Anreize statt Moral: Blutspenden gegen Geld


Blutbeutel, bereit für die Spende
Wieder einmal ruft das Schweizerische Rote Kreuz zu vermehrtem Blutspenden auf, weil über die Festtage die Reserven knapp geworden seien (Link). Ich bin bekennender Blutspender und lasse mich telefonisch alle drei Monate zu einem Termin auffordern. Diese Sache ist eine gute Sache – zweifellos. Viele potenzielle Spenderinnen und Spender fehlt der kleine “Schupf” zum Gang ins Blutspendezentrum. Die regelmässige Knappheit wäre ganz einfach zu überwinden: mit einem finanziellen Anreiz. Das SRK erhält von den Bezügern Geld für die Blutkonserven. Alles also ganz normal. Warum soll ausgerechnet die Spenderin und der Spender nichts erhalten? Es sind vorgeschobene ideologische Gründe, die eine finanzielle Abgeltung hierzulande zum Tabu machen (nicht einmal die Medien getrauen sich, diese Frage aufzuwerfen).

Erst wenn auch die Blutspende einen Preis hat, wird die Knappheit an Blut exakt abgebildet und die Information über den dringenden Bedarf effizient und breit kommuniziert. Das ist einer der wesentlichsten Aufgaben eines Preises. Hinzu kommt, dass mit einer Entschädigung die Nicht-Blutspendenden via Krankenversicherungsprämien die Blutspendenden finanzieren. Man kann weiterhin auf finanzielle Anreize verzichten und sich moralisch gut fühlend auf den Standpunkt stellen, nur eine Gratisspende sei eine gute Spende. Nur sollte diese gesinnungsethische Haltung die Augen vor den Folgen nicht verschliessen und die Verantwortung für den Mangel an Blut selber übernehmen, statt jammernd an die Medien zu gelangen. (Foto: Bernardo Peters-Velasquez @ pixelio)

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5 Kommentare

  1. Sisyphos:

    I couldn’t agree more.

  2. Ango:

    Jammern ist einfacher

  3. mousseman:

    Und jammern ist auch billiger, insbesondere wenn man dann gewisse Blutbestandteile vergolden und ins Ausland verkaufen kann, und die ausländischen Hersteller dann das Zeug – zu einen sehr deftigen Preis, wieder in die Schweiz verkaufen, und der Steuerzahler alle Enden refinanzieren hilft.

    Für Geld wäre ich allerdings nicht zur Ader zu lassen. Allerdings sollte man Blutspender als Organempfänger prioritär auf die Liste tun, wenn sie während 10 Jahren sich alle 3 Monate haben abzapfen lassen.

    Oder sie kriegen z.B. Parkkarte für sämtliche blauen Zonen einer Schweizer Stadt, z.B. ihrem Arbeitsort. Das kostet aber wieder, und dann wird wieder geheult, bis sich die Balken biegen.

  4. rittiner & gomez:

    es gibt länder, wo für blutspenden gezahlt wird, oder wo blut bei bedarf, von patienten die selber nicht spendeten bezahlt werden muss.

    funktioniert meistens noch schlechter, da jeder glaubt er könne es über seinen geldbeutel regeln.

  5. Sisyphos:

    Ich lese grad Rothbard der für einen freien Kindermarkt (!) eintritt. Dabei verwendet er ähnliche Argumente (etwa die durch das staatliche Adoptionssystem und durch die Preisverzerrung künstliche Angebotsknappheit). Ich frag mich nur, ist da für mich eine instinktive Grenze erreicht? Irgendwie fehlt mir der Mut hier weiterzudenken.

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