Milton Friedmans Vermächtnis: Bildungsgutscheine für eine bessere Schule

Milton Friedman
Am 16. November – vor einer Woche – starb Milton Friedman. Auch hier im Ordnungspolitischen Blog haben wir ihn zitiert und als Inspiration für unsere Beiträge zur aktuellen Politik wahrgenommen und – hoffentlich – auch verbreitet. Neben seinen wichtigen und inzwischen weltweit (sogar in der Schweiz) anerkannten Studien zur Geldmengenthematik hat der Ökonom viel zur sorgfältigen Diskussion über Politik und ihre Effekte beigetragen. Dabei waren zwei Prinzipien durchgehend ganz besonders wichtig:

Erstens: Die Menschen wissen in den allermeisten Fällen selber sehr gut, was für sie wichtig und richtig ist. Vor allem wissen sie es besser als staatliche Stellen. Auf die einzelnen Menschen muss gebaut werden – alles andere ist staatliche Bevormundung, welche letztlich die Würde eines Menschen verletzt.

Zweitens: Wenn zwischen Anbietern von Gütern und Dienstleistern ein Wettbewerb besteht, ist das Angebot günstiger und in besserer Qualität.

Diese Prinzipen wendete er auf verschiedenste Bereiche an, wie sein Schüler Gary Becker im Becker-and-Posner-Blog sehr schön in Erinnerung ruft. Aufgrund dieser beiden Prinzipien engagierte sich Friedman in den letzten Jahren zusammen mit seiner Frau für ein System von Bildungsgutscheinen, welches er 1955 entworfen hatte (PDF). Eltern können selber entscheiden, an welcher Schule sie diese einlösen. Eltern wissen sehr genau, was für ihre Kinder gut ist. Die sogenannt “bildungsfernen Schichten” – eigentlich ein entwürdigendes, arrogantes Unwort – sind besonders darum entstanden, weil Eltern sich bis anhin um die Bildung der Kinder nicht kümmern mussten, ja sogar es nicht durften.

Dass die Kantone gleichzeitig die Bildung bezahlen und sie anbieten bringt falsche Anreize. Die Trennung zwischen Bezahlenden und Anbietenden setzt diese wieder richtig: Das Angebot wird sich oberhalb von Mindestatandards (wie es sie schon heute gibt) an den Bedürfnissen der Eltern orientieren. Und diese sind es, die eine gute, sogar die beste Bildung für ihr Kind wollen. Der Wettbewerb wird allen Schulen zur andauernden Herausforderung, besser zu sein.

Das System der Bildungsgutscheine behält die staatliche Finanzierung der Bildung bei, der Umverteilungsmechanismus wird nicht angetastet. Hingegen wird die Seggregation bekämpft und die so dringende soziale Mobilität erhöht. Heute entscheidet oft schon der Wohnort über die Schule und prädestiniert für den gesamten Bildungsweg. Werden Schulen und Eltern befreit, sind diese heute unsichbaren aber vorhandenen Grenzen aufgehoben. (Foto: Ideachannel)

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2 Kommentare

  1. emeidi:

    Verständnisfrage: Für mich ist nicht ganz nachvollziehbar, wie Normalsterbliche ihre Kinder die Schule wechseln lassen wollen, ohne umzuziehen? Meines Wissens gibt es in durchschnittlichen Dörfern der Schweiz gerade mal eine Schule (?). Wer zur Konkurrenz will, muss folglich das Dorf zwangsläufig verlassen …

    Nehmen wir an, ich wohne mit meinen Kindern in Bern, die beste Schule steht aber in Zürich. Stecke ich meine Kindern nun jeden Morgen in den Intercity? Klar ist dieses Beispiel etwas übertrieben – aber ich weiss nicht, wie viele Eltern ihre Kinder täglich in eine 30km entfernte Schule chauffieren werden? Was sagt Kollege Milton dazu?

    Abgesehen davon wette ich um ein stattliches Vermögen, dass sich “bildungsferne” Schichten auch bei der Einführung von Bildungsgutscheinen keinen Deut um die richtige Schulwahl kümmern werden …

  2. Sepp:

    Ich bin nicht Milton, aber ich denke es gibt da zwei Sachen dazu zu sagen:

    1. Das nächste Dorf ist in der Schweiz selten 30 Kilometer entfernt, soweit zum geographischen. In den Gemeinden, in denen der überwiegende Teil der Bevölkerung lebt, gibt es zudem mehr als eine Schule, und voila – schon haben wir den Wettbewerb.
    Zudem geht es um den Effekt, den ich als zweiten Aspekt hervorheben würde und den Einwand mit den sog. “bildungsfernen Schichten” entkräftet – eigentlich ein extrem arroganter Begriff, den ich rundum ablehne.

    2. Der Wettbewerb alleine, also nur schon die Möglichkeit eines Schulwechsels führt zu Qualitätsanstrengungen und schliesslich zu einer Verbesserung aller Schulen, auch jener, die von Kindern besucht werden, deren Eltern sich nicht um die Sache kümmern.

    Die starren Regelungen führen zu absurden Dingen, wie Eltern, die sich mittels Scheinadressen Plätze in besseren Schulen sichern, wie in Berlin geschehen (Link zum Artikel in “Die Welt”). In Schweden (wo die freie Schulwahl durchdachter und konsequenter eingeführt wurde als in den USA) ist sie ein voller Erfolg. (Link zum PDF)

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