Unternehmen
Schön, wenn Ökonomie so einfach ist und sich Unternehmen nach ihrer Rechtsform in Gut und Böse einteilen lassen. In einem bemerkenswerten Beitrag zeigt uns Nationalrätin Jacqueline Fehr, wieviel sie von Ökonomie versteht. Genossenschaften sind besser als alle anderen Rechtsformen, weil sie wirtschaftlichen Erfolg mit sozialer Verantwortung kombinieren. Das machen Aktiengesellschaften oder GmbHs ja grundsätzlich nicht. Zum Beispiel bei den Nahrungsmitteln – dort sind sogar Löhne und Zulieferpreise von der Rechtsform abhängig:

Wären Coop, Migros und Volg kapitalgetriebenen Eignern und nicht einer breiten Genossenschaft verpflichtet, wären die Löhne, aber auch die Preise für die landwirtschaftlichen Zulieferer deutlich tiefer.

Dafür sind die Preise in den “kapitalgetriebenen” Aldi und Lidl tiefer und deshalb sozialer – trotz auch dort geltendem GAV und Lieferanten, die von niemandem zur Lieferung gezwungen werden. Und was ist mit Denner, der eine kapitalgetriebene AG ist aber der guten Migros gehört? Frau Fehr dreht den Gedanken aber noch weiter: Wegen der Genossenschaften (3 % der Unternehmen in der Schweiz) ist unsere Staatsquote so tief (!):

Damit müsste der Staat über die Sozialbudgets die Einkommen des Detailhandels subventionieren und das staatliche Landwirtschaftsbudget erhöhen. So wie wir das von unseren Nachbarländern kennen.

Es ist also ganz einfach: Nur weil es in der Wirtschaft Genossenschaften gibt, die laut Fehr freiwillig auf Gewinn verzichten und sozial sind, braucht es weniger Staat. Auch der Anteil Wohnbaugenossenschaften hat mit dieser Logik einen direkten Einfluss auf die Staatsrechnung.

Je höher der Anteil an Genossenschaftswohnungen in einer Stadt, desto geringer die Aufwände für Mietzuschüsse und Ergänzungsleistungen durch die öffentliche Hand.

Das lässt sich natürlich nicht überprüfen – und Frau Fehr macht sich auch gar nicht die Mühe. Dass die hohen Preise die direkte Folge einer verfehlten Raumordnungspolitik der künstlichen Verknappung sind, bleibt natürlich unerwähnt. Es wäre zu mühsam, das Problem an der Wurzel zu packen. Genossenschaften sind einfach gut:

Aber sie sind demokratischer und damit auch regional besser verankert. Und krisenresistenter.

Wieder so unbewiesene Behauptungen. Ich bin froh, leben wir in einem Land, dessen Demokratie nicht wie die Migros oder Raiffeisen organisiert ist. Ich glaube auch kaum, dass Frau Fehr mit Pierin Vinzenz als Dauer-Präsident leben könnte. Und doch sind Genossenschaften einfach besser als der Rest: Genossenschaften würden langfristig planen und den Nutzen für die Kunden in den Mittelpunkt stellen. Hier bringt Fehr wenigstens ein Zitat von Urs Berger von der Mobiliar als Beweis.

„Wir können langfristig denken und disponieren. Nicht der schnelle Erfolg steht im Vordergrund, sondern der Nutzen für Kunden und Gesellschaft.“

Dass das jedes Unternehmen von sich gibt – und in der einen oder anderen Form auch macht, ist Frau Fehr natürlich nicht aufgefallen. Und dass auch Genossenschaften gewinnorientiert sind – und sein müssen – natürlich auch nicht. Das würde die einfache Einteilung in Gut und Böse zunichte machen. Jedes Unternehmen muss Gewinn erzielen – um langfristig sowohl für die Eigentümer aber auch die Angestellten zu überleben. Das tut es indem es etwas zu einem Preis und einer Qualität anbietet, wie es die Menschen brauchen. Gewinn durch ein nachgefragtes Produkt: Das ist die soziale Verantwortung aller Unternehmen – egal in welcher Rechtsform. Die Trennung zwischen Shareholders und Stakeholders ist künstlich – und ideologisch. Unternehmensgewinne werden nur möglich, wenn die Interessen der Stakeholder in die Unternehmenspolitik einfliessen. Darum konnte Milton Friedman klarstellen:

The social responsibility of business is to increase its profit.

Dem ist nichts hinzuzufügen. Wer Unternehmen als kompexe systeme von Innen kennt, für den ist dieser Satz nicht einmal so sehr provokativ. (Foto: Sven Ohlenschläger / pixelio.de)

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