicht, hier liegt ja gerade ein angesprochenes Problem. Entscheiden tut das nämlich für ziemlich lange Zeit nicht der Betroffene, der ist nämlich ein Kind, vor allem während der prägenden Phase. Die Eltern entscheiden, und die tragen nicht die Hypothek der Unbildung.

    (wir hatten mal den Fall eines Scientology-Kindergartens, der genau mit diesen Standards verhindert werden konnte)

    Hm. Das ist interessant. Kannst du zu dem Thema etwas ausführlicher werden? Welcher Mindeststandard erlaubt katholische Kindergärten, aber keine von Scientology? (Ernst gemeinte Frage, es interessiert mich.)

    Schönen Gruß, Steve

  8. Deine Art zu diskutieren (von einem Punkt zum nächsten hüpfen statt Argumente zu bringen) ist dem Diskurs schadhaft, aber ich bin im Moment grad ein lieber Mensch:

    zu 1.: In einem Bildungswettbewerb oberhalb der Mindeststandards ist das Durchschnittsniveau der Bildung höher, und zwar in allen Schulen – also auch in jenen, die von sog. bildungsfernen Schichten besucht werden. Ein Kanton mit zahlreichen Privatschulen muss sich sputen, um die Klassenzimmer zu füllen (z.B. für GR untersucht, nach eigener Erfahrung auch in SZ). Noch gesünder wäre dieser Wettbewerb zwischen den staatlichen Schulen. Heute gibt es eine Nivellierung nach unten. Lehrerinnen dun Lehrer sind da nur dagegen, weil sie sich im Moment wie die Maden im Speck verhalten können.

    zu 2. Das war ein Entscheid der Bildungsdirektion des Kantons Luzern, ging über mindestens zwei Instanzen. Für jmd. mit gesundem Menschenverstand ist aber wohl auf den ersten Blick klar, dass es einen Unterschied zwischen einem einem katholischen Kindergarten und einem Scienology-Kindergarten gibt – gerade betreffend Mindeststandards. Nur die juristische Begründung war soviel ich mich erinnere ziemlich kompliziert. Ist aber nicht mein Metier, du dürftest die geschichte mit einer guten Recherche finden…

  9. Ich bin an sich ziemlich einverstanden mit dem Tenor des Beitrages. Der Aussage, dass die Lehrkräfte im “echten Bildungswettbewerb erstmals richtig gefordert” wären, kann ich jedoch nicht beipflichten. Vielleicht zeugt dies von einer Verkennung der Realität des Leherberufs. Die Durchschnittleher an den öffentlichen Sekundarschulen des Landes sind wohl kaum speziell unterfordert. Sie sind die Personen, mit welchen problematische Schüler überhaupt konfrontiert werden. Durch die Umstände gezwungen, nehmen sie oftmals erzieherische Funktionen wahr, da viele Eltern sich durch besondere Tatlosigkeit auszeichnen. Nicht dass dies die eigentliche Aufgabe der Schule wäre, doch muss man sich bewusst sein, dass für gewisse Schüler der Leher die einzige Person ist, die Stabilität im Alltag repräsentiert. Dies fordert beim Lehrer einen entsprechenden Tribut ab (Stichwort: Burn-out), da er weder einen solchen Erziehungsjob wollte, noch dafür speziell ausgebildet ist. Der Leherberuf ist wohl der am meisten unter- und geringgeschätzte Job in der Schweiz. Dass das Bildungssystem ineffizient ist, dem will ich gerne beipflichten. Die Schuld liegt aber vor allem beim mangelnden politischen Willen und weniger bei besitzstandwahrenden und faulen Lehrkräften.

  10. Ich zitiere Steve (gute Replik!):

    “Das Kind ist jedoch zu schwach, sich gegen eine schlechte Erziehung von Seiten der Eltern zu wehren!”

    Dem Autor des Blog-Artikels folgend sollte man noch weiter gehen: Coupons für Kinder, damit diese ihre Eltern selber wählen können.

    PS: Ich sehe nicht ein, wieso die USA als besonders gelungenes Beispiel für exzellente Schulbildung und -systeme herhalten müssen. Sie erreichten gerade Mal Rang 15 (2x) und 20 in der Pisa-Studie:

    http://www.zum.de/Faecher/evR2/BAYreal/as/se/pis/pisa3.htm

    Ich bin mir sicher, dass alle mit mir einig gehen, uns am “Klassenbesten” – Finnland (Plätze 1,3 und 4) – zu orientieren. Kennen die Coupons? Nein, also, Diskussion beendet.

  11. Nachtrag: Das Ordnungspolitische Blog widerlegt sich gleich selbst:

    [Milton Friedman über das US-Amerikanische Bildungssystem] “You see that most clearly and explicitly in the field of education, where the failures and deficiencies of our government educational system have aroused the public a great deal.”

    http://www.hooverdigest.org/012/robinson.html, verwiesen in http://www.ordnungspolitik.ch/2006/05/23/podcast-friedman-uber-sorgfaltiges-geldausgeben/

    Fazit: Finnland, Finnland, Finnland!

