Archive for 2008

So macht man Krise


Habe gerade den Artikel hier von Philipp Löpfe im Tages-Anzeiger gelesen. Bravo. So macht man Krise. Statt mit einer gewissen Abgeklärtheit genau hinzusehen, wird billig Panik gemacht. Ein Beispiel gefällig? Da schreibt der Journalist, die Wirtschaft sei in den USA um 5 Prozent geschrumpft. Was schrumpfte da genau im Verhältnis zu was? Das Wachstum im Vergleich mit den Vorjahren? Oder das Wachstum überhaupt? Die genauen Zahlen gibt es zum Beispiel hier.

Und der Abschnitt weiter unten zeigt, das er sich auch bei Milton Friedman nicht wirklich auskennt, ich zitiere:

«Für den Begründer des Monetarismus, Milton Friedman, sind Depressionen eine Folge eines Fehlverhaltens der Notenbanken. In den dreissiger Jahren hat das US-Fed viel zu wenig Geld in die kollabierenden Finanzmärkte gepumpt. Diesen Vorwurf kann man Ben Bernanke, dem aktuellen Fed-Präsidenten weiss Gott nicht machen.»

Nein diesen Vorwurf kann man Herrn Bernanke nicht machen. Das ist grundsätzlich nicht falsch, denn gemäss Friedman war die Depression wesentlich eine Liquiditätskrise. Die Geldmenge sank vor Ausbruch der Krise um 30%, wie man hier lesen kann.

Nun aber so zu tun, als ob eine Ausweitung der Geldmenge heute Friedmans Lösung gewesen wäre, ist schlicht und einfach Leichenschändung und zeigt, dass Löpfe vom Monetarismus nur eine oberflächliche, respektive gar keine Ahnung hat. Diese heutige Finanzkrise ist beileibe keine Liquiditätskrise, sondern vielmehr eine Geld(über)schwemmungskrise.

Diese Meinung teilt auch eine der grossen alten Damen in der Gilde der Ökonomie: Anna Schwartz. Sie hat mit Friedman «Monetary History of the United States, 1867-1960» verfasst, die auch heute noch gültige Studie über die Geldpolitik in den USA. Für sie ist klar, dass mit noch mehr Geld das Problem des zu vielen Geldes und unklarer Risiken in Bilanzen nicht gelöst werden kann. Sehr schön ist das hier

zu lesen.

So und nun wünsche ich allen Leserinnen und Lesern schöne Festtage und einen guten Start ins neue Jahr.

Finanzkrise: Mit Wodka gegen Alkoholsucht


Die Finanzkrise ist eine Geldmengenkrise. Das zeigt Michael von Prollius in einem lesenswerten Zwischenruf auf der Webseite der Hayek-Gesellschaft auf (Link). Das Problem der zu grossen Geldmenge nun mit noch mehr Geld kurieren zu wollen ist falsch:

Das Staatshandeln lässt sich mit einem Alkoholieferanten vergleichen: Zuerst haben die Zentralbanken, allen voran die Fed, zu einer Wodka-Party eingeladen. Am nächsten Morgen kommt für die betrunkenen Finanzinstitute der Kater, der auf übermäßigen Alkoholkonsum unweigerlich folgende Abbauprozess. Nun zeigen die Regierungen mit dem Finger auf die ausnüchternden Finanzinstitute und bieten ihnen zur Regeneration gleich flaschenweise Wodka an.

Finanzkrise: Jetzt machen auch wir Schweizer mit


Musste das sein? Der ordnungspolitische Sündenfall ist perfekt – wenn auch auf den ersten Blick cleverer und besser als in zahlreichen anderen Staaten.

Der Unterschied zwischen Kapitalismus und Sozialismus anhand eines Eintopfes


Selten habe ich so klar und anschaulich den Unterschied zwischen subjektiver Wertlehre und “Arbeitswertlehre” serviert bekommen. Michael Kastner kocht auf der Achse des Guten (Link) für uns ein deftiges Mittagmahl (Link). Nach vier Töpfen Eintopf folgt das Fazit:

Um es ganz vereinfacht zu sagen: der Unterschied zwischen Kapitalismus und Sozialismus besteht darin, daß im Kapitalismus der Verbraucher oder Konsument das Maß aller Dinge ist, während im Sozialismus die Arbeit und damit die Produktion zur bestimmenden Größe wird.

Mahlzeit!

