Finanzspritze aus der öffentlichen Kasse
Angenommen, ich gründe eine Gesellschaft und schaffe es mittels geschicktem Lobbying eine gesetzliche Bestimmung in Kraft treten zu lassen, damit sie sich über Gebühren finanzieren darf. Damit verfügt die Gesellschaft über Mittel für den Betrieb, kann aber auch nach eigenen Kriterien interessante, zukunftsweisende Projekte starten und dabei erst sich damit rühmen, sie würde diese mit Eigenmittel finanzieren – also nicht mit den Steuereinnahmen! Als inspirierende Illustration für dieses erfolgsversprechende Geschäftsmodell betrachte man das Projekt für ein digitales SRG-Radio mit Nachrichtenprogramm.

Angenommen, ich besitze eine grosse schmutzige Fabrikationsanlage auf der Südhalbkugel und möchte meine Position als führenden Unternehmer auch in Zukunft bewahren, dann brauche ich zusätzliche Finanzmittel. Bisher konnte ich zwischen zwielichtigen Geldquellen oder seriösen Banken wählen. Manchmal gelang es, mich und meine Firma – natürlich nur indirekt – über multilaterale Entwicklungsgelder einzudecken. Neu besteht die Möglichkeit, auch im Rahmen der neumodischen Klimapolitik Mittel zu erhalten. Diese alternative Finanzierungsart – natürlich nur unter der Voraussetzung, dass meine Firma genügend Dreck in die Atmosphäre schleudert – erlaubt es, meine Produktionskosten auf das bisherige Umweltdumping-Niveau aufrechtzuerhalten! Mehr darüber erfährt man demnächst an der laufenden Klimakonferenz in Nairobi.

Angenommen, ich wäre Hotelier und müsste den künftigen Investitionsbedarf meiner Infrastruktur planen. Da würde ich mich freuen, wenn ich mit andern Standeskollegen zusammen im Rahmen einer vom Staat eingesetzten Arbeitsgruppe über den Investitionsbedarf in der Branche diskutieren könnte. Weitere Mitglieder wären mindestens Vertreter der Kantone, der Tourismusverbände, des Extremtourismusinspektorats, der Wellnesshygienefachstelle sowie von Präsenz Schweiz und Schweiz Tourismus. Ohne die Stimme jener, die solche Kosten letztlich tragen oder über das Preis-Leistungsverhältnis ihren differenzierten Bedürfnissen entsprechend spezifische Vorstellungen haben, lässt sich, es sei einemal ehrlich und offen gesagt, viel sachlicher und konsensorientierter debattieren. Ein Fallbeispiel für diesen modernen wahrhaft integrierten Planungsansatz ist die aktuelle schweizerische Arbeitsgruppe zur Sicherung des Strom-Hochspannungsnetzes – Natürlich hinkt der Vergleich etwas, da bei den Hotels die freie Wahl des Anbieters gegeben ist, so dass bei Unzurfriedenheit ausgewichen werden kann. (Foto: pixelquelle.de)

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2 thoughts on “Wie die Verwendung von Gelder Dritter auch in Zukunft sichergestellt bleibt – Beispiel SRG, Klimakonferenz und Stromwirtschaft

  1. Gute Beispiele mit interessanten Analogien, welche die Betroffenen natürlich weit von sich abweisen würden.

  2. Pingback: Mein Beitrag zum Wunsch-Schloss: Privilegien schleifen « Ordnungspolitischer Blog

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