Häuserfront in Genf
Der Ordnungspolitische Blog soll ja auch eine Beispielsammlung sein für Vorkommnisse mit ordnungspolitischer Bedeutung. Ein ganz besonders interessantes Beispiel fand ich in der NZZ vom 24. Mai 2006 (S. 15). In Genf grassiert eine extreme Wohnungsnot. Der Leerwohnungsbestand beträgt 0,19 Prozent aller vorhandenen Wohnungen. Wesentlich Schuld an dieser Misere haben zwei Regelungen, die beide mit guten Absichten aber blind gegenüber den Folgen eingeführt wurden: Einerseits legte der Staatsrat “vor Jahrzehnten” den maximalen preis pro Quadratmeter Bauland auf 650 Franken fest, wohl um einer Steigerung der Bodenpreise entgegenzuwirken. Andererseits ist jeder Bauher gezwungen zwei Drittel seines Bauprojektes für Sozialwohnungen vorzusehen, die nicht über den freien Markt vermietet werden. Auch hier war wohl die gute Absicht dahinter, den sozialen Wohnungsbau künstlich zu fördern, damit es genügend günstigen Wohnraum gebe.

Das Resultat: Wohnungsknappheit und steigende Preise
Wir wollen uns auf eine Kritik der gutgemeinten Absichten nicht einlassen, sondern betrachten die Folgen. Wenn Landbesitzer durch einen Staatsratsbeschluss aus dem Verkauf ihres Baulandes nicht den Erlös bekommen, der dem Wert der Parzelle entspricht, kommt weniger oft ein Verkauf zu stande. Die erste Folge: Eigentlich für Wohnungsbau vorgesehenes Bauland blaibt unüberbaut. Genauso wirkt die zweite Verpflichtung: Wenn ein Bauprojekt zwei Drittel dem Markt entzogene Wohnungen vorsehen muss, wird einfach weniger gebaut (oder in Genf: ins nahe Frankreich ausgewichen, wo beliebte Wohnsiedlungen entstehen, und Steuerzahlende abwandern, allein im Jahre 2005 rund 2500 Personen). Zwei ordnungspolitisch falsche Regelungen haben eine Folge: Verknappung des Angebots und dadurch eine Steigerung der Preise: Allein in den letzten 12 Monaten um 7,2 Prozent. Die Folgen der mit hehren Absichten eingeführten Regeln widerspricht der ursprünglichen Absicht diametral. Zeit für eine ordnungspolitische Neubesinnung. (Foto: pixelquelle.de)

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5 thoughts on “Genf: Gute Absichten behindern Wohnungsbau

  1. Gegenfrage: Sähe es ohne diese zwei ordnungspolitischen Massnahmen besser aus?

    Ich möchte anregen, die Wohnsituation in anderen Schweizer Städten zu vergleichen – insbesondere in solchen Städten, die diese zwei Regelungen nicht kennen. Erst so lässt sich eine Kausalität tatsächlich begründen.

  2. Welche Stadt meinst du? Etwa jene, von der die verantwortliche Politikerin sagte, sie sei “gebaut” udn auch dementsprechend handelte, so dass noch heute eine auch recht bedrängnisvolle Wohnungsnot besteht?

    Gehe doch auf die beschriebenen zwei Effekte ein, dann wird es a) sachlich udn b)interesant. In vielen Schweizer Städten gibt es Regelungen, die in guter Absicht aber mit katastrophalen Folgen alles Blockieren, was Menschen miteinander vorhaben.

  3. In Luzern fehlen solche Regelungen, mit dem Erfolg, dass der Bausirektor quasi nur noch Eigentumswohnungen bauen lassen will. Wir bekommen jetzt eine Uni, günstiger Wohnraum für die Studierenden fehlt aber gänzlich. Die Spekulation führt dazu, dass sämtliche Altbauten entewerde abgerissen (“rückgebaut”) oder luxussaniert werden.
    Schlechte Aussichten.

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