  12. @eMeidi:

    Du hättest die Wahl, deine Kinder auf eine Schule nach finnischem Vorbild zu schicken anstatt ewig auf die Politik zu vertrauen, die dich früher oder später ohnehin enttäuschen wird.

    Der Staat könnte ersteinmal Mindeststandards oder Lizenzen an Schulen vergeben. Es wird sich dann zeigen, dass deine Vorbehalte unbegründet sind.

  13. Tja Meidi. Da liegt ein Missverständnis deinerseits vor. Ich kläre gerne auf: Milton Friedman und seine Frau Rose finden nämlich das amerikanische Bildungssystem ziemlich schlecht, weil es eben genau kein wirklich liberales System der Bildungsgutscheine kennt (auch keines wie oben von Dottore beschrieben, wahrscheinlich kommt deshalb Amerika im Artikel nicht vor. Parcival hat das ins Spiel gebracht). Er und seine Frau arbeiten deshalb für ein solches System mit ihrer dafür gegründeten Stiftung.

    Deiner Schlussfolgerung: Dottores Idee gleich Amerika, Amerika ist mies, also ist Dottores Idee mies fehlt also die sachliche Grundlage. Deiner Behauptung der Blog wiederlege sich selbst, die sorgfältige und eigentlich grundlegende Recherche.

  14. (Falls ich mich mit den untenstehenden Vermutungen komplett irren sollte, bitte ich um Korrektur)

    @Bastian/Sepp:

    Ich bin Student und habe durchwegs eine gute Schulbildung genossen – in der Volksschule, notabene. Nur weil ihr in euren Dörfern/Stadtquartieren anscheinend qualitative Mängel in der Schulbildung habt, heisst das noch lange nicht, dass man das System gleich in der ganzen Schweiz umkrempeln muss. Löst lieber die Probleme vor Ort, also egoistisch wegzuziehen – Probleme sind da, gelöst zu werden!

    Versteht mich nicht falsch: Das System kann und muss weiterhin konstant verbessert werden! Die Frage ist nur, ob wir die Grundlagen beibehalten wollen, die sich jahrzehntelang bewährt haben, oder ober wir in einer Hau-Ruck-Übung alle Errungenschaften des 20. Jahrhunderts auf den Kopf stellen wollen.

    Und wer weiss – vielleicht seid ihr auch nur enttäuscht, dass eure Kinder die gewünschte Leistung nicht bringen? Nicht jedes Kind besitzt dieselben Fähigkeiten und nicht jedes Kind muss um Biegen und Brechen ans Gymnasium. Ich habe schono viele Kinder gesehen, deren Leben durch den falschen Ehrgeiz ihrer Eltern zur Hölle wurde.

  15. @Sepp: Im Artikel steht schwarz auf weiss

    Die freie Schulwahl mittels Bildungsgutscheinen ist gerade in den Staaten immer mit Programmen verknüpft, die einkommensschwachen Familien speziell unterstützen

    Der Bezug zu den USA wird also hergestellt. Da hier derart Werbung für dieses System gemacht wird, habe ich angenommen, dass diese Massnahme auch in den USA erstaunliche Früchte getragen hat. Stimmt aber gar nicht, wie meine Links zu den PISA-Resultaten zeigen!

    Ich wäre froh, wenn der Artikel deshalb etwas differenzierter daherkommen würde. Man sollte nicht nur die Chancen und Vorteile des Coupon-Systems aufzählen, sondern auch aufzeigen, dass gerade in den Staaten (trotz Coupons!) nichts gebessert hat. Coupons sind kein Allheilmittel, sondern funktionieren nur dann, wenn sie sich in das restliche System einfügen.

    Wieso ist es trotz Coupons schlecht? Aus dem Stand heraus vermute ich nun einfach mal die liberale Politik. Ihr könnt mir gerne das Gegenteil beweisen.

  16. Also das lockt ein paar Bemerkungen in meine Finger:
    – Dass der Staat Blildung produziert ist keine Errungenschaft des 20. Jahrhunderts, sondern – wenn schon – des 19. Jahrhunderts. Der einzige Grund, dass er damals Bildung selber anbieten musste, war die Einführung des Schulobligatoriums.
    – Warum tut ihr nichts in euren Dörfern? Die Grundüberlegung (und empirisch fassbare Erfahrung) ist ja genau die, dass Verbesserungen des Bildungswesens auf politischen Wege nur sehr beschränkt möglich sind, aber bei einer freien Schulwahl das Angebot an Bildung sehr rasch sich der Nachfrage und qualitativ nach oben anpassen würde. Folge: Das allgemeinde Niveau der Schule (aller Schulen, auch jener die von sog. “bildungsfernen” Kindern besucht werden, weshalb Steves Argument ins Leere läuft) steigt, denn keine einzige Schule kann es sich erlauben, abzufallen.
    – Es geht nicht darum, dass jedes Kind an die Uni rennt (auch das finde ich weder im Text von Dottore, noch in einem meiner Kommentare) – bin da sogar sehr stark dagegen, sondern darum, dass die obligatorische Bildung in primer- udn Sekundarschule von Menschen gestaltet wird, die wie ale anderen Berufe auch jeden Tag Leistung erbringen müssen, und von jenen die sie bezahlen (also den Eltern) auch begutachtet werden. Es geht um den heilsamen Mechanismus der einsetzt, wenn Anbieter wissen, dass ihr Angebot qualitativ besonders gut sein muss, um zu bestehen.
    – Das finde ich gut, und hat nichts mit Egoismus, aber viel mit Sozialpolitik zu tun, denn gut ausgebildete Menschen sind auch sozial sichere Menschen, wie bis jetzt noch jede sozialwissenschaftliche Untersuchung gezeigt hat. Das ist Sozialpolitik, die überlegt, wie man einfach und effizient aber eben doch effektiv ein Ziel erreichen kann.
    – Du irrst dich: ich habe weder ein Kind, noch bin ich in einem Dorf aufgewachsen. und Student bin ich auch nicht, sondern Akademiker (den musste ich mir nun erlauben…)

