AHV: Effizienz ist nur ein Mythos

Alte Frau vor einer Grafitti-Wand
Am vergangenen Abstimmungssonntag habe ich die politischen Debatten im Radio zur Kosa-Initiative mitverfolgt. Ich staune noch heute, wie oft da von der Effizienz der AHV die Rede war – und wie wenig von der Effektivität. Die unbestrittenen Pluspunkte der Ersteren werden dabei schnell missbraucht, um die etwas weniger offensichtlichen aber nicht weniger gravierenden Minuspunkte der Zweiteren zu verwischen. Eine Leistung kann wohl mit einem günstigen Ertrags-Aufwand-Verhältnis (Effizienz) erstellt werden, ohne dass dieses für eine optimale Zielerreichung (Effektivität) garantiert! Denn die AHV wurde von Beginn an nach dem Giesskannenprinzip gestaltet – alle Pflänzchen werden etwas nass. Diese Ineffektivität der ausgegebenen Gelder wirkt dort am stärksten, wo sie wirklich gebraucht würden: Bezüglich dem Fürsorgeziel versagt sie seit der Einführung der AHV, da die Bedürftigen auf die Ergänzungsleistungen angewiesen sind und bezüglich dem Vorsorgeziel, bieten die zweite und dritte Säulen langfristig im Vergleich die grössere Sicherheit.
Die AHV ist schliesslich ein Beispiel dafür, dass eine politische Massnahme mehr anhand von deren Absichten als von deren Wirkungen beurteilt wird. Ein ordnungspolitischer Ansatz würde es hingegen ermöglichen, die vielfältigen sozialpolitischen Ziele auseinander zu halten und die jeweils besten Massnahmen herzuleiten. Das Konzept einer negativen Einkommenssteuer könnte nicht nur die Probleme der Armut von Familien und Alleinerziehenden effizient und effektiv auffangen, sondern wäre recht bedacht sogar zukunftsträchtiger Ersatz für die AHV. Und damit die Angst von Umverteilungsspezialisten gedämpft wird, noch dies zur Beruhigung: Die Umverteilung ist via Einkommenssteuern wegen der Progression sogar noch höher als in der AHV, löst aber viele anderweitig eingebaute Umverteilungs-Mechanismen mit fragwürdiger Wirkung ab, wie z.B. in der Arbeitslosenversicherung, Invalidenversicherung bis hin zur Wohneigentumsförderung, welche selber effektiver gestaltet werden können!
(Foto: pixelquelle.de)

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2 Kommentare

  1. CAK:

    Die schweizerische Altersvorsorge betrachtete ich bisher gerade gegenteilig: Effektiv, da sie das Phänomen Altersarmut nahezu vollständig zum Verschwinden gebracht hat, aber nicht effizient, da das Ziel auf kostengünstigere Art erzielt werden könnte. Wenn man bedenkt, dass viele Alte auf Ergänzungsleistungen angewiesen sind, ist allerdings auch die Effektivität kaum gegeben. Was offensichtlich hier unter Effizienz verstanden wird, sind bloss die tiefen Verwaltungskosten der AHV (wird manchmal als X-Effizienz bezeichnet).

    Zur Negativen Einkommenssteuer: Meines Wissens hat sich bisher ergeben, dass die Negative Einkommenssteuer je nach Ausgestaltung entweder zu teuer ist (und noch mehr Umverteilung erfordert als heute) oder wegen eines hohen marginalen Steuersatzes zu wenig Arbeitsanreiz bietet oder zu gering ausfällt, so dass die Armut nicht bekämpft wird.

  2. summertime:

    Gedanken zur Umverteilung

    Nehmen wir einmal an, unser Staat / wir als Gesellschaft verteilen unseren Reichtum nicht so richtig. Es gibt sehr viele Menschen, die struktur- und systembedingt unterdurchschnittlich viel verdienen – obwohl sie gro

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