Vertragsabschluss: Angebot und Nachfrage finden sich
Eine Studie der Stiftung Ethos hat in der vergangenen Woche die Debatte über Managerlöhne reaktiviert. Sofort sind echte und selbsternannte Experten zur Stelle, die mehr oder minder Bekanntes und mehr oder minder Intelligentes zur moralischen Debatte beitragen. Sogar eine Volksinitiative ist in der Pipeline. Auch die Blogosphäre haut in die Tasten ([1],[2],[3],[4],[5],[6]).

Grundsätzlich besteht ein freier Markt für Top-Manager. Es gibt eine Nachfrage und es gibt ein Angebot. Je nach Branche und Firmengrösse sind die Märkte für Manager unterschiedlich gross. Informationen beider beteiligten Seiten sind ausreichend vorhanden. Top-Manager können sehr viel und übernehmen eine sehr grosse Verantwortung – um einmal ein durchaus positives Beispiel zu erwähnen, sei auf die Arbeit von Herrn Marchionne bei Fiat verwiesen. Die grundlegende Veränderung von Kultur, Entwicklung und Produkten hat dem Konzern wettbewerbsfähig gemacht und damit Tausende von Arbeitsplätzen gerettet. Wer vergönnt es dem Kanadier, wenn er Millionen verdient?

Dass ein Markt besteht (und von Marktversagen nicht gesprochen werden kann) beweisen die unterschriebenen Arbeitsverträge und die darüber offensichtlich – mit einigen Ausnahmen – nicht unzufriedenen Aktionäre. Es ist ganz direkt ihr Geld, das statt als Gewinn ausgewiesen und als Dividende verteilt, einem CEO bezahlt wird. Sie haben das begründete Recht auf Transparenz und sie können Ihren Investitionsentscheid von der Lohnhöhe des Managements abhängig machen, wenn sie wollen. Natürlich kann man aber auch ins gleiche Horn der Kritiker stossen, die keine Gelegenheit verpassen, letztlich Kapitalismus-Kritik auszüben, und zusätzlichen staaatlichen Regulierungen – in Eigentumsfragen! – Vorschub leisten. Auch hier lohnt es sich aber, ein ordnungspolitisches Warnschild zu heben: Vereinzelte Missbräuche, die es bei über 300’000 Unternehmen in der Schweiz sicher gibt, sind schlechte Anknüpfungspunkte für neue, allgemeingeltende Rechtsnormen! Wenn Verbesserungen der Aktionärsdemokratie sachlich nötig sind, können diese vorerst in den Statuten einer AG verankert werden, vielleicht ja gerade, um Investoren damit anzuziehen. (Foto: pixelquelle.de)

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5 Gedanken zu “Managerlöhne: Abzocker oder funktionierender Markt?

  1. Hä? Was für Anreize meinst du? Selbstregulation muss nur im Hinblick auf die Aktionäre geschehen, denn es ist – wie der Artikel betont und du übergehst – ihr Geld. Ganz allein ihr Geld. Moralisierendes kann ich auch nicht sehen, zumindest hier nicht, ganz im Gegenatz zur ach so lustigen Empörungsbewirtschaftung.

  2. Masslosigkeit oder Die normative Kraft des Faktischen
    Klar, ein unverdorbener Blick ist nicht verkehrt. Nur, was soll das sein? Im Fall der Debatte um Managerlöhne ist es einigermassen unerheblich, wie die fliessenden Gelder legitimiert werden. Fakt ist, dass sie in den Augen der Bevölkerung, und das wohl global, das bestehende Wirtschafts- und Leistungssystem delegitimieren. Sorry, aber kommen Sie mir nicht mit dem Freien Markt oder dem Argument, es handele sich um Einzelfälle, Ausnahmen, bedauerliche punktuelle Missstände. Den systematischen Misstand erkennen Sie immer am Einzelbeispiel. Dem ordnungspolitischen Blick könnte eine Erinnerung an die Marx’sche Kritik der Politischen Ökonomie nicht schaden. Ohne gleich beleidigend zu werden: Die Einkünfte der ökonomischen Top-„Charaktermasken“ spiegeln letztlich nichts anderes als die Unfähigkeit dieser Produtkions und Verteilungsordnung, gesellschaftlich produzierten Reichtum gesellschaftlich angemessen zu distribuieren. Dass dagegen Revolutions-Phantasien nicht taugen, hat das 20. Jahrhundert gezeigt. Vielleicht wächst aber noch so etwas wie eine wirkliche Verantwortungsethik der ökonomischen Eliten. Anonsten wäre zu fürchten, dass das sich betrogen wähnende Volk in den (Rechts-)Populismus abdriftet.

  3. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Aktionäre ein Interesse daran haben, dass Manager, die ihre Aufgabe nicht erfüllt haben dafür Millionenschwere Abgangsentschädigungen erhalten. Diesem Sachverhalt ist das Marktversagen förmlich auf die Stirn geschrieben. Das Problem ist, dass die Aktionäre in der Schweiz zu wenig Einfluss auf das Management ausüben können. Also zu wenig Markt und zu wenig Kapitalismus !

  4. Zitat: „Grundsätzlich besteht ein freier Markt für Top-Manager“.

    Ich möchte, in aller gebotenen Vorsicht, an dieser locker-flockig formulierten These Zweifel anmelden. Wenn es den Markt für Führungskräfte wirklich gäbe, müsste dann nicht die Internationalitätsquote in den DAX-Vorständen viel höher sein? Tatsächlich bewegt sie sich aber nur irgendwo zwischen 10 und 20 Prozent. Rechnet man dann noch die deutsch-sprachigen Schweizer und Österreicher heraus (Ackermann, Löscher etc.) heraus, liegt der Wert vermutlich noch geringer. Hinzu kommt: Noch immer ist der Anteil der Führungskräfte mit „Schornstein-Karrieren“ (Vorstände, die nie ein anderes Unternehmen kennen gelernt haben, als das in dessen Vorstand sie jetzt sitzen) allem Anschein offenbar fast ebenso hoch, wie die Internationalität niedrig ist. Zugegeben: Das Argument, die Vorstände erhalten nur das, was die Aktionäre als angemessen erachten, ist dadurch nicht außer Kraft gesetzt, aber der Geschichte vom „Freien Markt für Führungskräfte“ mag ich keinen rechten Glauben schenken. Sorry.

  5. Kleiner Nachtrag: Ich möchte mich für meinen auf Deutschland zentrierten Blick entschuldigen. Ich bemerke erst jetzt, dass ich mich auf einer schweizerischen Seite befinde. Würde mein Kommentar gelöscht, ginge das voll in Ordnung.

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