  17. @ eMeidi

    Es geht weder darum, dass ich mit meiner Schulbildung unzufrieden war noch darum, das Schulsystem komplett umzukrempeln. Öffentliche Schulen könnten (zumindest in einer sehr langen Übergangszeit) parallel weiter existieren. Nur sollte ein jeder die Wahl haben zur Konkurrenz zu wechseln, wenn er der Meinung ist, die erfüllten ihren Auftrag besser. Verschiedene Ansätze sollen Nebeinander existieren dürfen und sich im Wettbewerb weiterentwickeln. Das hat noch immer besser funktioniert als eine in Stein gemeisselte Patentlösung vom Staat, die nach seinen Wünschen zu verändern für den Einzelnen praktisch unmöglich ist. Aber du darfst natürlich davon träumen, irgendwann deine Kinder in eine Schweizer Schule zu schicken, die exakt dem finnischen Vorbild entspricht.

    Zum Schulsystem in den USA: Das System ist so stark föderalistisch, dass du es kaum über einen Kamm scheren kannst. Die PISA-Vergleiche sind schon deshalb mit Vorsicht zu geniessen. Kommt hinzu, dass sich Bildungsgutscheine alles andere als durchgesetzt haben. Gerade mal in 6 Bundesstaaten gibt es Programme mit Gutscheinen (Link). Milton Friedman gilt übrigens als Vater dieser Idee und hat sich zeitlebens für Bildungsgutscheine eingesetzt. Er ist zwar schon etwas älter, aber es ist nicht anzunehmen, dass er sich plötzlich selbst widersprechen sollte. ;) Er beklagt vielmehr, dass sich die Bildungsgutscheine zuwenig durchgesetzt hätten.

    Deine ad hominem Argumentation läuft auch bei mir so ziemlich ins Leere. Ich bin ebenfalls Student und es ist bei mir noch weniger lang her, dass ich auf der Kantonsschule war als bei dir. ;)

  18. Hallo Sepp,

    [Verbesserungen am staatlichen Schulsystem sind nur sehr beschränkt möglich], aber bei einer freien Schulwahl das Angebot an Bildung sehr rasch sich der Nachfrage und qualitativ nach oben anpassen würde. Folge: Das allgemeinde Niveau der Schule (aller Schulen, auch jener die von sog. “bildungsfernen” Kindern besucht werden, weshalb Steves Argument ins Leere läuft) steigt, denn keine einzige Schule kann es sich erlauben, abzufallen.

    Entschuldige, ich habe einige Implikationen nicht deutlich gemacht, die dich hier auf eine Strohpuppe bringen.

    Wenn ich deine Argumentation richtig verstehe, kann man sie in folgende Normalform bringen:
    1. Märkte bringen Konkurrenz.
    2. Konkurrenz zwingt zu Qualität bei allen Beteiligten.
    3. Bildungsgutscheine produzieren einen Markt.
    K: Bildungsgutscheine zwingen zu Qualität bei allen Beteiligten.

    Mein Angriff richtet sich gegen Punkt 3. Meine (flache, aber solide) Ausbildung in Wirtschaftstheorie sagt mir, dass ein solcher Markt einige Vorbedingungen haben muss: Volle Information zur Qualität der Güter, volle Freiheit der Kaufentscheidung und Mobilität sind nur einige. Der Markt für Schrauben ist ein solcher Markt: Schrauben kann ich überall hinkarren, ich als Verwender der Schrauben entscheide, welche ich kaufe, und wenn ich wissen will, ob eine Ladung Schrauben meinen Anforderugen genügt, kaufe ich für ein paar Cent eine und teste einfach. Volle Information, volle Freiheit, volle Mobilität.

    Mein Argument zu den bildungsfernen Schichten greift die Information an: Eltern, die nicht wissen, was Bildung statt Ausbildung wert ist, weil sie sie nie gehabt haben, können keine korrekte Kaufentscheidung treffen. Wie ein Markt mit sehr geringer Information degeneriert, siehst du auf dem Betriebssystemmarkt: Ein zu allen Zeiten klar unterlegenes System hat ein Monopol.

