Rechtsanwalt Thomas Geldmacher
Es gibt sie noch, die Berufsgattungen, welche es geschafft haben, sich auch im 21. Jahrhundert zünftisch zu organisieren. Zum Beispiel das Anwaltswesen. In den meisten Kantonen ist es so, dass nur Anwälte jemanden vor Gericht vertreten dürfen. Damit schottet die Zunft schon einmal den Markt ab. Gleichzeitig entscheidet sie auch, wer mit welchen Voraussetzungen und Prüfungen Zugang zur Bezeichnung “Anwalt” erhält. Und fertig ist die zünftische Ordnung – mit samt den Auswirkungen wie kartellartige und überhöhte preise und schlechte Qualität (dazu gabe es vor einiger Zeit einen ziemlich eindeutigen Test im “Beobachter”, Link zu einer Kurzzusammenfassung). Gerne wird von den Inhaberinen und Inhabern des Zunftbriefes die Qualität als Argument ins Feld geführt. Die sei eben nur bei jemandem gegeben, der über das Anwaltspatent verfüge. Ein (nicht aus der Luft gegriffenes) Beispiel zeigt warum das absurd ist:

Ein Jurist mit vielleicht jahrelanger Erfahrung im Familienrecht darf mich betreffend meiner Scheidung nicht vor Gericht vertreten. Eine Wirtschaftsanwältin, die vielleicht seit ihren Prüfungen überhaupt nichts mehr zu diesem Thema gelesen hat aber schon.

Wenn “Anwalt” tatsächlich etwas mit Qualität zu tun hätte, wäre die Abschottung des Marktes gar nicht nötig. Und genau das ist der ordnungspolitisch dringend nötige Schritt ins 21. Jahrhundert: Gebt uns einfachen Nichtjuristinnen die Freiheit selber zu wählen, wen wir mit der Vertretung unserer Interessen vor Gericht betrauen. Dann wird sich zeigen, inwiefern “Anwalt” tatsächlich ein Qualitätslabel darstellt. Die heutige Bevormundung verschweigt die Vielfalt der Rechtsgebiete und die alltägliche und verständliche Praxis der Anwälte, sich auf ein Gebiet zu spezialisieren. Ein Haus kaufen kann ich schliesslich auch bei wem ich will. Ein befreundeter Nocht-nicht-Anwalt meinte dazu, das Privileg sei der Preis, für den “Dienst an der Justiz”. Auch hier gilt: Garagenbesitzer, die mich auf defekte Bremsen aufmerksam machen, leisten ebenfalls einen Dienst an der Verkehrssicherheit und Hausbauer einen Dienst an der gebäudesicherheit – und trotzdem gilt dort der freie Markt. (Foto: Cappellmeister @ flickr)

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7 thoughts on “Rechtsanwälte: Das Zunftwesen lebt – staatliches Monopol inklusive

  1. Ja aber jetzt msaurer frage ich mich aber schon ein wenig, warum Sie das “sehr schön” finden, aber parallelimporte “sehr unschön” und sich für eine gesetzliche Marktabschottung zünftischen Zuschnitts in die Bresche werfen.

  2. Colombina, jetzt hast du mich auf dem Standbein erwischt. Ich hatte schon seit geraumer Zeit einen solchen Artikel vor…. Ich hatte dies hier unter Punkt 18 bereits angedeutet. Du hast natürlich absolut recht. Gartliere zum Artikel. Du siehst, es gibt sogar patentierte Anwälte, die mit Dir einverstanden sind… :-)

    (Ich frage mich grad ob wir uns kennen, da ich mit einigen Leuten in letzter Zeit über das Thema gesprochen hatte… ;-) )

  3. Pingback: Le Mont De Sisyphe

  4. Ein abolut lesenswerter Beitrag. Treffsicher argumentiert und großteils unwiderlegbar.

    Es kommt ja (in Deutschland) noch dazu, dass die ezahlung eines Anwalts gesetzlich festgelegt ist. Es ist schon sehr verwunderlich, dass ich mit einem Anwalt kein Honorar vereinbaren kann…

    Bei der Diskussion mit Betroffenen, die verständlicherweise eine Selbstalimentirung eines belibigen Berufsstandes rechtfertigen, bekomme ich immer zu hören, dass eine gewisse Aufgabe eine besonders herausragend Rolle in der Wirtschaft einnimmt…

    Die Argumentation wird meistens von den grundguten Ärzten angeführt.. Deis würden ja den Menschen in ganz besonderer WEise helfen.. Auf ewntsprechende Nachfrage meinerseits, warum da eine herausragende Rolle besteht´, da ja beispielsweise ein Bauarbeiter den Operationssaal gemauert hat, der Ingenieur die Geräte entwickelt und der Bandarbeiter diese zusammengeschraubt hat, habe ich eigentlich keine vernünftige Antwort bekommen.

    DEr Markt honoriert die Leistung und kennt keine heausragende Aufgaben irgendwelcher Art… Wieso nciht dem Markt vertrauen? Nun: Zumindest in Deutschland ist die Anzahl der Juristen in öffentlichen Ämtern und in der Politik durchaus beachtlich… Und eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.

