Geldbeutel mit Lohn
Richtig, man darf in der Politik alles beantragen, zumal in der halb-direkten Demokratie der Schweiz. Sogar eine Verfassungsbestimmung, die sich mit religiösen Bauwerken auseinandersetzt, oder eine Bestimmung, wonach in einem Unternehmen der höchste Lohn nur zwölfmal so hoch sein darf wie der Tiefste (Link). Die Jungsozialisten setzen auf billigen Populismus aber der konsequenten Art: Im Sozialismus gibt es nun mal nichts Privates. Alles betrifft das Kollektiv, alles regelt das Kollektiv, alles kontrolliert das Kollektiv. Der Staat ist die obligatorische Vormundschaftsbehörde. Für alle.

Das Anliegen verstösst gegen jede ökonomische Vernunft. Löhne sind Preise für Arbeitseinheiten. Preise sind das ökonomische Informationssystem. Sie machen Knappheiten und Bedürfnisse transparent. Wird nun von Aussen vom Kollektiv in die Vertragsfreiheit zwischen Unternehmen und Arbeitnehmer und damit in die Preisbildung eingegriffen, hat das Folgen. Das Informationssystem funktioniert nicht mehr: Fehlentwicklungen, die so natürlich niemand erwartet hat, sind die Folge. Bei Mindestlohnvorschriften führt das zu weniger Einstiegschancen für Arbeitssuchende und damit zu mehr Arbeitslosen. Die Nachfrage nach Arbeit versiegt. Bei Maximalvorschriften ist es logischerweise umgekehrt: Das Angebot versiegt. Niemand ist mehr gewillt, für einen gesteuerten, tieferen Preis seine Arbeit zu verkaufen. Wenn ein Unternehmen also gute Leute will, wird es nicht anders können, als die Schweiz zu verlassen.

Das Geld für horrende Managerlöhne stammt von den Besitzern des Unternehmens, also zum Beispiel der Aktionären. Es stammt weder von der Politik, von irgendeinem Kollektiv und schon gar nicht von den Jungsozialisten. Hohe Gehälter schmälern den Gewinn der Unternehmensbesitzer. Ihr Einfluss auf die Gehaltspolitik ist darum zu stärken, denn sie sollen entscheiden, was mit ihrem Geld geschieht. Wenn sie mit der Gehaltspolitik nicht einverstanden sind, können sie das Unternehmen gerate in börsenkotierten Aktiengesellschaften rasch verlassen. Die Politik hat hier nichts verloren – schon gar nicht mit einer Verfassungsbestimmung wider jede Vernunft und mit Folgen, die nicht im Interesse des Landes und seiner – zumeist arbeitenden – Bevölkerung sein können. (Foto: Knipsermann @ pixelio)

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6 thoughts on “Jungsozialisten wider ökonomische Vernunft

  1. Einverstanden. Doch dort, wo Sie sagen, das Geld für horrende Managerlöhne stamme weder von der Politik, von irgendeinem Kollektiv und schon gar nicht von den Jungsozialisten, da hat Ihre Argumentation noch einen relativ unschönen Knick. Oder wie war jetzt das schon wieder mit den rund 6 Mrd. a fonds perdu für die UBS? Ich bin überzeugt, dass es auch ein, zwei Jusos gibt, die ein wenig Steuern zahlen. Nicht, dass das die 1:12 Initiative rechtfertigen würde, aber es ist mir dann doch ein wenig zu indifferent dargestellt.

  2. Dass unvorstellbar hohe Managerlöhne nicht unbedingt zum Unternehmenserfolg beitragen müssen, wissen wir spätestens seit Ausbruch der Finanzkrise.
    Die Argumentation, der Kapitaleigner könne sich gegen die Abzocker- Manager verteidigen, ist nicht glaubwürdig, denn wie soll ich mich als Pensionskassen- Einzahler und Kleinaktionär wehren können?
    Leider bedeutet “Liberalismus” häufig nur, dass Gewinne privatisiert und Verluste sozialisiert werden.
    Abzockerei hat nichts mit Freiheit und Leistung zu tun, im Gegenteil, die Abzocker gefährden Freiheit und Wohlstand.

  3. Rein wissenschaftlich gesehen würde mich die Quelle dieser Sozialismus-Definition Wunder nehmen.

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