    Die Freiheit habe ich ja schon weiter oben angegriffen, das ist das Thema “Kind ist unmündig”. Dass Mobilität nur ziemlich begrenzt gegeben ist, ist wohl auch offensichtlich.

    Da die drei wichtigsten Vorraussetzungen nicht erfüllt sind, kann es also keinen Bildungsmarkt geben: Damit ist die Vermutung, ein Bildungsmarkt mache alles besser, nicht haltbar – empirische Beweise unbenommen, doch mir ist kein gut funktionierendes Marktsystem in der primären und sekundären Bildung bekannt. (Und auch im tertiären Bereich kaufen die USA eher ein, als selbst zu bilden.)

    sondern darum, dass die obligatorische Bildung in primer- udn Sekundarschule von Menschen gestaltet wird, die wie ale anderen Berufe auch jeden Tag Leistung erbringen müssen

    Entschuldige, ich muss jetzt etwas ausholen, aber am Ende bin ich wieder bei deinem Punkt, versprochen:

    Es besteht weitreichender Konsens darüber, dass die Bildung eines Menschen sich nicht mit dem Füllen eines Teiches mit Wasser vergleichen lässt: Man stopft nicht einfach Wissen in einen jungen Menschen und hofft, dass er irgendwann gebildet ist. Das ist Konditionierung, das macht man mit Hunden.

    Die Bildung eines Menschen ist ein allegorischer Apfelbaum: Der einmal gepflanzte Baum will gehegt und gepflegt werden, ich muss ihn gießen, in die Sonne stellen, aus dem Hagel holen und die Schafe von ihm fern halten. Wachsen muss der Baum nur von allein; da kann man ihm zwar mit einem
    stützenden Stock bei helfen, aber “großziehen” funktioniert nicht. Charakter wächst. Behandelt man den Baum schlecht, verkümmert er oder bleibt auf ewig klein – doch selbst so mancher gut gepflegter Baum wird einfach nichts. Es ist Sache des Baumes.

    Der Gärtner, also auch der Lehrer, kann sich gut oder schlecht um einen Baum kümmern. Zu viel oder zu wenig Wasser (Stoff) oder zu wenig Licht (Aufmerksamkeit im Unterricht) lassen den Baum verkümmern. Doch es ist, und jetzt sind wir wieder bei deinem Punkt, lächerlich, die Gärtner der Baumschule Akkord leisten zu lassen: Da kommt nur Mist bei raus, den ich nicht verkaufen kann. Und genauso kann ich meinen Gärtner nicht mit vertretbarem Aufwand kontrollieren: Ich muss ihm einfach vertrauen, dass er meinen Baum gut behandelt.

    Genauso kann man Lehrer nicht kontrollieren. Wie auch? Bildung, also Unabhängigkeit, Selbstbewusstsein, Verantwortung, kritisches Denken, Solidarität, Mitgefühl und geistige Größe, kann ich nicht in Klausuren abfragen. Die Eltern können das vielleicht einschätzen: Doch die Gesellschaft ist es einem jungen Menschen, einem ihrer schwachen Mitglieder also, schuldig, sich nicht darauf zu verlassen. Denn wer kontrolliert die Eltern?

  19. @Sepp:

    1) Obwohl die Schule im 19. Jahrhundert obligatorisch wurde, bin ich steif und fest davon überzeugt, dass erst im (späteren) 20. Jahrhundert wirklich eine gute Bildungsqualität erreicht wurde, und zwar für alle Schüler.

    2) “Verbesserungen des Bildungswesens auf politischen [sic!] Wege nur sehr beschränkt möglich ist” – ach ja? Mich nähme Wunder, wie du das (für die Schweiz) herausgefunden hast ohne Kinder. Nicht nur hier in Neuenegg haben Einwohner, die anpacken (und nicht mit Gutscheinen alljährlich durch die halbe Schweiz Reisen) wollen, die Möglichkeit, sich in die Schulkommission und/oder den Elternrat wählen zu lassen. Einerseits lernt man so die Schule (und ihre Probleme, aber auch ihre Bemühungen) hautnah kennen, andererseits hat man die Möglichkeit, Änderungen durchzusetzen, wenn man die anderen Mitglieder argumentativ überzeugen kann. Natürlich aber immer im gesetzlichen Rahmen: Es wäre fatal, hunderttausende autonome Schulen zu haben, in der jeder etwas anderes lehrt. Deshalb begrüsse ich den Bildungsartikel, der für eine Harmonisierung der 26 Schulsysteme führen wird. Mit Coupons könnte diese Bestrebungen zu Nichte gemacht werden.

    3) Wie von mir Eingangs meines Kommentars erwähnt: “Falls ich mich mit den untenstehenden Vermutungen komplett irren sollte, bitte ich um Korrektur”. Dann habe ich mich wirklich geirrt.

