Kinder in Afrika: brauchen sie unbedingt Staatsgelder oder ist die Hilfe von Privaten nicht auch wichtig?

Melanie Winger (korr.:Winiger) schämt sich nicht, aber der Bundesrat, der soll sich. Nun läuft die Kampagne gegen die scheinbar so geizige Schweiz, die nur 0.39% des Bruttosozialproduktes in die Entwicklungshilfe zahle, statt 0.7%, wie es die UNO in ihren sog. Millenniumszielen fordert. Und die Blogosphäre macht natürlich mit ([1],[2],[3],[4],[5],[6],[7], [8]).

Wer genau hinschaut (aber das macht Melanie Winiger offensichtlich nicht, schade eigentlich) merkt die ideologiosche Stossrichtung hinter der ach so guten und empörten Forderung. Es geht nämlich beileibe nicht um die Frage, wieviel die Schweiz als Gesellschaft zur Entwicklungshilfe beiträgt. Wie die Weltwoche in ihrer vorletzten Nummer mit Berufung auf die OECD vermeldet, stecken Private und der Staat zusammen jedes Jahr 7.5 Milliarden Franken in Entwicklungshilfe, was ganze 1.87 Prozent des Bruttosozialproduktes sind. In Schweden und Norwegen – von den Kampagnenmenschen als gesellschaftliche Lichtgestalten dargestellt, weil ihre staatliche Entwicklungshilfe die 0.7 Prozent überschreitet, kommen auf 3.5 respektive 2.8 Milliarden Franken, was nur rund ein Prozent des Volkseinkommens ausmacht.

Melanie, bitte sage mir nun: Wer ist geiziger, die Nordländer oder wie Schweizer? Jene Gesellschaft, die ein Prozent oder jene, die fast zwei Prozent zur Entwicklungshilfe beiträgt?

Der Kampagne geht es also bloss um die staatliche Entwicklungshilfe. Sie muss hoch sein – auch wenn dann vielleicht die privaten Spenden geringer sind. Kann mir mal jemand begründen, warum die staatliche Entwicklungshilfe besser sein soll, als die private? Und warum sind es ausgerechnet private Hilfswerke, die mehr staatliche Entwicklungshilfe fordern? Oder sind diese Hilfswerke vielleicht gar nicht mehr so privat? Reagieren sie etwa so auf den schwieriger werdenden Spendenmarkt, wo sie in der Öffentlichkeit vor ihren realexistierenden oder potenziellen Spendenden (und nicht nur gegenüber einem Bürolisten in der Deza) geradestehen müssen? Und warum ist Entwicklungshilfegeld moralisch besser, wenn es der Staat ausgibt, als wenn ich es als Privatperson einem Werk oder Projekt meiner Wahl zukommen lasse?

Ordnungspolitisch haben wir dafür eine Lösung: die Einprozent-Steuer.

(Foto: pixelio)

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4 thoughts on “Kampagne für ideologische Entwicklungshilfe

  1. Nicht jede staatliche Entwicklungshilfe ist ideologisch motiviert – es sei denn, rechststaatliche und demokratische Prinzipien, wie sie die Schweiz verfolgt, wollen Sie als ideologisch bezeichnen. Ihre Beobachtung betreffend dem skandinavischen und dem mitteleuropäischen Verhalten in der Entwicklungshilfe trifft zu, bedeutet aber auch, dass es den Nordländern sehr viel selbstverständlicher gilt, dem Staat die Kompetenz für sozialen Ausgleich zuzugestehen – entsprechend hoch sind die Steuern ganz allgemein, mit Zustimmung des Volkes. Dass da das private Spendenaufkommen geringer bleibt, kann nicht erstaunen.
    Störend an irgendwelchen Marken in dieser Diskussion scheint mir einfach zu sein, dass die Industriestaaten das von ihnen selbst definierte Ziel so deutlich verfehlen. Fallit geht man hier mit einer eigenen Absichtserklärung, an der kläglich gescheitert wird. Und private Initiativen sind sehr lobenswert, das Knowhow der Wirtschaft und der Industrie unabdingbar – allein, eine Koordination und damit Bündelung der Mittel wird mit der beliebigen Vielfalt der Projekte nicht erreicht.
    Hinzu kommt, dass ohne gesicherten Spendenfluss für alle NGO´s zwei Dinge viele Ressourcen binden oder sie gar nicht erst frei setzen:
    1) Die Schwierigkeit der Budgeterstellung und entsprechender Planung
    2) Die Bindung der Ressourcen im notwendigen Spendenmarketing – ein Faktor, der massgebliche Teile der Spendengelder gleich wieder bindet.
    Etwas Polemisch argumentieren Sie also schon – wobei auch ich sehr stolz bin auf die hohe Spendenbereitschaft der Schweizer Bevölkerung, wie nicht zum ersten Mal anlässlich der Tsunami-Katastrophe bewiesen.

  2. «Und die Blogosphäre macht natürlich mit». Ja, das stimmt, auch der beschwerde-Blog machte mit. Er kommentierte Winigers (nicht “Winger”) unglaubwürdiges Engagement für die Entwicklungshilfe. Wer den Beitrag wirklich liest, merkt, dass der beschwerde-Blob nicht sehr begeistert war von der 0.7 % Kampagne. Schön, dass ihr den Link gesetzt habt. Aber bitte nächstes Mal den Eintrag vor dem Verlinken zuerst genau durchlesen und dann richtig einordnen. Danke.

  3. Pingback: Vom richtigen Spenden « Ordnungspolitischer Blog

  4. Pingback: Entwicklungshilfe: Schamloses Spiel mit Armut « Ordnungspolitischer Blog

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