Alkohol und Rausch: Wenn es mehr als ein Glas zuviel wird

Wenn junge Leute sich mit harten Alkoholika in den Vollrausch saufen und nach Austritt aus dem Spital nicht gescheiter sind, dann ist das grundsätzlich ein individuelles Problem, zu dem allenfalls die Eltern oder unter der Woche die Lehrmeister etwas zu sagen haben. Kollektiviert werden hingegen (leider) die im Spital verursachten Kosten – mehr dazu weiter unten. Auch die Blogosphäre macht sich ihre Gedanken (und lehnt das Verkaufsverbot ab 21 Uhr mehrheitlich ab): [1], [2], [3], [4], [5], [6], [7], [8], [9], [10], [11], [12]

In Deutschland läuft dazu sogar eine Blog-Parade, an der wir mit diesem Beitrag gerne teilnehmen.

Wer dazu nun politisch doch etwas unternehmen will, kann das grundsätzlich auf vier verschiedene Arten tun:
Dekret: Man kann den Alkoholausschank, den Konsum oder nur schon den Besitz mittels Dekret verbieten. In diese Richtung geht – wie jede Bürokratie mit diskretionärem Spielraum – die vorgeschlagene Variante des BAG, ab 21 Uhr einfach für alle keinen Alkohol mehr über die Gasse zu verkaufen. Das ist empörungsgesteuerter und “wir-müssen-nun-einfach-etwas-machen-egal-was” Unsinn, weil es noch genügend weitere Quellen für Alkohol gibt. Das sage ich als ehemaliger Klosterschüler, der seine ersten Erfahrungen mit Samos aus dem Kühlschrank der Sakristei machte!
Demokratie: Man könnte über eine Regelung abstimmen, zum Beispiel mittels Volksinitiative für Abschaffung des Alkohols oder so, wie man es ja lange Jahre im Falle von Absinth gemacht hat (und damit die Schwarzbrennereien im Val de Travers kräftig subventionierte, wie sie heute mit verklärten Erinnerungen zugeben). Die Erfahrung mit Prohibition zeigt: Das ist ebenso Schwachsinn.
Verhandlung der Interessengruppen: Jugendverbände und BAG finden eine für alle tragbare Lösung. Ich denke kaum, dass das hier sinnvoll wäre.
Regelung über den Preis und zwar vorerst für jene, die mit ihrem Alkoholkonsum nicht umgehen können: Schicken wir doch den eingelieferten Komapatientinnen und Komapatienten die rechnung für den Spitalaufenthalt, denn es scheint schlicht zumutbar hier die KVG-Solidarität ausser Kraft zu setzen. Wer sich mit Achtzigprozentigem vollaufen lässt (da ist Samos wahrhaft heilig dagegen), kann heute nicht mehr sagen, er habe die Folgen nicht abschätzen gekonnt. Es hat nichts mit Solidarität zu tun, wenn die Allgemeinheit irgendwem den mutwillig verursachten Krankenhausaufenthalt zu Nachttarifen bezahlt. Ordnungspolitisch würde man einen separaten Versicherungsclub der Rauschtrinkenden schaffen, wie es CVP-Nationalrätin Ruth Humbel für andere bewusste Selbstschädigungen der Gesundheit vorgeschlagen hat (Link zu unserem Artikel). Vielleicht entsteht dann ja noch eine entsprechende Zusatzversicherung. Ich bin fast sicher, dass das nützt. Nur wenn nicht, könnte an eine Erhöhung der Alkoholsteuer und damit die Bestrafung der Mehrheit der “Kontrolliert-Trinker” gedacht werden – staatsquotenneutral versteht sich.

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One thought on “Gegen das Rauschtrinken von Jugendlichen vorgehen

  1. Pingback: Blog-Parade: Komasaufen - Wie schlimm steht es um unsere Jugend? « Frank Lloyd

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