Gendergerechte Schilderei aus Linz

Wer von Ihnen, geneigte Leserin, geneigter Leser weiss, was “Lares-Fachfrauen” sind? Niemand? Kein problem, ich wusste es bis heute ebenfalls nicht. Über das Projekt einer Neugestaltung des Berner Breitenrainplatzes bin ich nun aber darauf gestossen, denn dort nimmt eine “Lares-Fachfrau” Einsitz in die Jury, welche die eingereichten Projekte beurteilt. Soweit so gut. Und was machen die nun?

Also: Lares bekommt von verschiedenen staatlichen Organisationen direkt oder indirekt Geld (zum Beispiel aus dem 4.3 Millionen schweren Topf des eidg. Gleichstellungsbüros), um Frauen in Bau- und Planungsgremien zu platzieren. Dort sitzen sie dann, entscheiden und werden von der jeweiligen Bauherrschaft bezahlt. Das heisst, das Lares-Pilotprojekt ist bereits geglückt – weil eine Fachfrau in der Jury sitzt. Bravo: diese Messlatte lag aber hoch!

Ihr Projekt begründen die Damen mit der These, dass männlich geprägte Bau- und Planungsgremien nicht nachhaltig planen und bauen könnten. Der weibliche Aspekt – was immer das auch sein mag – kann gemäss den “Laretikerinnen” nicht von Männern beachtet werden (vermutlich, weil unklar ist, was er konkret behinhaltet), sondern nur von einer Frau. Wahrscheinlich ist es mir als Mann darum nicht möglich “Lares-Fachmann” zu werden.

Ich verstehe es einfach nicht. Gerade die Planung eines Platzes in einem belebten Quartier hat doch nicht nur weiblichen Gesichtspunkten zu genügen. Es gibt Dutzende von Interessen, die zu berücksichtigen sind: Menschen mit Behinderungen, ältere Personen, Kinder, Fussgänger und Autofahrerinnen, Dünne und Dicke, Erholungssucher und “Über-den-Platz-hetzerinnen”. Diese Interessen können doch berücksichtig werden, ohne dass jemand in einem Gremium mitplant oder mitentscheidet. Warum gilt das für weibliche Interessen nicht?

Dass eine private These staatlich finanziert wird, ist eine ordnungspolitisch folgenreiche Geschichte, die mittlerweile in zahlreichen anderen Bereichen Schule macht und den Freiraum der Menschen einschränkt und Bevormundung durch gut organisierte Minderheiten schafft. Ich freue mich schon auf die Einführung eines “Lares-Fachfrau-Kriteriums” bei öffentlichen Submissionen oder der “Gender-Unbedenklichkeitsprüfung” bei Bauvorhaben. Wenigstens ist die “genderspezifische Budgetinzidenzanalyse” im bernischen Grossen Rat gescheitert – auch das ein interessantes Privatanliegen, das auch privat verfolgt werden kann und soll (BZ, 7.6.07., S. 34). (Foto: pixelio)

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2 thoughts on “Bern: Lares-Fachfrauen braucht die Welt

  1. Ein nettes Beispiel. War es nicht Herr Olson, der die Stärke von Organisationen durch a)ihre thematische Klarheit und b)ihre relative Grösse beschrieben hat? Das träfe hier sicher zu.

  2. Nicht vergessen: es gibt auch noch die Großen und Kleinen! Wenn ich als Großer mir regelmäßig den Kopf zerschlage, kann ich doch wohl auch verlangen, dass meine Interessen zukünftig auch berücksichtigt werden, oder?

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