Zwiebelthrips und die Relevanz in der Kommunikation


Zwiebelthrips
Kommuniziert wird, was relevant ist. So die erprobte Regel. Beim Bundesamt für Landwirtschaft scheint man diesbezüglich ganz besondere Ansichten zu pflegen. Die absolut relevante Bundesmeldung von gestern: “Zwiebelthrips ist nicht gleich Zwiebelthrips” (Link). Hätten wir wirklich nicht gedacht…. *immer noch kopfschüttel*

Folge der Finanzkrise: Notenbanken privatisieren


Banknote der Badischen Bank
Vor mehr als einem Jahr erschien auf Freilich ein hervorragender Artikel (Link), den es angesichts der jüngsten Entwicklungen im Finanzsektor wieder neu zu besprechen (und zu verlinken) gilt. Mit zahlreichen guten Links steuert Christian Hoffmann auf seine These zu,

dass die staatlichen Zentralbänker nicht die Lösung des internationalen Finanzproblems sind, sondern seine Verursacher.

Die sich dann entwickelnde Diskussion war sehr interessant. Es ist zwar vermutlich müssig, nun wirklich die Privatisierung der Notenbanken anzustreben. Es ist ebenso fragwürdig, einfach auf den Kollaps des Systems zu hoffen, wie das Robert Nefs Freunde scheinbar tun. Wichtig und entscheidend ist es aber, auf die fragwürdigen Praktiken der Notenbanken hinzuweisen und ihre Mitverantwortung an Krisen festzuhalten. Fakt ist – wie Christian schreibt:

Geld ist eine Ware, wie jede andere auch.

Warum also nicht? Die Privatisierung der Notenbanken scheint attraktiv, weil die Versuchung bei privaten in direkter Konkurrenz stehenden Notenbanken mittels Geldproduktion Probleme aus der Welt zu “schwemmen” deutlich geringer sein dürften. Die Privatisierung schüfe neue Exit-Options für uns Notenbank-Kunden. Inflationäre Tendenzen bei einer privaten Notenbank würden rascher durchgreifen, Vertrauen wäre unwiederbringlich verloren und betroffen wären nicht nur jene, die solche Banknoten hätten, sondern rasch auch die privaten Notenbanker selber.

Wir brauchen diese Überlegungen. Heute mehr als vor einem Jahr. Thomas Polleit (Link) zitiert Mises:

There is no means of avoiding the final collapse of a boom brought about by credit expansion. The alternative is only whether the crisis should come sooner as the result of a voluntary abandonment of further credit expansion, or later as a final and total catastrophe of the currency system involved.

(Bilder: Privatbanknoten, die kein gesetzliches Zahlungsmittel waren, Quelle)

Banknote der Sächsischen Bank

Finanzkrise: Sind 700 Mia viel oder wenig?


Der Zytgloggeturm in bern hat auch schon

In den USA müssen die Steuerzahler 700 Mia. einschiessen, um faule Kredite zu retten. ist das viel? Nein. es hat schon grössere Löcher zum Stopfen gegeben. Sie fragen wo? Nicht weit von hier: in Bern!

1991 schlug die Immobilienkrise ein milliardenschweres Loch in die Berner Kantonalbank (BEKB), dass der Kanton 3.5 Mia. Franken einschiessen musste. Pro Person macht das 3664 Franken. Die 700 Mia. in den USA kosten umgerechnet “nur” 2525 Franken pro Person. Die Berner Steuerzahler wurden um 46 Prozent mehr gerupft als die US-Bürger. Für US-Verhältnisse ist die Finanzkrise also gar nicht so schlimm, respektive bloss eine Korrektur des Marktes. (Foto: memephoto @ pixelio)

Finanzkrise korrigiert Staatsversagen


Wallstreet mit 100%-Verlust? Wegen Staatsversagen…

Landauf und landab predigen die vereinigten Etatisten nun, dass die Finanzkrise zeige, wie der Markt eben doch nicht alles regeln könne. Man sehe nun wieder, wohin der “entfesselte Kapitalismus” führe. Auch in der Blogosphäre gibt es unterschiedliche Meinungen ([1][2][3][4][5][6][7][9]). Diese Predigt hält einer genauen Analyse nicht stand. Wer genau hinschaut, erkennt die wahren Gründe: Die Anreize zu einem Hypothekenboom wurden seitens des amerikanischen Staates gesetzt. Das Institut für unternehmerische Freiheit zeigt, dass die Krise nichts mit unternehmerischem Versagen, sondern mit falschen Staatseingriffen zu tun hat. Wer nun noch mehr Regulierung fordert, soll zumindest so ehrlich sein und begründen, warum die sehr weitreichenden bestehenden Regulierungen denn nichts genützt haben und warum mehr vom gleichen denn noch etwas bringen soll. Die Gründe für die Finanzkrise:

1. Politik des billigen Geldes der amerikanischen Notenbank
2. Staatliche Wohnbauförderung mit staatlichen Trusts Freddie und Fannie
3. Überregulierung des Finanzsektors

Wir haben es mit einer Marktkorrektur gegen dieses Staatsversagen zu tun. Die Politik ist drauf und dran, die genau gleichen Fehler wieder zu machen. Pax, Gaudium, Placenta ovorum! (IUF-Newsletter via Arlesheim reloaded, Foto: Geralt @ pixelio)

