Bücher, Lernen, Studium: Wer finanziert wessen Profit?

Die Mitglieder der Rektorenkonferenz sind sich einig. Die Studiengebühen sollen in der Schweiz stark steigen. Das berichtete die NZZ am Sonntag am 9. September (S. 15). Der Gründungsrektor der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (Fachhochschule) Werner Inderbitzin sprach aus, was gemäss dem Präsidenten der Rektorenkonferenz der Schweizer Universitäten auch die Meinung der anderen Rektoren ist: Ein Studium ist nicht nur Konsumgut, sondern auch Investitionsgut. Die Semestergebühren seien auf bis zu 5’000 Franken zu erhöhen. Zitat aus der NZZ:

Der Rektor (Inderbitzin, Anm. Dottore) erachtet das gegenwärtige System als ungerecht. Jeder Steuerzahlre bezahle für die Hochschulen – egal ob seine Kinder von ihnen profitierten.

Fakt ist, dass bei der Hochschulfinanzierung gutsituierten jungen Menschen die Investition in ihr Wissen subventioniert wird, womit sie danach einen höheren Lohn erzielen. Eigentlich müsste das von Links als stossende “Umverteilung von unten nach oben” bezeichnet werden. Ordnungspolitisch geht es schlicht um einen Verstoss gegen das Äquivalenzprinzip: Wer von einer staatlichen leistung profitiert, soll diese auch finanziell tragen. Hier: Wer von der Ausbildung an den Universitäten später mit höherem Lohn profitiert, soll diese Investition auch selber aufbringen, zum Beispiel mittels Darlehen, wie auch Inderbitzin ausführt. Die höheren Studiengebühren müssen aber sinnvollerweise die heutigen kantonalen Beiträge an die Universitäten verringern oder ganz ersetzen, denn nur dann wird das Äquivalenzprinzip staatsquotenneutral wieder eingeführt und es resultiert ein tieferer Steuerbetrag. Für jene, die keine Uni besuchen bedeutet das: Mehr netto von ihrem erarbeiteten Lohn.

Auch in Grossbritannien will man die so schon sehr viel höheren Studiengebühren noch einmal verdoppeln (Link), und auch AvenirSuisse sieht in einem Studium eine Investition, welche grundsätzlich vom profitierenden Individuum zu leisten ist (Link). Links in der Blogosphäre: Zeter und Mordio ohne inhaltliches “de quoi s’agit-il?” von Frau Imobersteg, und ein Beitrag in der Storybox. (Foto: pixelio)

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7 thoughts on “Studiengebühren erhöhen, weil studieren Mehrwert bringt

  1. Fakt ist, dass bei der Hochschulfinanzierung gutsituierten jungen Menschen die Investition in ihr Wissen subventioniert wird, womit sie danach einen höheren Lohn erzielen.

    Fakt ist, dass ein Studium nicht zu einem höheren Lohn führt, jedenfalls nicht im Bezug auf das gesamte Arbeitsleben.

    Wer von einer staatlichen leistung profitiert, soll diese auch finanziell tragen.

    Ja, beispielsweise mit den Einkommens- und sonstigen Steuern nach dem Studium?

    Wer von der Ausbildung an den Universitäten später mit höherem Lohn profitiert, soll diese Investition auch selber aufbringen, zum Beispiel mittels Darlehen, wie auch Inderbitzin ausführt.

    Höhere Bildung definitiv nur noch für Reiche?

    Die höheren Studiengebühren müssen aber sinnvollerweise die heutigen kantonalen Beiträge an die Universitäten verringern oder ganz ersetzen, denn nur dann wird das Äquivalenzprinzip staatsquotenneutral wieder eingeführt und es resultiert ein tieferer Steuerbetrag.

    Ach so, der Föderalismus soll nun auch in diesem Bereich noch beschränkt werden? Wieso nicht gleich überall in der EG einheitlich hohe Studiengebühren? Ordnungspolitik ja, Wettbewerb nein… toll! :->

    Für jene, die keine Uni besuchen bedeutet das: Mehr netto von ihrem erarbeiteten Lohn.

    Kaum, wieso sollten deswegen die Steuern senken? Die Schweizer Politik ist bekanntlich gar nicht in der Lage zu sparen.

    Und wer keine Universität besucht, beansprucht sonstige staatliche Leistungen, die bislang von der Allgemeinheit bezahlt wurden. Nach dem von Dir hochgelobten Äquivalenzprinzip werden all diese Leistungen in Zukunft auch direkt verrechnet, nicht?

    P.S.: Dein Spamschutz ist auch fehlerhaft: zehn + fünf ergibt fünfzehn, nicht 15!

