Cartoon von www.karikatur-cartoon.de
Schon bringt man sich an vielen Orten in Stellung, um im kommenden Jahr über die Initiative für eine Einheitskrankenkasse abzustimmen. Letzten Samstag fasste die SP schon die Ja-Parole. Und erschreckend viele Menschen, die zum Beispiel jeden Tag davon profitieren, dass es zwei Grossverteiler in harter Konkurrenz (und Discounter und Bioläden und Tante-Emma-Läden und einen Bauernmarkt) gibt, sind plötzlich der Meinung, also die Einheitskrankenkasse, die wäre eine echte Lösung. Wir versuchen das ordnungspolitisch zurechtzurücken:

1. Diagnose des Problems: Die Kosten und Kostensteigerungen sind nicht auf die Verwaltungskosten zurückzuführen. Auch wenn die Kassen Werbekampagnen machen – das ändert nichts an der Tasache, dass ambulante und stationäre Behandlungen, insbesondere deren Menge und die Medikamente die Kostentreiber sind. Die Werbekosten regulieren sich übrigens dank einem ordnungspolitischen Anreiz von selber: Sind sie sehr hoch, schlägt das auf die Prämien nieder, was den Effekt der Werbung zunichte macht. Die Diagnose ist also bereits einmal falsch. Beste Voraussetzungen für eine Heilung…

2. Die Einheitskasse bedeutet höhere Prämien, nicht nur weil Kantone mit vernünftiger Versorgung die Strukturen der Luxus-Kantone zu bezahlen hätten (und die Kantone dann weiter fröhlich unnötige Strukturen erstellen, um sich beliebt zu machen). Ordnungspolitisch fehlt der Einheitskasse jeder Sparanreiz. Wir als Versicherte sind an sie gebunden. Uns fehlt jede Marktmacht. Wir sind auf Gedeih und Verderb dazu verpflichtet, die Prämien zu zahlen.

3. Auch die Eigenverantwortlichkeit der Versicherten nimmt (noch) weiter ab. Der Leistungsbezug würde vollkommen von der Bezahlung abgekoppelt. Auch hier würde sich die bereits jetzt schon verheerende Konsumhaltung verstärken – mit steigenden Kosten für alle.

4. Der Wettbewerb hat heute direkte Auswirkungen auf die Kosten. Die Versicherer üben eine Kontrolle der Leistungen aus, weil sie die Prämien im Markt tief halten müssen. Diese Kostensenkungen sind um ein Vielfaches tiefer als die Ausgaben für Werbung.

5. Die Berechnung der Prämienhöhe nach dem Einkommen (statt der heutigen Einheitsprämie mit Verbilligungen für Wenigverdienende aus Steuergeldern), hat nichts mit “Gerechtigkeit” zu tun, sondern vermischt einmal mehr eine Versicherung mit einer Umverteilung. Die Vermischung der beiden Anliegen führt zu falschen Anreizen. “Sozialer” als die heutige Regelung ist das ebenfalls nicht.

Die Einheitskasse ist eine Quasi-Verstaatlichung des Gesundheitswesens mit allen damit einhergehenden Folgen. Im Gesundheitswesen liegt der Teufel im Detail, und nicht im ideologisch (rot-)gefärbten Rezept. (Karikatur/Cartoon bei www.karikatur-cartoon.de)

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3 thoughts on “Einheitskrankenkasse: ideologische Nebelpetarde

  1. Wie alle moderne Länder die Schweiz braucht eine öffentliche Struktur, die das System und das Geld der 7 Mio Schweizer steuert. Ein öffentliches System kann nicht mehr lange an das Teufel-Spiel der privaten Versicherer gelassen werden. Wenn das VOLK eine Kontrolle in Zukunft auf ein öffentliches System möchte dann ist die logische Antwort JA für die öffentliche Einheitskasse. Sonst werden die obligatorischen Prämien weiter in der Händen der privaten Kassen sein. JOHN

  2. Die beste Steuerung ist, wenn jeder sein Geld selber ausgeben kann. Eine öffentliche Struktur weiss nicht besser als die einzelnen Menschen, was für sie gut ist. Deine Haltung ist arrogant. Das hat mit modern nicht im geringsten etwas zu tun. Mit Diktatur aber sehr wohl.

  3. Es ist schade, wenn die Einheitskrankenkasse mit ideologischen Argumenten (links-rechts) torpediert wird. Tatsache ist, dass die Kosten in Dänemark mit Einheitskasse in den letzten 10 Jahren NICHT gestiegen sind, was bei uns passiert, weiss ja jeder. Und der “Wettbewerb” wirkt in diesem Fall kostentreibend. Fragen Sie mal Vertreter, wieviel Sie bei jedem Kassenwechsel an Verkaufsprämien garnieren, dies sind enorme Summen, welche den Versicherten nicht zugute kommen. Hingegen bin ich dafür, dass derjenige,welcher gesund lebt, von einem Bonus profitiert, und damit haben wir den “Wettbewerb” dort, wo er in diesem Fall sein muss, nämlich beim Verhalten jedes einzelnen. Und auf jeden Fall: FUER DIE EINHEITSKASSE STIMMEN, wenn Sie wollen, dass sich etwas bewegt! Und in dieser Abstimmung bitte NICHT auf die “moderaten” Politiker (=Lobbyistenund Kostentreiber) hören.

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