    “Es geht um den heilsamen Mechanismus der einsetzt, wenn Anbieter wissen, dass ihr Angebot qualitativ besonders gut sein muss, um zu bestehen.” Wenn ich den Umkehrschluss anwende bedeutet dies, dass unsere Schulen schon jetzt grottenschlecht sein müssten, weil ja nirgendwo ein Leistungsdruck besteht. Auch Lehrer haben einen Berufsethos, und ich bin mir sicher, dass die grosse Mehrheit a) ein Interesse an seinen Kunden, den Schülern, hat und b) genügend unternimmt, um die Schüler auf das künftige Berufsleben vorzubereiten. Viel eher ist es doch so, dass die Eltern heutzutage der Schule immer mehr Aufgaben aufbürden wollen, die Lehrer sozusagen Ersatzeltern werden, weil Mammi und Pappi zwar Kinder auf die Welt stellen, die Konsequenzen nicht mehr tragen wollen. Verschlechtert sich die Situation in dieser Hinsicht weiter, wird die Qualität tatsächlich sinken. Deshalb finde ich die Coupon-Lösung zur Wahl der Eltern deutlich fortschrittlicher als euer Vorschlag.

    4) Ich gehe mit dir einig, dass wir viele Jugendprobleme heute nicht hätten, würden alle in den Genuss einer qualitativ hochstehenden Ausbildung kommen. Dies hängt aber weniger mit der Schule an und für sich als mit der (wie du sagst) sozialen Situation der Schüler zusammen. In der Schule ist man nicht mal einen Drittel des Tages, aber zu Hause verbringt man den Rest. Hier müsste eine intelligente Bildungspolitik ansetzen. Sie darf nicht an der Eingangstüre der Schule aufhören! Eine ganzheitliche Lösung muss her. Ich denke an Tagesschulen und Blockzeiten, sowie Unterstützung für schwache Schüler (Aufgabenhilfe). Hier kann mit bescheidenen Mitteln viel erreicht werden. Sind solche Ex-Schüler erst einmal 20, lässt sich der Karren nicht mehr aus dem Dreck ziehen.

    5) Danke für die Info ;-) Mir kommt gerade dieser Spruch in den Sinn: “An den Unis forscht man meistens nach besten Lösungen, während Unternehmen vor allem eine praktikable Lösung anstrebten”. Für mich ist die praktikabelste Lösung nicht der Wegzug dank Coupon, sondern die Lösung der Probleme – hier und jetzt, dann wenn sie entstehen resp. wenn sie auftreten.

  20. Nachtrag @Steve: Ich habe deine Replik erst nach dem Absenden meines Kommentars gelesen. Wir verstehen uns :-)

    Noch eine Frage: In den letzten Jahren habe sich die Marktfetischisten exponentiell gesteigert – ich frage mich immer noch, wie man solch ein blindes Vertrauen in den Markt haben kann? Die Liberalisierungstendenzen sind nur die Spitze des Eisbergs. Die Marktwirtschaft scheint für einige zur Ersatzreligion geworden zu sein – doch wieso? Wenn wir unseren Alltag anschauen, wird es doch offensichtlich, dass es neben dem Wettbewerb und Konkurrenz noch anderes gibt – die Aufgabe des Individualismus und Egoismus und Hinwendung zu einem grösseren Ganzen. Das lässt sich mit Wettbewerb mehr schlecht als recht erklären … Gibt es die Menschheit noch, weil seit Anbeginn ein gnadenloser Wettbewerb geherrscht hat, oder aber doch nicht eher, weil sich Wettbewerb mit anderen Faktoren die Wagschale gehalten hat? Wettbewerb ja – aber alles eine Frage des Masses.

    @Sepp, @Bastian: Ihr seid nicht etwa BWLer oder VWLer, oder?!

  21. Es wäre echt zu viel, auf alles einzugehen. Aber stehenlassen kann ich erstens nicht, dass die Wahlfreiheit der Schule keinen Markt hervorbringen würde. Information, Wahlfreiheit und Mobilität sind keine absoluten Voraussetzungen für einen Markt. Markt entsteht nicht erst dann, wenn diese Voraussetzungen hundertprozentig erfüllt sind. Sonst hätten wir heute (auch bei Schrauben) keine Marktwirtschaft. Die positiven Effekte des Marktes (von dem auch die uninformierten, unfreien und nicht mobilen profitieren) entstehen schon früher. Dafür gibt es Beispiele. Drei sehr unterschiedliche kenne ich: Frauenmedizin, regionale Milchprodukte, Politikberatung.

    Ich kenne zweitens das bernische Bildungswesen nicht gut, aber in anderen Kantonen, in denen ich es kenne (SZ, LU, ZH) haben die Schulkommissionen fast gar keine Kompetenzen. Die Harmonisierungsbestrebungen der EDK sind i.O., ich war auch dafür, aber ausser Absichtserklärungen gab es da noch nicht viel Konkretes. Ihr Problem wird sein, dass ihr jede Legitimation abgeht. Bildung liesse sich auch sehr gut mittels einer Zweckgemeinde organisieren – dann könnte ich dir eventuell zustimmen.

