Bern: Wenn Schreibtischtäter Müll fabrizieren

Da führt die Stadt Bern ein neues Abfallreglement inklusive neue Abfallverordnung ein und verpflichtet darin, dass jedes Unternehmen einen separaten Müllcontainer hat, weil der Abfall inskünftig gewogen wird. Aus der theoretisch ja guten Idee, wird bei der Umsetzung ein verwaltungstechnisches Monster: Wer die Stadt Bern kennt (oder hier lebt und arbeitet), kann es nachempfinden.
In den engen Altstadthäusern sind oft mehrere Unternehmen untergebracht. Oft handelt es sich um Dienstleister, die bekanntlich ausser Papier nicht viel Haptisches fabrizieren. Papier trennen wir schon seit Jahren – ausser vertrauliche Dokumente. In Zukunft sieht das so aus: Statt dass wöchentlich fünf kleine Müllsäcke vor der Türe stehen, sind es bald fünf grüne Container, die den bereits engen Platz draussen (Bushaltestelle) oder drinnen verstellen. Die Verschönerung des Stadt durch grüne Monster will ich mir gar nicht vorstellen.
Neben der Gebühr nach Gewicht wird auch eine “Andockgebühr” pro Entleerung (also faktisch pro Woche, wenn man den Güsel nicht in seinem Büro stapeln will) verrechnet, welche beim kleinsten 240-iter Container stolze acht Franken kostet. Wir bezahlen also für den halbvollen 17-Liter-Sack jede Woche acht Franken Grundgebühr – rund 400 Franken im Jahr – plus die Gewichtsgebühr von 35 Rappen/Kilogramm. Lustigerweise würden wir mehr als die Hälfte dieser Andockgebühr sparen, wenn wir den 17-Liter-Sack nicht in den kleinsten und teuersten Container a 240 Liter, sondern in den riesigen 800-Liter-Container werfen würden, der nämlich nur 3.50 Franken pro “Andockungsmanöver” kostet. Sollten die anderen vier Unternehmen ebenfalls auf diese glorreiche Idee kommen, stehen bei uns bald jede Woche fünf 800-Liter-Container brav aufgereiht auf dem Trottoir mit je einem 17-Liter-Sack Güsel drin und warten auf die Abfuhr. Ach ja, die Stadt bereichert sich dann auch noch bei der Einführung des Ganzen: den Container muss man bei der Stadt kaufen – wo er rund doppelt soviel kostet, wie bei einer landwirtschaftlichen Genossenschaft – nur weil er einen sogenannten Transponder zur Firmenerkennung drauf hat. Muss man noch fragen, weshalb Firmen aus Bern wegziehen?
Die ganze Übung erinnert mich an den wahnwitzigen Vorschlag von Stadtrat Tschäppät (SP) vor Jahren als Leiter dieser Direktion, man dürfe das Altpapier in der Altstadt nur noch von 11-14 Uhr auf die Strasse stellen. Heute ist dieser Stadtpräsident… (Foto: Mambo1935 @ flickr)





nef:
Wie bereits hier festgehalten:
Service Poubelle!
*pling* Wortspielkasse ;)
Ernsthaft – es ist zum heulen. Auch bei mir an meiner privaten Adresse (3011) werden sich demnächst die grünen Monster der Strasse entlang aufstellen. BRAVO!
12 März 2007, 10:11 am