  2. Sehr geehrter Dottore

    Das Thema ist komplexer als es uns avenir suisse zu verstehen gibt. Will man aus tertiärer Bildung ein privates Gut machen (was es heute per Definition der BV nicht ist), dann mag die Argumentation in theoretischem Rahmen Sinn machen. Leider blendet Avenir Suisse die realpolitischen Umstände der Schweiz in den Überlgegungen aus.

    Und bevor man mir weiter inhaltsleeres Zeter und Mordio vorwirft, empfehle ich gerne einen längeren Beitrag auf meinem Blog zum Thema: Studiengebühren erhöhen = Lohnsenkungen für Alle? http://www.rahel-imobersteg.ch/?p=191

    Viel Vergnügen beim Lesen!

    Rahel Imobersteg

  3. Ich habe immer Verständnis, wenn jene, die heute mit der Giesskanne ohne Nachweis der Notwendigkeit Mittel aus der allgemeinen Staatskasse erhalten dies auch in Zukunft wünschen und es mit zum Teil hanebüchenen Verdrehungen oder Behauptungen (Hr. Kuhn) verteidigen. Die Frage ist einfach die: Ist es solidarisch, wenn das Studium eines Millionärssohns mittels Steuergeldern subventioniert wird? Ist das die Solidarität, die wir brauchen? Darlehen sorgen dafür, dass nicht nur reiche Leute studieren können.

    Wer Studium als Investitionsgut sieht, macht daraus noch längst kein privates Gut. Vom Äquivalenzprinzip kann (und muss) meiner Meinung nach auch abgewichen werden, aber nur in bestimmten Fällen von Notlagen und darum selbstredend nicht mit der Giesskanne.

  4. Man kann es drehen, wie man will. Wenn höhere Bildung für alle billig ist, profitieren vor allem jene, die es nicht nötig haben. Im Bildungssystem findet eine Umverteilung von unten nach Oben statt. Dass ausgerechnet linke Kreise diesen Transfer verteidigen, lässt tief blicken.

  5. Ich halte die Erhöhung der Studiengebühren für eine durchaus sinnvolle Massnahme – die Argumentation weist aber Lücken auf.

    Zu Argumentieren “Studenten verdienen später mehr und sollen jetzt mehr bezahlen” ist meines Erachtens ebenfalls falsch. Soll man denn den Fachhochschülern höhere Gebühren aufzwingen, da sie nach Abschluss mehr verdienen als Uniabgänger?
    Besser wäre zu sagen, dass man einfach für eine Leistung, die man in Anspruch nimmt, aufkommen soll. Als Student nutze ich eine hervorragende Infrastruktur, die anderen nicht offen steht – bezahle aber dennoch nur sehr wenig. Das ist zwar cool für mich, aber für die Steuerzahler unfair.
    Das Argument, dass sich dann nur noch reiche eine Universitäre Bildung leisten können, ist aber auch nicht richtig: es gibt bereits heute die Möglichkeit, zinsfreie Darlehen aufzunehmen und diese nach Abschluss zurück zu zahlen. Man müsste dieses System nur noch ausbauen.
    Denkbar wäre auch eine Lösung wie in den USA: Studiengebühren von, sagen wir, 15.000 Franken pro Semester – aber höchstens 10 Prozent des Jahreseinkommens einer Familie. So hätten alle Zugang zu den Universitäten und die Oberschicht würde die Bildung der Talente aus ärmeren Schichten fördern.

    Was ich mir davon erhoffe:
    Die Universitäten hätten mehr Mittel zu Verfügung und müssten sich nicht nur gegenüber den Politikern, sondern noch stärker gegenüber den Studenten rechtfertigen. Derzeit verhindert Geldmangel das Vorstossen der schweizerischen Universitäten an die vordere Weltspitze – das Betreuungsverhältnis ist einfach zu schlecht. Wenn in Harvard 7 Studenten auf einen Dozenten kommen, es bei uns jedoch deren 50 sind, kann die Betreuung selbstverständlich nicht so eng erfolgen.

    Wie Studenten dennoch sparen können:
    Beispielsweise durch Studentenwohnheime! Derzeit müssen wir immer in WGs leben und dort horrende Mieten bezahlen. Ein kleines Zimmer in einem Studentenwohnheim wäre viel günstiger (Skaleneffekte)- existiert aber bei uns fast nicht. Alleine hier liessen sich als Student so um die 3000 bis 4000 Franken pro Jahr einsparen…

    Auch beim Essen sieht es ähnlich aus: verglichen mit dem Ausland sind unsere Mensen sündhaft teuer. Auch hier bestünde Einsparpotential. Dies dürfte jedoch nicht ganz so einfach zu realisieren sein.

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