    Betreffend einem dritten Punkt Lehrer: Du selber hast Pisa hinzugezogen, was klar zeigt: gut ist das Bildungswesen nicht. Und einfach zu wiederholen, Lehrer seien schon besorgt, dass Kinder die bestmögliche Ausbildung erhielten und hätten schon genügend Interesse an den Eltern. Wenn du tatsächlich recht hast, braucht sich niemand vor der freien Schulwahl zu fürchten. Ok? Ich bin überzeugt, dass es da noch Verbesserungspotenzial gibt. Meine Indizien:
    – Sehr subjektiv: Mein Neffe verbringt rund zwei nachmitage pro Woche mit Spielen im Wald. Ihm gefällts aber gelernt hat er dort noch nichts.
    – Lehrerverbände, die Volksinitiativen gegen Fremdsprachen an der Grundschule starten
    – Kürzlicher Artikel in der Weltwoche zum Thema mit Aussagen wie “Lesen nimmt die Freude an der Sprache”.
    – Aussagen eines befreundeten Lehrers (leider Gymistufe, nicht Primar)
    – Untauglichkeit von Absolventen der oblig. Schulzeit (darauf komme ich noch)

    Viertens: Die Tatsache, dass Sekabgänger keine Lehrstelle finden spricht eine andere Sprache. Ich kenne Betriebe, die keine Lehrlinge mehr anstellen, weil diese keinen fehlerfreien deutschen brief schreiben konnten, Selbstüberschätzung mit Selbstbewusstsein verwechselten und von welschen Kudnen keine Bestellung am Telefon annehmen konnten. Zu diesem Thema läuft eine Studie. Auf die Resultate bin ich gespannt.

    Fünftens: Natürlich gibt es neben dem Markt noch sehr viel anderes. Man soll ihn nur als Mittel zum Zweck sehen und ihn entsprechend einsetzen. Man soll ihn – wie andere pol. ideen auch – an seinen Folgen messen. Markt ist keine Religion, sondern ein an sich wertefreier Mechanismus. Er sorgt dafür, dass sich Angebote an einer bestimmten Nachfrage orientiert. Was dazu führt, dass die Vielgestaltigkeit menschlichen Lebens besser entfalten kann. Auch und gerade in der Bildung wäre das so, wie Bastian gut schrieb – natürlich alles “oberhalb” von Mindeststandards.

    Ach ja: Bin Historiker und Politikwissenschaftler. Nix Oekonomie.

  22. Hallo emeidi,

    Die Marktwirtschaft scheint für einige zur Ersatzreligion geworden zu sein – doch wieso?

    Das ist eine gute Frage, aber damit weicht man ab. Ich habe dazu schon einen halbgeschmiedeten Artikel, aber der will noch abgerundet werden: So oder so weicht das von der Diskussion ab.

    neben dem Wettbewerb und Konkurrenz noch anderes gibt – die Aufgabe des Individualismus und Egoismus und Hinwendung zu einem grösseren Ganzen.

    So sehr ich mit der Grundaussage, dem Markt werde zu viel Bedeutung eingeräumt, übereinstimme, so sehr möchte ich vor der Formulierung warnen: Die Aufgabe des Individualismus ist eine ganz dumme Idee. Das Individuum ist die sinnvollste politische Einheit, weil es Gruppendenk effektiv entgegenwirken kann.

    Um zur Bildung zurückzukommen: Der feste Glaube an den Menschen ist der einzige Grund zu bilden. Deshalb ist die Hinwendung zu einem “größeren Ganzen” in einer Bildungsdiskussion mir suspekt. Ich walze das, wenn ich Zeit finde, noch weiter aus, aber das gehört hier nicht hin.

    Schönen Gruß, Steve

  23. Hallo Sepp,

    Die positiven Effekte des Marktes (von dem auch die uninformierten, unfreien und nicht mobilen profitieren) entstehen schon früher.

    Wann denn? Sobald es theoretisch Konkurrenz geben könnte?
    Märkte müssen nicht perfekt sein, das ist richtig, aber zumindest ein paar Kriterien müssen einfach da sein.

    Dafür gibt es Beispiele. Drei sehr unterschiedliche kenne ich: Frauenmedizin, regionale Milchprodukte, Politikberatung.

    Frauenmedizin (wie alle Medizin) kennt die Meinung eines zweiten Arztes (Information), die Mobilität (fahr einfach zu einem anderen Arzt) und die Freiheit (Ich fahre zu dem Arzt, zu dem ich fahren will).
    Regionale Milchprodukte sind gegen andere Milchprodukte austauschbar, und das ist wohl klar ein Markt.
    Politikberatung hat sicherlich wenig Information, das ist korrekt. Aber Mobilität und Freiheit sind gegeben.

    Bildung fehlen gleich alle drei Kriterien. Wenn du einen funktionierenden Markt findest, bei dem das auch so ist, bin ich von den positiven Effekten überzeugt.

    Wenn du tatsächlich recht hast, braucht sich niemand vor der freien Schulwahl zu fürchten.

    Doch. Die Kinder. Die können nämlich nicht wählen.