Aktienrecht: Wenn der Staat Unternehmen abwürgt


Der Papierberg wird immer grösser - zu gross für 300′000 Familienunternehmen

Für viele Liberale ist Alt-Bundesrat Blocher immer noch eine Art Messias und die Abwahl im letzen Dezember dessen Kreuzigung. Wer genauer hinschaut, sieht jedoch einen Magistraten der in zahlreichen Bereichen ordnungspolitischen Fehlentwicklungen und staatlichen Interventionen Vorschub geleistet hat. Nein, ich spreche nicht von der schützenden Hand über den absurden Landwistrchaftssubventionen und dem bäuerlichen Heimatschutz auf Kosten von 97 Prozent der Menschen in diesem Land. Nein ich meine nicht die Verhinderung von Freihandel.

Ich meine eine ursprünglich und vollständig in Blochers Departement ausgearbeitete Vorlage: Die Revision des Aktienrechts (Link). Dank einem Beitrag eines Familienunternehmers in der NZZ (Link) ist die absurde staatliche Gleichmacherei im vorgeschlagenen neuen Aktienrecht publik geworden. Zwischen rund 1’000 börsenkotierten oder internationalen Unternehmen mit breit gestreutem Kapital und 300’000 Familienunternehmen, die mit eigenem Geld wirtschaften und gerade dank vorsichtiger Rechnungslegung auch in schwierigen Zeiten Arbeitsplätze erhalten macht der Bundesrat keinen Unterschied. Hinzu kommt, dass staatliche Rechnungslegungsnormen sowieso fragwürdig sind, wenn sie über einen Minimalstandard hinausgehen. Der Staat mischt sich auch hier in einen Bereich ein, in dem es ihn nicht braucht. Warum? Zitat aus dem Artikel:

Will der Familienunternehmer gute Kreditkonditionen, benötigt er ein gutes Rating, wofür einwandfreie Buchführung und Transparenz schaffende Berichterstattung unerlässlich sind. Der Markt funktioniert effizienter und rascher als staatliche Regelungen.

So funktioniert Marktwirtschaft. Dass sich die Treuhandbranche mittels eigener Stiftung und auf dem Umweg über neue Gesetze zusätzliche Aufgaben zuteilt, mag rational sein. Ordnungspolitisch ist es ein grober Fehler. Ein ordnungspolitischer Messias hätte das von Anfang an unterbunden. Vielleicht macht das ja nun jemand im Parlament… (Foto: RainerSturm @ pixelio)

Freie Schulwahl: CVP verpasst Chance


Auch bei der Bildungspolitik ist Denken erwünscht

Die CVP spricht sich gegen die freie Schulwahl aus. Nach einer unsachlichen Ansprache des Aargauer Bildungsdirektors Rainer Huber verabschiedete die Delegiertenversammlung ohne Diskussion ein Positionspapier, welches sich gegen die freie Schulwahl und für das staatliche Bildungsmonopol einsetzt. Nur schon die Auswahl des Referenten ist tendenziös – zu vergleichen wäre das mit der Frage an den Post-Chef, ob er denn Freude an Streichung des Briefmonopols hätte. Bildungsdirektor Huber argumentiert – wie oft wenn es ordnungspolitisch problematisch wird, mit dem hehren Ziel der Volksschule.

Die Volksschule hat die gemeinsame Förderung aller Kinder unabhängig ihrer sozialen, kulturellen oder religiösen Herkunft zum Ziel. Dieser auch staatspolitisch bedeutende Grundsatz ginge mit der freien Schulwahl verloren.

Statt vom Zustand, einer heute seggregierten, ideologisierten, überstandardisierten und mangels Konkurrenz nicht bedürfnisgerechten Schule auszugehen, glaubt Huber, das schöne Ziel sei Grund genug, am Staatsmonopol festzuhalten. Das Ziel ist in Ordnung, aber es sagt nichts aus über den Weg dahin.

Interessant ist, dass die CVP im Positionspapier dann doch die Analyse teilt, dass die Startchancen heute vom Elternhaus abhängig seien. Trotzdem fordert sie mehr Staat und weniger Selbstverantwortung der Menschen. Sie befürchtet ausgerechnet eine Zweiklassenbildung, wenn die freie Wahl möglich würde und übersieht, dass gerade das heutige System Zweiklassenbildung fördert: Hier die Wohlhabenden, die ihre Kinder in eine Privatschule schicken oder durch Umzug eine andere Schule wählen, dort alle anderen, denen keine Wahl bleibt. Das heutige System produziert förmlich soganannte “bildungsferne Schichten”, die es vorgibt zu schützen. Die CVP hat eine grosse Chance verpasst, ein Thema zurückzuerobern, bei dem sie einst führend war. Die alten CVP-Vordenker hätten das gewusst – sie haben meist selber von freier Schulwahl profitiert… (Bild: Gerd Altmann @ pixelio)

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