Wenn das Finanzamt auf den Hund kommt…

…nämlich der Steuermoral. Und diese ist – kurz gesagt – eine Funktion aus drei Faktoren:
1. Möglichkeiten zur Mitbestimmung in der Politik
2. Höhe der Steuersätze
3. Qualität der staatlichen Leistungen

Tiefe Steuermoral und damit einhergehende Steuerhinterziehung zeigen Probleme in diesen Bereichen an. Deutsche Kritik an der Schweiz fällt darum bei genauer Betrachtung auf den Absender zurück. Wenn Deutschland weniger Steuerhinterziehung will, kann es die Partizipation verbessern, die Steuern senken oder die Qualität der staatlichen Leistungen steigern. Ähnliches liesse sich über die Zunahme der Schwarzarbeit sagen. Wir empfehlen die Lektüre dieses kleinen Büchleins (neu in unserer Bücherei). (Foto: Gerd Altmann @ pixelio)

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9 thoughts on “Steuerflucht ist eine Sache der Moral

  1. Mal ganz offen: Wer genug Geld hat um Steuern zu hinterziehen der braucht keine bessere staatlichen Leistungen. Wie die Mitbestimmung in der Politik von den Steuern abhängen soll kann ich mir nicht vorstellen, erinnert mich aber an alte Zeiten in denen man gewichtet nach den Steuerzahlungen mehr Stimmen hatte, im Gegensatz zum “Ein/e Mann/Frau, eine Stimme”. Steuersenkung für diejenigen die eh Steuern hinterziehen? Nein, das ist unsinnig. Eher den Freibetrag erhöhen, das nutzt vorallem den Kleinverdienern.

    Der einzige Punkt wo man die staatlichen Leistungen dringend erhöhen sollte sind die Ermittler bei Finanzamt um den Steuerhinterziehern auf die Schliche zu kommen und beim Zoll um die Schwarzarbeit einzudämmen.

  2. Ja,ja. Die Moral der Schweiz. Der Reichtum der Schweiz basiert auf Diebstahl! Das ist leider die Warheit! Das wird Euer Land noch bitter erfahren dürfen. Ihr seid mitten drin zurzeit. Und der Druck wird noch härter werden. Viel Spass dabei…

  3. Mal ganz offen, Thomas: Wenn deine Theorie stimmen würde, müsste in D weniger Schwarzarbeit und weniger Steuerhinterziehung als in der Schweiz festzustellen sein. Es ist gerade umgekehrt. Und genau das hat doch ziemlich stark mit der miesen Steuermoral in Deutschland zu tun. Wie entsteht diese schlechte Steuermoral? Der Beitrag meint – meines Erachtens nicht zu unrecht: In Deutschland hat der Bürger zur Politik sehr wenig zu sagen, die Steuersätze sind sehr hoch und die Qualität der staatlichen Leistungen zumindest diskutabel.

    @Hansli: Nicht die Moral der Schweiz, sondern die Steuermoral jedes einzelnen Schweizers und jeder einzelnen Schweizerin ist höher als in Deutschland. Lesen bildet!

  4. Hallo,

    meine Meinung:

    Steuern sind notwendig zur Aufrechterhaltung eines funktionsfähigen Staates.

    Und einen funktionierenden Staat brauchen wir alle. Ich zumindest möchte nicht in einer Anarchie leben.

    Wichtig ist mir dabei die Steuergerechtigkeit. Wenn alle ihre Steuern ehrlich bezahlen und die Verschwendung von Geldern seitens der Behörden gering gehalten wird, werden die Steuersätze für alle tragbar bleiben.

    Wie erreicht man so ein Ziel? Nur durch Strafen und Kontrolle. Ohne diese Maßnahmen wird es zwangsläufig sehr viel Steuerhinterziehung und Steuergeldverschwendung geben, das liegt einfach in der Natur des Menschen.