    Mein Neffe verbringt rund zwei nachmitage pro Woche mit Spielen im Wald. Ihm gefällts aber gelernt hat er dort noch nichts.

    Du rauchst graue Zigarren, oder?

    Der Mensch ist nur ganz Mensch, wo er spielt
    — Friedrich Schiller

    [Unfähigkeit der Schulabgänger]

    Das Bildungssystem ist … verbesserungswürdig, keine Frage. Gerade auch in Deutschland. Du forderst Mindeststandards: Bitte, sollen kommen, peer review wie in der DDR, funktioniert in der sehr eng verwandten Wissenschaftswelt auch. Ich fordere darüber hinaus mehr Freiheit für die Schüler: Freiheit, eigene Studienschwerpunkte zu setzen, unter Richtungsgebung des Lehrkörpers. Ich fordere die Freiheit der Schüler, sich ihren Lehrer selbst zu wählen. Ich fordere vor allem kleine Klassen, 10-15 Schüler höchstens. Utopie, sagst du? So etwas existierte in Bielefeld bis vor Monaten, direkt vor meiner Haustür in der Laborschule Bielefeld, und das waren die einzigen Oberstufenschüler, die den geistigen Horizont von Studenten hatten. Und da gab es keine Konkurrenz oder so: Es war einfach nur genug Geld da, damit die Lehrer ihren Job richtig machen konnten.
    Et vóila, die meisten Problem lösen sich in Wohlgefallen auf: Und das ist keine akademische Diskussion wie die über einen Markt, sondern Realität, die nur wegen einer Schrumpfung des Bildungsbudgets gestrichen wurde.

    Schönen Gruß, Steve

  24. @ eMeidi

    Kein Ökonom. Tut mir Leid, dass ich deine Vorurteile dermassen unbestätigt lassen muss. Aber ich beherrsche diese Form der Argumentation auch: Du möchtest nicht etwa mal Geschichtslehrer werden? Da könnte ich deine Abneigung gegen mehr Wahlfreiheit im Bildungswesen verstehen.

    Es geht um Wahlfreiheit, nicht um “Marktfetischismus”. Wie gesagt können staatliche Einrichtungen weiter existieren. Wenn sie so gut sind, wie du behauptest, werden sie sich auch durchsetzen.

  25. @Sepp:

    “Mein Neffe verbringt rund zwei nachmitage pro Woche mit Spielen im Wald. Ihm gefällts aber gelernt hat er dort noch nichts.”

    Eben doch! Wärst du der Vater des Neffens, müsste er neben Bestnoten in der Schule auch noch Klavier spielen wie ein Weltmeister. Und klar, für körperliche Betätigung ist Team-Sport nötig, dort kriegt man schon früh das Leistungs- und Konkurrenzdenken eingetrichtert.

    Verstehe mich nicht falsch: Ich finde Sport und musische Künste verfolgenswert. In unserer Gesellschaft ist es aber leider so, dass es vielen Eltern nicht darum geht, dass das Kind möglichst vielfältig ausgebildet wird, sondern dann auch immer gerade der Beste ist (Bildungsbürgertum etc.) Wir sollten uns von solchen falschen Vorstellungen trennen – es zählen eben nicht nur Hard-Factors (Noten), sondern auch Soft-Factors (Sozialkompetenz etc.)! Diese können durch Freizeitbeschäftigungen gefördert werden, aber sicher nicht durch Leistungsdruck.

    Habt ihr’s bemerkt? Hier spiegelt sich das die ganze Diskussion durchziehende Profit- und Leistungsmaximierungsdenken wieder: Ein Kind, das im Wald spielt? Oh Gott! Das darf nicht sein. Bereits im jungen Alter muss mit jeder Minute produktiv umgegangen werden.

  26. Falsch. Mein Bruder ist da wie ich: Die Kinder müssen überhaupt nichts – und gehen in ihrer Freizeit fast andauernd in den Wald. Recht so. Dorthin gehört auch das in den Wald gehen – ich hatte ebenfalls das Glück, mit solchen Naturerlebnissen aufzuwachsen. Das Problem ist, dass die Schule das macht ohne damit Lernstoff zu verbinden – und die Kinder weniger Lernen als auch schon.
    Es geht nicht um Leistungsdenken, sondern um Lebensertüchtigung. Wer richtig Deutsch, Mathe und Französisch lernt, erarbeitet sich die Freiheit später einen Beruf zu lernen und die soziale Sicherheit, dass aus ihm etwas wird. Der Wald gehört mMn in die Freizeit – mehr als das weltmeisterliche Klavierspielen.

    @Steve: Du kennst weder unser Gesundheitssystem, noch den Detailhandel oder den Markt für Politikberatung. Sehe mich ausserstande, auf dich einzugehen. Zudem bemängle ich deine Diskurskultur. Hier wie anderswo gehst du nicht auf Argumente ein, sondern zupfst irgendetwas etwas raus, um irgendwie das letzte Wort zu behalten. Das ist keine argumentative Leistung. Schade.
    Nur eines zu deinem interessanten Versuch in Bielefeld: In einem freien system hat dieses nach deiner Darstellung erfolgreiche Experiment eine Überlebenschance, weil es nicht am staatlichen Tropf hängt.