    Wo ich eigentlich noch nicht ganz sicher bin: sollte wirklich jedem die Möglichkeit gegeben werden zu operieren. Ich bin mir nicht vollkommen sicher. Solange ich seinen Abschluss, seine Berufserfahrung usw. kenne, dürfte das ja kein Problem darstellen, oder? Unqualifizierte Anbieter würden schnell aus dem Markt verschwinden, da wohl jeder zu einem echten Arzt gehen würde. Aber da das offensichtlich der Fall ist, bräuchte man deren Markt ja auch nicht abzucshotten, oder?

  5. Diese “Verzunftung” geht in einigen Kantonen so weit, dass Anwälte welche es bis zum Regierungsrat gebracht haben, von allen erdenklichen Seiten geschützt werden obwohl sie in der Vergangenheit massgeblich an
    Straftaten beteiligt waren. Das schlimme daran ist dass die meisten Vertreter der Medien wissen es, trauen sich aber der Konsequenzen wegen nicht darüber zu berichten, sondern schweigen lieber.

    Beispiel gefällig?

    Betreff: Frauen und Gleichberechtigung
    Autor: grolim (via E-Mail antworten)
    Datum: 23.01.07 18:44:28
    Es ist doch immer wieder erstaunlich wie sich die Männerwelt aufregt, wenn endlich einmal
    jemand sagt was Sache ist. Die Tatsache, dass Frau Pegoraro derart in die Medien gezerrt wird
    liegt einzig und alleine daran, dass sie eine Frau ist. Das ausgrenzen und anprangern von Frauen
    erlebe ich jeden Tag bei meiner Arbeit in einer Basler Grosschemiefirma, und dort heisst es,
    besteht Chancengleichheit. Jetzt kann mann sich vorstellen wie es Frau Pegoraro auf dem rauhen
    Parkett der Politik gehen muss. Ich finde schade dass Mann immer gleich zu Aussagen wie,
    geplärre um die ach so diffarmierten Frau gehen einem auf den Wecker, greifen muss.
    Die Realität sieht wirklich so aus dass wir Frauen härterer Kritik ausgesetzt werden als ihr Männer.

    Ich bin überzeugt wäre der Ritter von der Gasse eine Jeanne d Arc, würde er Herrn oder Frau
    Lehmann nich auffordern sich zu erklären.

    Nichts desto Trotz verstehe ich die Anschuldigung gegen deleh nicht. Warum soll es sich hier um Diffamierung
    handeln. Es wurde bei der BAZ bereits 2002 recherchiert und publiziert dass die Familie Eymann
    in der Firma Cosco mitgemacht haben muss.

    Sie können die Artikel im BAZ Archiv aufrufen.

    Artikel Nummer: 2970 01.11.2002:
    In Kürze
    Begnadigt: Der Landrat hat einem weiteren Angeschuldigten im «Cosco»-Betrugsprozess eine
    Teilbegnadigung gewährt. Der Beklagte N. kann nun ein Jahr seiner Gefängnisstrafe von 16
    Monaten mit der elektronischen Fussfessel verbüssen, die verbleibenden vier M…

    Artikel Nummer: 2859 06.09.2002:
    Teilbegnadigung für einen «Cosco»-Betrüger
    Der Landrat hat mit grossem Mehr einem «Cosco»-Betrüger eine Teilbegnadigung gewährt.
    Der Mann habe seinem Leben eine Wende gegeben, hiess es. Das Begnadigungsgesuch eines
    Mittäters wurde einstimmig abgewiesen, weil er inzwischen weitere Straftaten begange…

    Artikel Nummer: 5403 10.08.2002
    «Cosco»-Betrüger wollen nicht hinter Gitter
    Trotz rechtskräftiger Urteile ist bis heute kein einziger Angeklagter im «Cosco»-Betrugsfall
    hinter Gitter gewandert. Während sich Raffaele Klages nach Italien abgesetzt hat, hoffen drei
    Mittäter auf eine Begnadigung. Einer davon ist indes in einen Marihua…

    Aus diesem Artikel stammt dieser interessante Absatz:

    Noch nicht befunden hat die Petitionskommission über das Begnadigungsgesuch von N.
    Wegen Gehilfenschaft zum gewerbsmässigen Betrug ist er zu einer Gefängnisstrafe von
    16 Monaten verurteilt worden. In seinem Gnadengesuch weist er auf die Einstellung des
    Strafverfahrens gegen die «Cosco»-Anwältin hin, die damals die Gattin eines bekannten
    Basler Politikers war. Dass Personen mit einer vergleichbaren Rolle nicht zur Rechenschaft
    gezogen wurden, ist auch dem Baselbieter Obergericht sauer aufgestossen. Der Vorsitzende
    sagte wörtlich: «Justitia ist manchmal allzu blind.»

    Ich denke das sagt Alles! Es scheint, dass auch hier letztendlich der Mann geschützt werden sollte.
    Ich bin fest davon überzeugt wäre Frau Eymann alleine gewesen wäre sie nach allen Regeln der Justiz
    gerichtet worden. Dies gebe ich zu bedenken.

    PS: Dem Begnadigungsgesuch von N. wurde später übrigens entsprochen.

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