Festsaal Waeckerling
Mitte Juli informierte das Haus Wäckerling, dass es wegen zu geringer Nachfrage umstrukturiert werden müsse (Medienmitteilung als PDF). das bedeutet im Klartext: Betten werden abgebaut, weil sie nicht gebraucht werden. Insbesondere die durch umfassende Renovationsarbeiten 2001-2004 geschaffenen Plätze für schwere Pflegebedürftige seien zu wenig ausgelastet. Die Renovation des denkmalgeschützten Gebäudes im Umfang von zwanzig Millionen Franken stellt sich nur ein Jahr nach der Einweihung als unnötig heraus.

Die Betten werden von einem Zweckverband von sieben Gemeinden getragen (Stäfa, Männedorf, Uetikon, Meilen, Herrliberg, Hombrechtikon, Oetwil am See). Diese wollten das Haus als “Überlaufangebot” betreiben, falls die gemeindeeigenen Institutionen keine freien Plätze mehr hätten. Seit rund zehn Jahren – ich erinnere mich an ein entsprechendes Gespräch mit einem Heimverwalter – sind die Tendenzen bei der Altenpflege bekannt:

  • Pflegebedürftige bleiben – auch dank Spitexdiensten – länger im eigenen Haushalt
  • Angebote ausserhalb der Wohngemeinde sind nicht attraktiv
  • Diese Entwicklungen sind weder neu, noch überraschend. es überascht höchstens, dass die eigentlich verantwortlichen so tun, als hätten sie diese Entwicklungen nicht wissen können – und niemand Verantwortung einfordert.

    Die “Wäck” wie das Haus Wäckerling im Volksmund hiess, war meist nur kurzzeitiger Aufenthaltsort. Warum trotzdem Millionen in Renovationsarbeiten von Plätzen flossen, die nun gar nicht gebraucht werden, weiss niemand. Der Präsident des Zweckverbandes (und Meilemer gemeindepräsident) Hans Isler meinte in der Zürichsee-Zeitung auf die politische Verantwortung angesprochen nur, die Entwicklung sei nicht absehbar gewesen. Oder mit anderen Worten: Die politische Verantwortung übernimmt niemand. Warum auch, denn der Zweckverband wird von niemandem direkt kontrolliert und besteht aus Gemeinderatsmitgliedern. Direkte politische Verantwortung und starker Einbezug der Bevölkerung sind aber ordnungspolitisch wichtige Bedingungen, damit genau solche Fehleinschätzungen nicht geschehen. Bei einer Zweckgemeinde werden durch eine eigene Körperschaft genau diese Voraussetzungen für sorgfältigen Umgang mit Steuern geschaffen. (Foto: Renovierter Festsaal im Haus Wäckerling, Quelle: klp.ch)

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    5 thoughts on “Zweckverbände versagen: Beispiel Haus Wäckerling in Uetikon am See

    1. Das Nein an der gestirgen Gemeindeversammlung ist fatal. Da entscheidet sich eine Gemeinde für alle anderen, die bereits ja gesagt haben. Direkte Demokratie nennt sich das. Und das kostet Geld, viel Geld. Es wäre gut, man könnte die Steuerbelastung einmal ausrechenn, was dies für einen Einwohner bedeuten würde (Einkommen pro Monat Fr. 5500.00).

      Ich verstehe die Emotionale Bindung. Es ist schön, der Rebberg und die Landschaft. Aber die Wäckl gehört nicht Uetikon, sondern sie steht dort.

      Was geschicht mit den Mitarbeitern und Bewohner? Die SP sagt, was soll eine Personalggarantie von nur einem Jahr????
      Kennen Sie jemand, der eine Kündigungsfrist von einem Jahr hat? Ich nicht. Im weitern will die di gAllo Gruppe Arbeitsplätze erhalten und sogar ausweiten, nicht künden!!

      Die Abstimmung zeigt, dass ein Zweckverband nicht greifft, es sprechen zu viele Leute drein.
      Ich hoffe, dass die UEtikerinnen und Uetiker die Augen öffnen. Sie verlieren die Wäck nicht, sondern gewinnen die Wäck.

    2. Das Nein hat auch seine gute Seiten , den Uetikon als Standortgemeinde hat am meisten zu verlieren. Des weiteren, ist es am einfachsten
      für die Verantwortungsträger, mit dem Verkauf von den vielen Hausgemachten Strategischen Fehlern abzulenken um Quasi eine vermeintliche
      optimale Lösung in den Vordergrund zu stellen. Tatsache ist aber, dass in vielen Gemeinden auch öffentlich-rechtliche Trägerschaften,
      Pflegheime mit Erfolg betreiben und es überall Wartelistengibt für Pflegeplätze. An den Info-Veranstaltungen im Vorfeld der Abstimmung
      und auch in den meisten Zeitungsberichten, wurde nur immer schwärzeste Zunkunftsszenarien propagiert,falls wir nicht Verkaufen würden.
      Doch das Defizit kann auch mit Massnahmen bekämpft werden und nur schon mit dem längst fällig gewesenen Wechsel der Heimleitung,wurde
      schon ein positiver Weg eingeleitet.

    3. Das Erschreckende ist, dass scheinbar die meisten Teilnehmer an der GV nicht gecheckt haben, was das für finanzielle Auswirkungen auf Uetikon haben kann.
      Und wie üblich sind es die Ortspartein SP/Grüne/CVP, die Sturm gegen die Auflösung laufen, ohne Rezepte zu haben. Und dass da Steuergelder oder -erhöungen auf dem Spiel stehen interessiert dies Leute natürlich auch nicht.

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