Sarganserland: Wettbewerb macht Sinn – auch beim Service public

Postauto im Sarganserland
Wie wenn es zum Beweis von Milton Friedmans zweitem Prinzip (Wettbewerb verbessert und verbilligt Leistungen) noch ein besonders anschauliches Beispiel gebraucht hätte, fand ich heute bei der NZZ eine wunderbare Geschichte: Wettbewerb tut weh. Da jauchzt meine Krämerseele und ich freue mich über einen Regierungsrat, der Führungskraft besitzt und den sorgsamen Umgang mit Steuergeldern nicht nur predigt, sondern auch durchzieht. Kurz die geschichte zusammengefasst (für die Zeit, wenn der NZZ-Artikel nicht mehr online ist):

Der Volkswirtschaftsdirektor vergleicht die Preise der Postautobetriebe in verschiedenen regionen seines Kantons. Im Sarganserland liegen diese rund dreissig Prozent höher. Die Postauto AG bezweifelt die Untersuchung und ist nicht willens, über den Preis zu verhandeln. Das neue Eisenbahngesetz von 1996 erlaubt es dem Volkswirtschafter das zu tun, was Friedman fordert: Er schreibt die Postautolinien aus. Das hat zwei erstaunliche Folgen:

  • Erstens offeriert die Postauto AG die Strecken plötzlich eine Million günstiger als bisher. Der Wettbewerb führte also auch da sehr schnell und ohne staatlichen Eingriff zum Umdenken. Honi soit qui mal y pense…
  • Zweitens offeriert eine andere Gesellschaft die Leistungen noch einmal eine halbe Million günstiger. Diese Offerte gewinnt.
  • Nun entlud sich der populistische Volkszorn über dem Regierungsrat – inklusive Morddrohung. Leserbriefe mit zum Teil absurdem Inhalt – so wurde die Verwurzelung der bisherigen Postautofamilien mit der Bedeutung Willhelm Tells für die Schweiz verglichen – erscheinen und verlangen das jahrelange Privileg zu überthöhtem Preis zurück. Der Regierungsrat zeigt Rückgrat und stellt sich einer Diskussion. Auch dort ist die Stimmung schlecht. Obwohl dieser die gleichen Leistungen wie bis anhin statt mit 4.4 Millionen Franken Steuergeldern nun mit 2.9 Millionen Franken einkauft. Wenn sich die Gemüter beruhigt haben werden, dürfte es anders aussehen. Oder meint wirklich jemand, die 1.5 Millionen Franken Geldverschwendung zugunsten einer kleinen Gruppe von Personen sei “Service public”? Service pubelle trifft es da eher… (Foto von cagbay @ flickr)

    Diesen Beitrag twittern

    Willkommen zurück auf Ordnungspolitik.ch.
    Dieser Blog kann Sie automatisch über Neues informieren. Unser Datenstrom zum Abonnieren: RSS. Abo per Mail gibt es hier . Oder mit einem Klick auf dieses Banner:

    Ordnungspolitischer Blog

    Tags: , , , , , , , , , , , ,

    Ähnliche Artikel:


    4 Kommentare

    1. emeidi:

      Es gibt zwei Möglichkeiten:

      a) die Kosten für den Postautodienst waren bisher hoffnungslos überteuert
      b) der Gewinner hat einen Weg gefunden, die Kosten drastisch zu senken (billigere Löhne? billigeres Material? etc.)

      Bevor wir nun aber die gesparten 1.5 Millionen schnurstracks in den Himmel loben: Warten wir ab, wie sich der Betrieb im ersten Jahr so anfühlt. Erst dann lässt sich – meiner Meinung nach – sagen, ob die Aktion ein Erfolg war oder nicht.

      Ich bin auf alle Fälle gespannt.

    2. sisyphos:

      Gehört zwar nicht zum Post, doch wer vom Ordnungspolitischen Blog kommt denn auch an die Ideenmesse?

    3. Dominik Feusi:

      Ich komme. Wo trifft man sich? Machen wir ein kleines Bloggertreffen? Oder eine kleine liberale Runde bei Rebell?

    4. sisyphos:

      Also ein kleines Bloggerründli bei einem Gläschen Weissen muss dann schon sein… ;-)

    Dein Kommentar

    kostenloser Counter

    Blog Verzeichnis der Schweiz

    Twitter links powered by Tweet This v1.7.3, a WordPress plugin for Twitter.