  27. Hallo Sepp,

    Du kennst weder unser Gesundheitssystem, noch den Detailhandel oder den Markt für Politikberatung.

    Entschuldige, Sepp, dass ich als Deutscher wohl zu bloed bin, die komplexen Verkaufsprozesse regional produzierter Milch zu verstehen.

    Zudem bemängle ich deine Diskurskultur. Hier wie anderswo gehst du nicht auf Argumente ein, sondern zupfst irgendetwas etwas raus, um irgendwie das letzte Wort zu behalten.

    Kann es sein, dass dieses Missverstaendnis vor allem daran liegt, dass ich das meiste, was du als Argument siehst (“Markt macht immer alles besser”) als Glaubenssatz betrachte und ignoriere? Ist fuer mich ebenso frustrierend, ich fange nur nicht an, beleidigend zu werden. Ich habe mir durchaus ueberlegt, wie deine Position ist und wo sie schwach ist, und das Gleiche erwarte ich von meinem Diskurspartner. Das ist Diskurskultur.

    Das ist keine argumentative Leistung. Schade.

    Dann sollte es ja fuer dich kein Problem sein, mich in Grund und Boden zu diskursieren, und du brauchst weder die Eritristikkeule auspacken noch den moralisch hoeheren Grund beanspruchen.

    Nur eines zu deinem interessanten Versuch in Bielefeld: In einem freien system hat dieses nach deiner Darstellung erfolgreiche Experiment eine Überlebenschance, weil es nicht am staatlichen Tropf hängt.
    Bastian in der gleichen Kerbe:
    Es geht um Wahlfreiheit, nicht um “Marktfetischismus”. Wie gesagt können staatliche Einrichtungen weiter existieren. Wenn sie so gut sind, wie du behauptest, werden sie sich auch durchsetzen.

    1. Wir sollten uns erstmal einig werden, dass hier ueberhaupt ein sinnvoller Markt existieren kann.
    2. _Sollte_ das gegenem sein, dann bleibt der Hauptvorteil eines Marktes, die Effizienz, in der Bildung gerade unerwuenscht. Ein Lehrer, der vom Schulmanagment dauernd unter Hochdruck gesetzt wird, die Kinder gefaelligst den Elternwuenschen entsprechend heranzuziehen, kann keine Kinder erziehen, sondern dient nur als verlaengerter Arm der Eltern.
    3. _Sollte_ auch das klappen, bleibt das Problem, dass die gleiche Argumentation auch schon in Deutschland aufgefahren wurde, um gesetzliche und private Krankenversicherung zu legitimieren. Und, was ist passiert? Die privaten Versicherer greifen sich einkommensstarke junge Leute ab und den gesetzlichen fehlt jetzt das Geld. Genau das wird auch in den Schulen passieren: Meine Laborschule geht also ueber die Wupper.
    Um den Allheilmitteltotschlagsargumenten “Coupons” und “Mindeststandards” gleich zu begegnen: Wenn Mindeststandards so einfach sind, fuehrt sie doch in der jetzigen Schule ein, dann ist doch alles gut. Und Coupons sind genau ihren Nennwert wert, und da wird in 0,nix eine Zuzahlung notwendig werden, weil Coupons, die die echten Bildungskosten decken, ja keinen “Wettbewerbsanreiz” bieten.
    4. Selbst unter der Annahme, dass all das klappen _sollte_, stehst du immer noch vor dem grundsaetzlichen Problem, dass die ELTERN entscheiden und nicht die Kinder, die es angeht. Und wenn es euch entgangen sein sollte: Die absolute Macht der Eltern ueber die Kinder ist kein gesellschaftlicher Konsens mehr, und nur der geringste Teil der Elternschaft bietet ihren Kindern die Gelegenheit, sich unabhaengig von den eigenen Ansichten zu entwickeln (ihr wisst, wie viele Kinder jedes Jahr von zu Hause weglaufen, und das ist nur die Spitze des Eisbergs). Die _unabhaengige_ _Institution_ Schule ist hier zentral im Schutze der Schwaechsten in der Gesellschaft. Hat jemand von euch mal die Schaetzungen gesehen, wie viele Kinder Opfer haueslicher Gewalt werden? Und was glaubt ihr, welche Schule erlaubt es sich, dem Koenig Kunden Elter vor den Karren zu fahren, indem es auf dieses leidliche Thema hinweist?

    Entschuldigt, dass ich so vulgaer werden musste, aber eine andere Sprache wird hier wohl nicht verstanden. Ich bin damit raus aus der Diskussion.

    Gruss, Steve

  28. Pingback: Allheilmittel Zentralisierung und deren Folgen auf Ordnungspolitischer Blog

  29. Pingback: “Umverteilung ist Diebstahl” sagt Roland Baader auf Ordnungspolitischer Blog

  30. Pingback: Consumer Electronics Reviews

Leave a Reply

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.