Auslandschweizer: Am Strand liegen und mitbestimmen?
Ich verstehe es einfach nicht. Und niemand stellt die entscheidende Frage. Da gibt es Leute, die weder hier wohnen, noch hier arbeiten, schon gar nicht Steuern zahlen, von Regulierungen nicht betroffen sind und doch hier wählen und abstimmen dürfen. Kann mir das mal jemand erklären? Ein konkretes Beispiel: Ich muss von meinem geringen Gehalt Lohnprozente abliefern, dass es den wohlgehaltenen Pensionäre an der spanischen Sonne gut geht und dann bestimmen die mit über die Zukunft der AHV, zum Beispiel über eine Erhöhung der Mehrwertsteuer, die sie nicht bezahlen müssen?.

Wenigstens hat die staatspolitische Kommission dem Begehren aus den Auslandschweizern einen eigenen Kanton zu machen nicht zugestimmt (Link). Aber die werden nicht nachgeben und wer ist denn schon gewillt aufzustehen, nein zu sagen und sich unbeliebt zu machen?

(Foto: lionessc @ pixelio)

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6 thoughts on “Warum dürfen Auslandschweizer überhaupt an die Urne?

  1. … zumal die meisten «Auslandschweizer» seit Ewigkeiten in einem anderen Land leben und einzig dadurch noch «Schweizer» sind, dass sie auch noch über den Schweizer Pass verfügen – viele Ausländer in der Schweiz sind wesentlich «schweizerischer».

    Weiss man, wie Auslandschweizer abstimmen und wählen? Sind sie allenfalls besonders staatstragend? Cui bono?

  2. Neben meinem Schweizer Pass, besitze ich noch den Italienischen und Spanischen Pass.
    Ich bezweifle das die meisten Auslandschweizer überhaupt abstimmen, zumindest beobachte ich solches bei Doppelbürgern in der Schweiz.
    Sicherlich gibt es Emigranten, die z.B. nur an der Aufbesserung ihrer Rente interessiert sind und auch dementsprechend abstimmen werden. Auf der anderen Seite sind aber Personen, die sich für ihre ferne Heimat interessieren und gerne ihre Stimme abgeben würden. Diese sollte man nicht ihres Rechtes berauben.

    @mds: Am 31.12.2006 gab es 111’249 Auslandschweizer.

    Zitat:
    Wahlgewinnerin 2007 auch bei den Auslandschweizern ist die Schweizerische Volkspartei (SVP). Allerdings ist ihr Sieg in der „Fünften Schweiz“ weniger spektakulär als im Inland. Dies resultiert aus den Ergebnissen jener Kantone, welche die Auslandschweizer-Stimmen separat ausweisen.

    Ganzer Text:
    http://www.aso.ch/de/politik/wahlen-2007

  3. Das Problem liegt doch bei den Heimkehrern, die im Ausland gross geworden sind und ein Bedürfnis verspüren, in die Schweiz zurückzukehren. Diese haben in der Schweiz quasi Immigrantenstatus und müssen sich überall wieder neu anmelden. In einer zunehmend globalisierten Welt ist es aber nicht möglich, Karriere zu machen, ohne wenigstens einmal im Leben ausgewandert zu sein (insbesondere wenn man an die verfilzten Strukturen in Schweizer Kaderpositionen denkt). In einem kleinräumigen Staat haben Unterschicht und Mittelstand wenig Aufstiegschancen, weil eine “Dörflermentalität” vorherrscht, die nicht-privilegierten Mitgliedern der Gesellschaft keine Aufstiegschancen erlaubt. Insbesondere talentierte Aufsteiger aus dem Mittelstand wandern aus, weil die verstockte und engstirnige Mentalität der Schweizer Wirtschaftseliten jeglichen Aufstieg unterdrückt. Aufstiegsorientierte Persönlichkeiten lieben die Schweiz, doch die Schweiz mit ihrer Kollektivistenmentalität hasst starke Persönlichkeiten. Was bleibt, ist die Möglichkeit auszuwandern, um die talenteinschränkende Neidmentalität der Eliten zu umgehen. Nach erfolgtem Aufstieg haben die Auslandschweizer dann die Möglichkeit, auch politisch was zu ändern, damit talentierte Persönlichkeiten nachfolgender Generationen nicht unter derselben einschränkenden Neidmentalität zu leiden haben, wie sie selbst. Mit anderen Worten: das Auslandschweizerstimmrecht hat eine deliberative Wirkung auf die Bevölkerung und schafft es, bestehende Machtstrukturen aufzubrechen, da Auslandschweizer (im Gegensatz zu den Einheimischen) nicht um ihren Job fürchten müssen, wenn sie mächtige Finanzoligarchen öffentlich kritisieren. Ein Exilschweizer kann offener und unabhängiger die Machteliten des Landes kritisieren, da das Exil einen gewissen Schutz vor Vergeltungsmassnahmen bietet. Insgesamt sorgt das Auslandschweizerstimmrecht für eine offenere Gesellschaft und weniger Dörflermentalität. Ich denke, dass das der Schweiz als Weltmeister im Verhindern sicher gut tut.

  4. Sehr guter Punkt. Wobei dies auch wieder die Disukussion lancieren könnte, dass nur wer schliesslich zahlt, auch zum Abstimmen (im Verhältnis) zugelassen werden sollte…

  5. @Sisyphos: Warum diese Formulierung das Zensuswahlrecht betreffend im Konjunktiv? Fürchten Sie gar die Diskussion? (Kann ich mir zwar nicht vorstellen).

  6. @MM

    Ihre Klammerbemerkung ehrt mich ja :-D

    Ich denke diese Frage brigt einiges an “politisch korrektem” Zündstoff. Daher der Konjunktiv. Aber ich denke schon, dass diejenigen, die ja schon zahlen müssen, auch über die Verwendung dieser Mittel bestimmen sollen. Dies gilt in meinen Augen umso mehr als wir ein System der progressiven Besteuerung haben. Die Progression ist schliesslich nichts anderes als der Ausdruck einer Mehrheitsentscheidung, einer Minderheit eine Steuerlast aufzuzwingen, welche dieselbe Mehrheit nicht gewillt ist, selber ebenfalls zu übernehmen. Eine Ablehnung des Zensusahlrechts lässt sich m.E. höchstens in einem System der proportionalen (flat rate) Besteuerung rechtfertigen.

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