Lotteriefonds: Selbstbedienungskassen statt Gemeinnutz
Mit den Geldern der kantonalen Lotteriefonds werden vielfache “gute Zwecke” unterstützt. Die Gemeinnützigkeit der unterstützten Dinge stellt sich bei genauem Hinsehen als gut organisierte private Begehrlichkeit heraus. Ordnungspolitisch ist das problematisch. Wer wirklich etwas mit Nutzen für die Gemeinschaft tun will, müsste die Fondsgelder den kantonalen Staatsfinanzen gutschreiben – und damit Steuern senken und Schulden begleichen.
Der Beobachter (nur 14 Tage online) hat Beispiele aus verschiedenen Kantonen zusammengestellt. Die Liste:
Abwendung des Konkurses der Skisprunganlage Einsiedeln: 200’000 Franken
St. Galler Fussballstadion: 200’000 Franken
Oldtimer Boot Club Zürichsee für die Renovation eines Bootes: 45’000 Franken (im zweiten Anlauf)
Basler Mittwochs-Gesellschaft für neue Fasnachtsuniformen. 20’000 Franken
Zürcher Kantonsrat für eine neue Fahne des Ratsherrenschiessens: 7’000 Franken
Habilitation “Moskau bauen von Lenin bis Chruscev”: 3’000 Franken
“Forschungsbeitrag” (für den Beobachter ein Zückerchen bei der Niederlassung) des Unternehmens HeiQ im Aargau: 900’000 Franken
Gewerbe- und Erlebnismesse URI06: unbekannter Betrag
Reintegration ehemaliger Strassenkinder in Burundi: 30’000 Franken
Entwicklung von Sicherheits- und Schutzstrategien im Kongo: 60’000 Franken
SVP-Sektion Schüpfen für die Webseite “125. Geburtstag von Bundesrat Rudolf Minger”
Besonders die letzte Unterstützung gibt uns zu denken. Ob wir uns auch einmal in in die Reihe stellen und staatliche Unterstützung erbetteln sollen? Ich glaube in diesem Fall wären unsere Gedanken nicht mehr ganz so frei, wie sie sind. Für alle anderen privaten Interessen gilt, wie der Beobachter festhält: “Sprudle, Lotteriefonds, sprudle!”
(Foto: pixelio)






quer:
Bei der Aufzählung fehlt eigentlich nur noch “Sackhüpfen beim TSG Kleingroßmannshausen” Im Grunde ist das ein Skandal. Wenn der Staat schon Glücksspiele gestattet, dann müssen die Erträge daraus auch wirklich dem Gemeinwohl dienen.
Deutschland ist zwar in vielem beschissen, aber da funktioniert es wenigstens. Die staatlichen Lotteriegesellschaften führen Mittel für z.B. Denkmalschutz, Rettungsdienste, medizinische Forschung, usw. ab. Sowas ist sinnvoll und dem Zweck entsprechend.
10 Juli 2007, 3:21 pmAldo:
Ich finde auch die deutsche Version nicht richtig. Auch da entscheiden Bürokraten, was mit dem Geld anderer Leute zu geschehen hat.
12 Juli 2007, 10:24 amquer:
@ Aldo,
12 Juli 2007, 7:38 pmdas ist kein Grund der Ablehnung. Entscheidend ist, wohin das Geld fließt und wo der Gemeinnutz steckt.