Arbeitsloser Clown wirbt für sein Comeback
Das genaue Hinsehen lohnt sich. Auch jene, die sich ausgiebig für solidarisch erklären, sind Nutzenmaximierer. In Deutschland erlebt man gerade, welche Folgen Mindestlöhne haben, wenn sie nicht hinreichend durch entsprechende Produktivität abgesichert sind. Die Folgen für jene, die einen Einstieg in die Arbeitswelt suchen, sind katastrophal. Genau hingesehen hat auch Milton Friedman (Kapitalismus und Freiheit, S. 154)

Die Einkommenserhöhung der einen stellt andere auf die Strasse. Aber damit nicht genug. Weil plötzlich mehr Leute eine Stelle suchen, bedeutet der höhere Lohn für die einen, schlechterer Zahltag für die anderen. Jede Preiserhöhung hat einen geringeren Absatz zur Folge – das stimmt auch bei Arbeitskräften. Das Lohnniveau gewerkschaftlich stark organisierter Branchen steigt also quasi auf Kosten anderer Wirtschaftszweige. Da Gewerkschaften eher die besser bezahlten Arbeitnehmenden vereinen, sorgen sie indirekt dafür, dass jene mit bereits guten Löhnen noch mehr erhalten, und die anderen zu noch tieferen Löhnen Arbeit suchen müssen. Wenn zum Beispiel Hausarbeit schlecht bezahlt wird, hat das (auch) damit zu tun, dass diese Menschen den Einstieg in besser bezahlte Branchen nicht schaffen. Milton Friedman meint dazu:

Die Gewerkschaften haben daher nicht nur der Gesamtheit der Arbeitnehmer geschadet, indem sie das Gleichgewicht auf dem Arbeitsmarkt störten, sondern sie trugen auch dazu bei, die Einkommensverteilung der Arbeitenden durch verminderung der Möglichkeiten für die am stärksten benachteiligten Arbeiten ungünstiger zu gestalten.

Sind nun Gewerkschaften böse, unmoralisch und unsozial? Der ordnungspolitische Denkansatz enthält sich moralischer Abkanzelungen. Die Mechanismen und die Folgen von Anreizen aufzeigen, genügt vollauf. Die Mechanismen sind an sich völlig wertneutral. Wer ordnungspolitisch denkt, entwickelt politische Lösungen, welche diese Mechanismen berücksichtigen.

(Foto: Thomas Max Müller @ pixelio)

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12 Gedanken zu „Gewerkschaften: die Folgen für die Menschen

  1. Dieses sorgfältige Denken ist eben viel zu wenig verbreitet. Entscheidend ist die Aussage, dass auch Gewerkschaften Nutzenmaximierer sind und sich keineswegs „sozial“ verhalten – wie immer man das auch definieren will.

  2. Un juste retour de lien, d’un Blog à l’autre, on appelle cela la réciprocité aimable et polie. Cette politesse qui est galvaudée de nos jours. Faisons de la résistance, les bonnes manières, la civilité qui fait défaut alors qu’elle arrange bien des aspects de la vie de chaque jour vers la fraternité…
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    A fair return link, a Blog to another, it’s called reciprocity friendly and polite. This politeness is hackneyed today. Let the resistance, good manners, civility is lacking when it arranges many aspects of daily life to the brotherhood… http://tritz.org/blog/
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    Eine angemessene Rendite Link, ein Blog zu einem anderen, so heißt Gegenseitigkeit freundlich und höflich. Diese Höflichkeit ist heute abgedroschen. Lassen Sie den Widerstand, gute Umgangsformen, Höflichkeit fehlt, wenn sie ordnet viele Aspekte des täglichen Lebens auf die Brüderlichkeit… http://tritz.org/blog/

  3. Ich frage mich ob Gewerkschaften wirklich dafür sorgen dass einige privilegierte mehr Lohn erhalten. Das schaffen sie erst dann wirksam, wenn nebst Mindestlöhnen nebst einegschränkter Personenfreizügigkeit Einstellunsgzwang herrscht. Solange dies aber noch nicht der Fall ist wird v.a. Arbeitslosigkeit faktisch staatlich verordnet. Wenn z.B. die Tomatenpreise künstlich (d.h. staatlich) auf einem überhöhten Niveau gehalten würden, hätte dies zunächst zur Folge dass weniger Tomaten gekauft würden oder aber aus dem billigen Ausland importiert würden. Erst „flankierende“ Massnahmen wie Kaufzwang (hallo Billag) oder aber Abschottung (Importzölle) machen die Massnahem im wahrsten Sinne total. Wirksam gerupft wird dann der Nachfrager der Leistung (Konsument, Arbeitgeber) sowie effizientere Konkurrenten.

  4. Die Zusammenhänge sind für unternehmerisch denkende Leute eigentlich klar. Nur gibt es von denen so wenige. Volkswirstchaftlicher Analphabetismus ist weit verbreitet und dann fliegen die auf billige Populisten rein, die ihnen das blaue vom Himmel versprechen und die Folgen nicht erwähnen. (höhere Steuern, weniger Gestaltungsfreiheit, mehr Vorschriften, höhere Gebühren, weniger Leistung, weniger „Netto“)

  5. Es ist immer erlaubt und erwünscht, einen Trackback oder Kommentar zu hinterlassen. Wenn man sich an die Regeln hält. Bei einem Trackback sagt das Wort schon alles. Ein Trackback ohne backtracking ist allerdings unhöflich und muss leider wie Spam behandelt werden.

    Höflichkeit ist eine Zier.
    Mancher glaubt es gehe ohne ihr.

  6. Dem ist nicht so. Im Sinne der möglichst guten Verknüpfung in der Blogosphäre sind manuelle Trackbacks kein Problem und Sie sind frei einen hier einzustellen. Davon profitieren alle. Ich bitte sogar darum.

  7. Back to topic: Die Mitgliederzahlen der Gewerkschaften schrumpfen ja massiv. Skandale wie bei den Betriebsräten von VW – um nur ein Beispiel zu nennen – zeigen, wie die Funktionäre funktionieren. Wer mit Gewerkschaften zu tun hat, fragt am besten zuerst nach der Mitgliederzahl (und verifiziert diese) und dann ob der Funktionär tatsächlich mal auf dem Beruf gearbeitet hat.

  8. Der Artikel enthält leider keine Beleg für viele der dargebrachten Aussagen:

    „In Deutschland erlebt man gerade, welche Folgen Mindestlöhne haben, wenn sie nicht hinreichend durch entsprechende Produktivität abgesichert sind.“

    Es gibt nur für wenige Branchen einen Mindestlohn – worauf wird mit der zitierten Aussgen eigentlich Bezug genommen?
    Die gewerkschaftlichen Forderungen sprechen sich für einen flächendeckenden Mindestlohn aus. Würden dann die Aussagen des Artikels noch immer zu treffen?

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