Operation im Spital
“Ein Sieg für die Freiheit!” twitterte SVP-Nationalrat Mörgeli aus der Delegiertenversammlung der SVP vom 05. Mai 2012. Soeben hatten die Delegierten den langjährigen Fachmann für Gesundheitspolitik, Nationalrat Toni Bortoluzzi, desavouiert und unter dem Eindruck der Geschäftsinteressen von Gregor Rutz das Nein zu Managed Care beschlossen. Ein Sieg für die Freiheit?

Mit der Freiheit ist es im schweizerischen Gesundheitswesen nicht weit her. Es dominieren Regulierungen, Planungen und Zwänge – vor allem wenn es ums Bezahlen geht. Die “Freie Arztwahl” entpuppt sich bei näherem Hinsehen vor allem als freien Zugang zum übervollen Buffet an Gesundheitsleistungen – auf Kosten aller anderen, respektive deren Zwangssolidarität. Das hat mit einem freiheitlichen Gesundheitswesen nichts zu tun. Die gleichen Ärzte, die sich jetzt so liberal geben und SVP-Mann Rutz bezahlen, wehren sich mit Händen und Füssen gegen die viel wichtigere Freiheit: Die Vertragsfreiheit der Krankenkassen.

Managed care bringt nicht “mehr” oder “weniger” Freiheit. Aber zumindest weniger Zwang. Zwang zur Querfinanzierung von jenen, die sich am Leistungs-Buffet “den Bauch vollschlagen”. Managed care folgt ein ganz kleines bisschen dem ordnungspolitischen Äquivalenzprinzip: es lädt einen Teil der Kosten jenen auf, die sie verursachen – in dem sie mehr und oft unnötigerweise Leistungen in Anspruch nehmen. Managed care macht das Trittbrettfahren (moral hazard) auf der kollektiven Umlagerung der Prämien weniger attraktiv. Managed care entschlackt die Zwangsversicherung – und das ist liberal. Sogar die SVP war mal dieser Meinung. Genau wegen der Schmälerung der erzwungenen Solidarität ist ja die SP gegen Managed care. Die voraussichtliche Ablehnung der Vorlage dürfte zudem ihrer Initiative für eine Zwangs-Einheitskasse zugute kommen. Definitiv kein Sieg für die Freiheit. (Foto: Dieter Schütz / pixelio.de)

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3 thoughts on “Managed care und die Freiheit

  1. Schon wieder so ein irreführender Managed Care-Propagandaartikel. Die MC-Industrie scheut keine Mittel und bezahlte Schreiberlinge gibt es ja genug. Die Schweizer haben aber mittlerweile Englisch gelernt und im Internet liest man ja genug Informationen zu den Lügen der Managed Care-Industrie. (false advertising of Managed Care). Die Schweizer gehen im Schnitt nur 4 mal im Jahr zum Arzt. In den Managed Care-Ländern sind wegen der unsinnigen Vorgabe “immer erst zum Hausarzt(Gatekeeper)” diese Doppelspurigkeiten deutlich höher (OECD-Statistik 2009). Am 17. Juni: NEIN zu den Managed Care Lügen!

  2. Eine sehr zutreffende Analyse – verlogener als die Gegner der Vorlage kann man kaum noch “argumentieren”!
    Beizufügen wäre, dass genau die gleichen reaktionären Aerztekreise, welche das Hohelied der freien Arztwahl singen, bisher “erfolgreich” jegliche Transparenz über die Qualität der einzelnen Leistungserbringer, insbesondere im ambulanten Bereich, verhindert haben. Sie sollten nun beim Wort genommen werden. Transparenz über Leistungen und Preise ist DIE Voraussetzung für eine informierte Wahl.

  3. Pingback: Krankenversicherungsgesetz: Zu viel Politik ist ungesund « Ordnungspolitischer Blog

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