Habe gerade den Artikel hier von Philipp Löpfe im Tages-Anzeiger gelesen. Bravo. So macht man Krise. Statt mit einer gewissen Abgeklärtheit genau hinzusehen, wird billig Panik gemacht. Ein Beispiel gefällig? Da schreibt der Journalist, die Wirtschaft sei in den USA um 5 Prozent geschrumpft. Was schrumpfte da genau im Verhältnis zu was? Das Wachstum im Vergleich mit den Vorjahren? Oder das Wachstum überhaupt? Die genauen Zahlen gibt es zum Beispiel hier.

Und der Abschnitt weiter unten zeigt, das er sich auch bei Milton Friedman nicht wirklich auskennt, ich zitiere:

«Für den Begründer des Monetarismus, Milton Friedman, sind Depressionen eine Folge eines Fehlverhaltens der Notenbanken. In den dreissiger Jahren hat das US-Fed viel zu wenig Geld in die kollabierenden Finanzmärkte gepumpt. Diesen Vorwurf kann man Ben Bernanke, dem aktuellen Fed-Präsidenten weiss Gott nicht machen.»

Nein diesen Vorwurf kann man Herrn Bernanke nicht machen. Das ist grundsätzlich nicht falsch, denn gemäss Friedman war die Depression wesentlich eine Liquiditätskrise. Die Geldmenge sank vor Ausbruch der Krise um 30%, wie man hier lesen kann.

Nun aber so zu tun, als ob eine Ausweitung der Geldmenge heute Friedmans Lösung gewesen wäre, ist schlicht und einfach Leichenschändung und zeigt, dass Löpfe vom Monetarismus nur eine oberflächliche, respektive gar keine Ahnung hat. Diese heutige Finanzkrise ist beileibe keine Liquiditätskrise, sondern vielmehr eine Geld(über)schwemmungskrise.

Diese Meinung teilt auch eine der grossen alten Damen in der Gilde der Ökonomie: Anna Schwartz. Sie hat mit Friedman «Monetary History of the United States, 1867-1960» verfasst, die auch heute noch gültige Studie über die Geldpolitik in den USA. Für sie ist klar, dass mit noch mehr Geld das Problem des zu vielen Geldes und unklarer Risiken in Bilanzen nicht gelöst werden kann. Sehr schön ist das hier

zu lesen.

So und nun wünsche ich allen Leserinnen und Lesern schöne Festtage und einen guten Start ins neue Jahr.

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3 thoughts on “So macht man Krise

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