Kinder
Nun hat also der Nationalrat für die zweiten – und ordnungspolitisch betrachtet hoffentlich die letzten – vier Jahre 200 Millionen Franken zur sogenannten Anstossfinanzierung von Kinderkrippen auf die Seite gelegt. Tröstend ist, dass von den ersten mit Pomp und Trarii bewilligten 200 Millionen in ebenfalls vier Jahren nur rund 107 Millionen abgeholt wurden. Wieviel werden es in den kommenden Jahren sein? Niemand weiss es und doch will eine Mehrheit keinesfalls Abstriche machen. Im Nationalrat war man nicht bereit, aus den ersten vier Jahren Erfahrung Lehren zu ziehen. Die SP-Initiantin Jacqueline Fehr hatte ursprünglich sogar 400 Millionen gefordert und wollte so mit abenteuerlichen Berechnungen 80000 Plätze schaffen (Quelle). Ach ja, das war unmittelbar vor den letzten Wahlen. Und nun stehen wir – wen wunderts – wiederum vor eidgenössischen Wahlen…

Ideologische Blindheit
Schauen wir uns die vergangenen vier Jahre Anstossfinanzierung einmal genauer an: Mit den 107 Millionen Franken wurden bis Ende 2006 7637 neue Krippenplätze geschaffen (Quelle: ap.). Das macht genau 14010.74 Fr. pro Krippenplatz. Wenn man einrechnet, dass gemäss einer unabhängigen Evaluation 50-70 Prozent dieser Plätze auch ohne diese Förderung entstanden wären (Quelle als PDF), verdoppelt sich dieser Wert noch einmal. Offensichtlich muss es andere Gründe geben, warum zusätzlichen Krippen nicht so schnell entstehen, wie in der ursprünglichen Idee mit dem Brustton der Überzeugung behauptet (Quelle: Eintretensdebatte vom 17.04.02). Das Resultat von 3800 wirklich geschafenen Plätzen ist mehr als kläglich und hat mit der Euphorie aus dem Parlament nichts mehr zu tun. Der Nationalrat stellt sich jedoch mit dem neuerlichen Entscheid blind gegen die Tatsache, dass diese Anstossfinanzierung zur Hälfte gar nicht abgeholt, und dann auch noch nur zur Hälfte wirklich neue Krippenplätze schafft. Vielleicht öffnet ja der Ständerat seine Augen und schaut sachlich hin.

Warum nicht auf einfachem Weg?
Wenn der Bedarf wirklich immer noch bei 50000 zusätzlichen Krippenplätzen liegt (wie mancherorts immer noch behauptet wird), dann werden diese auch mit 700 Millionen (respektive weil ja nur die Hälfte abgeholt wird mit 1.4 Mia.) nicht herzuzaubern sein. Im Gegenteil: Wenn die Nachfrage wirklich so gross wäre, genügte es, die administrativen Hürden zum Eröffnen von Krippen abzubauen. Da gab es doch in Basel den Fall, dass der gleiche Staat, der Krippen fördern will, eine private Krippe gegen den protest der zufriedenen Eltern schloss, weil nicht genügend Personal mit einem bestimmten Diplom (eines privaten Verbandes, respektive Zunft) anwesend war (Quelle: NZZ). Aber eben: ordnungspolitisch durchdachte Krippenförderung gibt zwar vielen Menschen die Möglichkeit eine Krippe zu eröffnen und schafft so einfach und rasch Krippenplätze, aber bedient ein Jahr vor den Wahlen keine Klientel mit Bundesmillionen. (Foto: pixelquelle.de)

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4 thoughts on “Krippenfinanzierung: stossender Anstoss ohne Erfolg

  1. Ordnungspolitiker auf Dörfli-Ebene machen sich eben nur hinter die Schaffung von Krippen, wenn die Gemeinde nicht alles aus eigenem Sack zahlen muss.

    Und ja: Hier in Neuenegg (BE) könnten wir wohl bis zum Sankt-Nimmerleinstag warten, bis uns von privater Seite her eine Krippe geboten würde. Jedenfalls habe ich noch von keinem “Privaten” gehört, dass er hochfliegende Pläne auf diesem Gebiet hat.

    Die Schlussfolgerung “Da Private nicht schon längst eine Krippe auf die Beine gestellt haben, gibt es auch keinen Bedarf” zweifle ich an.

    Getreu dem Motto: “Bald schon in ihrem Dorf: McKrippi, die billige Alternative zu aufgeblähten öffentlichen Krippen. Hier fertigen wir ihre Kinder rationell und kostengünstig ab, nach weltweit bewährtem Muster.”

    Staatskinder haben wir ja schon, Staatskrippen brauchen wir deshalb erst recht nicht! …

  2. Wenn derartige administrative Hürden bestehen, muss man sich nicht wundern, wenn es keine Privatinitiative gibt. Also: Zuerst die komplizierten Bewilligungen weg, und dann schauen, was passiert. Sollte es dann tatsächlich immer noch zu wenig krippen geben, dann würde die Anstossfinanzierung wenigstens wirklich an einem Ort eingesetzt, wo es nicht anders geht.

  3. Pingback: Gutscheine für die Schule statt für Krippen auf Ordnungspolitischer Blog

  4. Pingback: Wie der Staat die Kinderbetreuung sabotiert auf Ordnungspolitischer Blog

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