Der Aufschrei war gross, als im Sommer 2009 Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf eine Revision der Pflegekinderverordnung in die Vernehmlassung schickte. Der Bundesrat forderte eine Bewilligungspflicht für Tageseltern und Pflegefamilien unter kantonaler Aufsicht mit Einführungskurs, Versicherungs- und Weiterbildungspflicht. Auch Grosseltern oder Nachbarn hätten diese «Lizenz zum Kinderhüten» gebraucht, sobald sie 20 Stunden oder mehr Kinder betreut hätten.
Eine Vernehmlassung und zweieinhalb Jahre später sind die absurdesten Postulate vom Tisch. Nur: Der bürokratische Aufwand ist schon jetzt gross. Geblieben ist eine Bewilligungspflicht für Vermittlungsdienste für Tageseltern im Falle eines Entgeltes oder längeren Aufenthalts. So entstehen zusätzliche Hürden und Kosten. Damit verhindert der Bundesrat die Schaffung von Krippenplätzen, die er dann mit einer seit fast zehn Jahren anhaltenden «Anschubfinanzierung» an anderen Orten und genauso bürokratisch durchreguliert wieder schaffen will. Stossend ist auch, dass der Bund den Kantonen die Schaffung und Finanzierung einer Behörde vorschreibt. Das sollte von diesen nicht einfach akzeptiert werden.
Alle Mütter und Väter wissen: Keine Fachstelle, keine Bewilligungspflicht, kein Betreuungskonzept und keine wohlformulierten Qualitätsstandards können den Eltern die persönliche Verantwortung für das Wohl des Kindes abnehmen. Wer so tut, erreicht das Gegenteil. Statt dass Eltern genau hinschauen und nachfragen, vertrauen sie dem Staat und seinen Gesetzen. Und einer jetzt staatlich anerkannten Vermittlungsindustrie. Der allumsorgende Staat entmündigt seine Bürger, statt sie an der Verantwortung wachsen zu lassen. (Zuerst publiziert in der Basler Zeitung vom 11.10.2012)

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