Beiz
Nehmen wir mal an, Sie haben soeben eine Beiz betreten, die Sie von anderen Besuchen her schon kennen. Sie setzen sich an den erstbesten Tisch. Nun kommt der Kellner zu ihnen und erklärt: “Sie wollen offensichtlich etwas konsumieren. Darf ich bei Ihnen schon einmal einkassieren? Hmmm… Beim letzten Mal haben Sie eine Flasche Männedörfler getrunken, dann macht das heute im voraus 34 Franken!” Sie sind – wen erstaunt’s – ziemlich baff, stammeln etwas von “ja aber ich habe doch noch gar nichts bestellt”, da gibt der Kellner den Tarif durch: “Einfach damit sie es wissen. Wenn ich hier noch lange stehen muss, berechne ich Ihnen einen Verzugszins!”

Wer von Ihnen würde sich das gefallen lassen? Kaum jemand. Aber bei der Steuerverwaltung im Kanton Zürich, da ist das ganz normal. Vor einigen Tagen erhielt ich die Rechnung für die Steuerperiode 2006, deren Formular ich vermutlich erst in einem Jahr einsenden würde – falls ich dann noch in dieser Gemeinde wohne. Als Berechnungsgrundlage nimmt man einfach die letzte Steuererklärung hinzu. Bei mir also jene des Jahres 2004 (jene von 2005 habe ich noch nicht einmal fertig ausgefüllt). Und das beste: Zahlungen nach dem 30. September werden mit einem Verzugszins von zwei Prozent belastet! Der Brief hat nicht nur einen an sich absurden Inhalt sondern verzichtet auf jede anständige Anrede oder gepflegte Sprache – jeder Bussenzettel ist mit mehr Dienstleistungsbewusstsein abgefasst.

Das kann sich auch nur eine Beiz leisten, deren Gäste zwangsverpflegt werden. (Foto: pixelquelle.de)

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4 thoughts on “Eine wahre Geschichte vom Steuern zahlen

  1. Nihct schlecht Herr Specht! Ist nicht in allen Kantonen so, aber doch ziemlich happig.

  2. Mein Vorschlag: Die Steuern bezahlt man in der Schweiz 2.0 künftig am Arbeitsort. Ausserdem werden diese direkt vom Lohn abgezogen und an die Steuerverwaltung überwiesen.

    Damit Ende des Jahres nicht zig-Millionen zurückgeschoben werden müssen, sind die Abzugsmöglichkeiten auf ein rudimentäres Mass zu kürzen.

  3. Hallo emeidi,

    Mein Vorschlag: Die Steuern bezahlt man in der Schweiz 2.0 künftig am Arbeitsort. Ausserdem werden diese direkt vom Lohn abgezogen und an die Steuerverwaltung überwiesen.

    Was wird dann aus den Speckgürtel-Gemeinden (also jenen, in denen die Menschen wohnen, die in die Großstädte zur Arbeit fahren)? Oder denkst du an Steuergebiete, die groß genug sind, damit solche Probleme sich im Maß halten? (Und wenn ja, wieso macht es dann einen Unterschied, ob Arbeitsort oder Wohnort?)

    Schönen Gruß, Steve

  4. Es gibt nichts besseres als Quellensteuern um die Steuersätze langsam, unmerklich und doch stetig anzuheben. Man spürt die Steuern nicht mehr richtig, da man sie (scheinbar) nicht mehr aus der eigenen Tasche zahlt. Reagan wusste deshalb schon, dass Steuern weh tun müssen (Taxes must hurt). Wenn sie weh tun, ist der Widerstand gegen weitere Ausgaben stärker. Ah doch, es gibt noch einen einfacheren Weg, Steuern zu erheben ohne dass man es merkt: Verbrauchssteuern. Oder wisst Ihr beispielsweise, wieviel Ihr an MwSt im Jahr zahlt? Ich auch nicht.

    Dass der Arbeitsort besteuern soll, macht aber an sich schon Sinn; der Mehrwert wird schliesslich auch dort generiert (meistens jedenfalls). Avantgardistische Professoren des Internationalen Steuerrechts haben dafür auch schon einen Namen: Principle of Origin. –> Einkommen soll man da besteuern, wo es herkommt, wo es entsteht bzw. wo der Mehrwert geschaffen wird der das Einkommen generiert. Weshalb soll ich etwa Lizenzgebühren an meinenm Wohnort im Staat X versteuern, die ich zwar in Staat X einkassiere, die ihren Wert aber in Staat Y einfahren weil mein Patent dort ist? Viel sinnvoller wäre es wohl, die Lizenzgebühren in Staat Y zu besteuern. Die Theorie ist gerade auch ökonomisch überzeugend, ihre Umsetzung würde aber wohl allerlei Probleme bereiten.

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