Wer mit dem Zug im Bahnhof Bern einfährt, kann die Reitschule nicht übersehen. Das ehemals für den Reitsport reservierte Gebäude steht direkt neben den Geleisen einer der am meisten befahrenen Strecken der Eisenbahn. Seit 25 Jahren ist es «autonomes Kulturzentrum». An die mehr oder minder schön aufgesprayten Parolen hat sich der Berner Pendler längst gewöhnt.

Jetzt steht da, unübersehbar rot auf blau zu lesen: «An die Arbeit, ihr Affen». Und das ist selbst eher geruhsamen Bernerinnen und Bernern zu viel des Guten. Die Bewohner der Stadt haben sich mit dem «Kulturzentrum» längst abgefunden. Auch damit, dass die verharmlosend «Reitschüler» genannten Träger jährlich rund 380 000 Franken Subventionen, Wasser und Strom von der Stadt erhalten. Zwar kommt es fast jedes Wochenende zu Krawallen mit der Polizei, die von den «Reitschülern» an ihrer Arbeit gehindert wird. Das stört aber nur die Minderheit der bürgerlichen Politiker. Fünf Initiativen aus Kreisen der SVP zum Verkauf, Umbau oder Abbruch der Reitschule wurden bereits abgelehnt.

Die Verhöhnung der «Affen», die zu Tausenden an der Reitschule vorbei ihrer Arbeit zusteuern, Geld verdienen und genau darauf die sehr hohen Steuergelder bezahlen, die in der Reitschule ausgegeben werden, ist nun aber vielen Bewohnern der Bundesstadt zu viel. Dabei gehört es zum Standardrepertoire sozialistischer Kreise, die durch Arbeit selbstverantwortlich Handelnden lächerlich zu machen und selber vom Staat zu leben. Der französische Publizist Frédéric Bastiat brachte es auf den Punkt: «Alle möchten auf Kosten des Staates leben, vergessen aber, dass der Staat auf Kosten aller lebt.» In dem Sinn fällt der farbige Appell an die Absender zurück: An die Arbeit, ihr Affen! (Veröffentlicht in der Basler zeitung vom 1. November 2012, Foto: allert / Flickr.com)

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2 thoughts on “Reitschule Bern: «An die Arbeit, ihr Affen»

  1. Sehr schöner Artikel. Mich stört die Reitschule zwar nicht übermässig. Aber diesen dämlichen Aufruf würde ich genau auch in der vorgeschlagenen Art umkehren: Weg mit den Subventionen für die Reitschule. Mieten und Pachten einkassieren…. Diese Kultur soll sich selber tragen oder weg damit!

  2. Pingback: Bern verschenkt Tramschienen « Ordnungspolitischer Blog

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