    Für die Umsetzung von Strafen und Kontrolle gibt es mehrere Strategien. Entweder man setzt massiv auf Steuerfahndung und Kosten-Controlling, oder man belohnt Denunzianten, indem man ihnen einen Anteil am „gemeldeten“ Volumen abgibt. Beide Methoden haben Vor- und Nachteile. Hier spielen ethische Bedenken („Stasi Reloaded“), aber auch reale Umsetzungsprobleme (woher nimmt man gute Steuerfahnder?) eine Rolle. Vielleicht ist eine Mischform der richtige Weg – gesetzliche Regelungen für die faire Belohnung von Informanten (in den USA gängige Praxis), und eine ausreichend gut ausgestattete Fahndungsbürokratie.

    Viel Arbeit kommt auf die meisten europäischen Staaten bei der notwendigen Kriminalisierung der Steuerverschwendung zu. Hier fehlt es noch an vielen Dingen: Konzepte, Gesetze, Kontrollinstanzen etc.

    Die Alternative ist einfach: Immens hohe Steuerlasten für die Ehrlichen, die für ihr Geld wenig an Gegenleistung bekommen.

  5. Nein, die Alternative wäre niedrige Steuern für alle. Dann gibt es auch wenig Steuerverschwendung da sie gar nicht möglich ist. Den hohen Steuersätzen in D fehlt es nur schon an demokratischer Legitimation, weil ja nicht jene die bezahlen die Höhe der Steuersätze festlegen, sondern jene die es ausgeben. Kein Wunder sind dann die Steuersätze so hoch.

  6. @alf: Ihre Ansicht ist grundsätzlich richtig, verkennt jedoch die Realität. Ein gravierender Wechsel in der Steuerpolitik kann ohne einen kompletten Staatskonkurs nur langsam und behutsam umgesetzt werden. Bei einem kompletten Neuanfang könnte man natürlich ganz anders gestalten, aber das ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt sicher nicht umsetzbar.

    Meine Thesen beziehen sich auf momentan durchführbare und politisch vertretbare Maßnahmen. Und da sehe ich eben keine Alternativen.

    Sind Sie denn Anhänger eines Neuanfanges (z.B. einer Revolution)?

    Wenn nicht – wie sollten gewählte Politiker Ihrer Meinung nach handeln? Eine drastische und sprunghafte Senkung der Steuern würde kurzfristig fatale fiskalische Folgen nach sich ziehen, da ein schneller Abbau der Staatsausgaben viele negative Konsequenzen nach sich ziehen würde (arbeitslose Beamte, Armut, Pleiten bei Zulieferern etc). Das bedeutet politisches Harakiri, eine Partei, die das umsetzt, würde niemals wiedergewählt.

    Eine direkte Festlegung der Steuersätze durch den Wähler ist zum Scheitern verurteilt. Jeder würde für das für seine Person günstigste Modell stimmen, was im Grunde auf eine hohe Belastung der wenigen Reichen hinausläuft (es sei denn, Sie würden die Stimmen ungleich verteilen).

  7. Und Steuern einheben ist eine Frage der Unmoral. Im übrigen ist das hier Geschriebene schon richtig, nur denken die Menschen in einem durchpolitisierten Land wie Deutschland eben nicht daran, was sie selbst besser richtig machen können, sondern rufen immer und gleich nach “Vater Staat” und “Großem Bruder”. Wo das außenpolitisch enden kann, sehen wir an den bereits militarisierten Gedanken gegenüber freieren Ländern.

  8. In D ist ja nicht das Problem, dass es einen gravierenden Wechsel in der Steuerpolitik geben wird. es gibt ja niemanden der die Steuern massiv senken will. Das Problem ist vielmehr, dass es nur wenige gibt, die überhaupt die Steuern wie sie es vorschlagen langsam und schrittweise senken wollen.

    Zu ihrer Behauptung, eine direkte Festlegung der Steuersätze sei zum Scheitern verurteilt: Wenn ihre Aussage stimmen würde, wäre das in der Schweiz passiert. Ist aber nicht so. Für mich heisst mehr Partizipation aber natürlich mehr als direkt Steuersätze festlegen. Umfassend bestimmen was der Staat mit seinem Geld macht zum Beispiel…

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