Die Komplexität der Revision nimmt zu, zum Vorteil der Revisionsgesellschaften
Der Stefan nennt sie “liberal-düdelnde” und meint damit, dass sie sich unternehmerisch, wirtschaftlich, bürgerlich und liberal geben aber es bei genauem Hinsehen nicht sind. Neustes Beispiel sind die grossen Treunhandgesellschaften. Ansatzpunkt ist das Risikomanagement bei Unternehmen. Seit 1. Januar 2008 stehen folgende beiden Absätze im Obligationenrecht:

Art. 663b OR (revidiert): Der Anhang enthält: (…) 12. Angaben über die Durchführung einer Risikobeurteilung; (…)
Art. 728a OR (neu): Die Revisionsstelle prüft, ob: (…) 3. Ein internes Kontrollsystem existiert.

Wer jetzt meint, das würde in obigem Wortsinn schlank und unternehmerfreundlich umgesetzt, der täuscht sich. Die grossen Revisionsgesellschaften machen aus diesen kleinen Veränderungen in der Revisionsgesetzgebung bürokratische Monster für ihre Kunden und Millionen an Umsatz für sich. Risiken eignen sich wunderbar für administrative Massnahmen, weil jede Massnahme nach einer weiteren ruft. Erste Vorschläge sehen die lückenlose Dokumentierung jedes einzelnen Schrittes im Produktionsprozesses und die Risikoabklärung jedes einzelnen dieser Schritte vor. Die Folgen:

1. Auf Beratung angewiesen sind alle Unternehmen, auch jene, die nicht unter die Revisionspflicht fallen oder bei denen unklar ist, ob sie die Kriterien für die Revisionspflicht erfüllen. Das bringt Kunden.
2. Die Treuhand-Kammer und der Verband der Schweizerischen Treuhänder haben die Gelegenheit ergriffen, und für die Umsetzung dieser Bestimmungen Mindeststandards festgelegt. Natürlich nicht schlanke und unternehmerfreundliche, sondern monströse, welche zusätzliche Kosten und zusätzlichen Umsatz bei den Revisionsstellen verursachen. Da die Mitgliedschaft in den Standesorganisationen quasi Pflicht ist, dürfte der marktwirtchaftliche Effekt der Konkurrenz nicht spielen. Es ist nicht zu erwarten, dass eine Treuhandgesellschaft ausschert und ihren Kunden etwas auf ihre Bedürfnisse Angepasstes anbietet. Die Zünfte haben den Markt voll im Griff.
3. Besondere Probleme ergeben sich für Firmen, die an Innovationen arbeiten und vielleicht während Jahren keine Einnahmen haben (weil sie nichts verkaufen), sondern vom Kapital ihrer Geldgeber leben.

Unternehmenskapital ist in der Regel privates Geld. Bei funktionierender Aktionärsdemokratie wäre es einfach, ein Risikomanagement zu fordern und einzuführen. Vor allem bleibt den Investoren in einem freien Kapitalmarkt immer noch die Exit-Option. Wem das Geschäft zu heiss, oder das Risikomanagement zu schwach erscheint, der kann gehen. Es gibt keinen Grund, hier staatliche Rahmenbedingungen zu setzen, die dann noch von einer Zunft völlig überzogen umgesetzt wird. Gibt es (zum Beispiel neu gewählte) liberal denkende Parlamentsmitglieder, die solchen schleichenden Prozessen systematisch mit der notwendigen Unbefangenheit auf der Spur gehen wollen? Wir wüssten über mehr zu berichten…

(Foto: Paul-Georg Meister @ pixelio)

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One thought on “Revisionsrecht: Wie sich Treuhandgesellschaften Umsatz verschaffen

  1. Ja, da schaffen und erhalten sich gewisse in der Tat ihren eigenen Markt. Berater und Kunden haben längst nicht immer dieselben Interessen.

    Was mich stutzig macht ist die Wahl deiner Tags. Täusche ich mich oder fand da schon eine Vorselektion gewisser Unternehmen statt…..?

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