Vom ordnungspolitischen Denken
Ordnungspolitik ist ein Denkansatz mit bestimmten Regeln. Hier wie andernorts wurde darauf hingewiesen, dass diese Regeln sachliches Argumentieren ermöglichen. Ordnungspolitik warnt einem vor der Ideologiefalle genauso wie vor der Empörungsfalle – für eine Person mit einem politischen Mandat ein wichtiger Beitrag zu einem überzeugenden und glaubwürdigen Argumentieren. Warum ist das so?

Betrachtet man das doppelte Grundprinzip des ordnungspolitischen Ansatzes, wird klar warum:

Erstens: Wer bei einem neu auftauchenden Problem zuerst genau danach fragt, was denn wirklich der Kern dieses Problems ist, verringert die Gefahr, in eine wie auch immer entstandene Empörung miteinzustimmen. Der oder die ordnungspolitisch Denkende ist in erster Linie bereit, genau – sogar genauer – zuzuhören und zu verstehen. Das neugierige Nachfragen und “auf den Grund gehen” ist nicht nur diskursethische Grundlage, sondern auch eine im Alltag bewährte Verhaltensweise die sich der ordnungspolitische Ansatz zu Nutze macht.

Zweitens: Wer bei einem so festgestellten Problem nicht sogleich nach einer staatlichen Intervention ruft, sondern zuerst verschiedene dem Problem angemessene Lösungswege skizziert und aufgrund deren Wirkungen (und nicht deren “Design”) beurteilt, entgeht wiederum der unsachlichen Empörung und der Ideologie – man stelle sich eine Äztin vor, der einem Patienten ohne vorangegangene Diagnose ein Medikament in die Hand drückt, das er aufgrund der Verpackung und der Verabreichungsform ausgewählt hat.

In der Politik schafft ordnungspolitisches Denken (PDF dazu) die Voraussetzung für eine problemorientierte Auseinandersetzung über echte Lösungen. Da das politische Tagesgeschäft bekanntlich vom Bazar der Parlamentsgruppierungen geprägt ist, die oft genug nur noch darüber debattieren, wie weit die Intervention oder wie hoch die Subvention sein soll, verhilft der ordnungspolitische Ansatz zu einem profilierteren politischen Auftreten.

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2 thoughts on “Warum Ordnungspolitik Sachlichkeit fördert

  1. ad 1) Es freut mich zu lesen, dass auch die Ordnungspolitiker auf den Weg der Diskursethik bzw. der deliberativen Demokratie gefunden haben.

    ad 2) Was im konkreten Fall “angemessene Lösung” heisst, würde mich schon interessieren. Bis jetzt meinte ich immer, das “Design” (was immer auch darunter zu verstehen ist) bestimmte die Wirkungen. Weshalb also, sollen wir uns nicht, wie unter erstens, auch ums Design kümmern?

  2. Pingback: Wirtschaft: Fragen, die eine Partei beantworten muss auf Blog der CVP Luzern

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