Ansicht des Buches Heimliche Enteignung
Es gehört zu den Grundlagen unserer offenen Gesellschaft, dass wir über selber verdientes Geld nach Abgabe der Steuern frei verfügen können. Die politischen Entwicklungen in Zeiten der Finanzkrise stellen nun aber diese Verfügbarkeit infrage. Zwei Wirtschaftsjournalisten beleuchten in einem neuen Buch, wie Politiker und Banker unsere Vermögen gefährden und wie wir darauf reagieren können.

Michael Rasch und Michael Ferber von der NZZ beschreiben Ursachen und Folgen der noch nicht überwundenen Finanzkrise. Die goldenen wirtschaftlichen Zeiten sind seit Herbst 2008 definitiv vorbei. Da platzt die staatlich verordnete und durch eine enorme Ausweitung der Geldmenge mittels tiefer Zinsen verursachte Immobilienblase in den USA. Die Banken wanken. Sie haben Milliarden an Papieren in ihren Bilanzen, deren Wert sie selber nicht mehr kennen. Damit ist das Vertrauen weg. Staaten springen mit enormen Geldsummen zur Rettung ein und türmen Schulden auf. Die Notenbanken fluten die Finanzmärkte mit Geld wie noch nie. Seither dümpelt die Weltwirtschaft vor sich hin. Eine Erholung ist nicht in Sicht. Die Geldmenge gerade in den USA, Europa und auch der Schweiz steigt aber weiter an.

Die Aufblähung der Geldmenge hat ­historisch immer zu einer Teuerung und damit zum Zerfall von Werten geführt. Für Politiker ist das eine bequeme Methode, Staatsschulden verschwinden zu lassen: Statt mit schmerzenden Sparprogrammen wird die Staatsschuld einfach durch Entwertung abgegraben. Je höher die Inflation, desto schneller.

Das betrifft uns alle – mindestens mit unserem Pensionskassengeld. Die ­tiefen Zinsen führten schon in der Vergangenheit dazu, dass wir über die Jahre wenig auf dem angesparten Kapital verdienen. Und die wahrscheinliche Inflation würde gar direkt den Wert des Kapitals angreifen. Darum ist das neue Buch der beiden NZZ-Journalisten nicht nur etwas für vermögende Anleger, sondern eine klare und nüchterne Anleitung für alle Sparerinnen und Sparer, die ihr verdientes Geld behalten wollen.

Die mageren Zinsen und die drohende Geldentwertung sind für Rasch und Ferber die «heimliche Enteignung» durch die staatlichen Notenbanken und die Politiker, die auch hierzulande nur allzu gerne vom einzigen sowohl ökonomisch sinnvollen wie moralisch gerechten Ziel stabiler Preise abrücken und sogenannte Konjunkturspritzen fordern oder zulassen – lauthals im «allgemeinen Interesse», konkret aber für eine ganz bestimmte Klientel. Es ist nur wahrscheinlich, dass die später allen drohende Teuerung schulterzuckend zur Kenntnis genommen wird und dass so die gesamte Bevölkerung die Folgen der staatlich verursachten Geldkrise abzustottern hat.

Die Autoren legen in fünf Szenarien mögliche Entwicklungen dar: Schrumpfung der Wirtschaft durch Deflation, Vernichtung von Werten durch Inflation, mögliche Kombinationen dieser Szenarien und das im Moment vorherrschende Szenario des anhaltenden «Durchwurstelns». Für alle Szenarien besprechen Rasch und Ferber die ­Konsequenzen für Sparkonten, Staatsan­leihen, Immobilien, Edelmetalle, Aktien und weitere Vermögensarten. Damit stärken sie die Anleger und Sparer mit wichtigen Informationen und be­­fähigen sie zum dringend nötigen Hinterfragen von Finanzprodukten und Anlagestrategien.

Bei dieser Auslegeordnung bleibt die grundlegende Auseinandersetzung auf der Strecke. Inflation ist – das erkannte Nobelpreisträger Milton Friedman schon vor Jahrzehnten – immer ein monetäres Phänomen. Nicht Arbeitgeber oder Gewerkschaften ­verursachen mit Lohnerhöhungen die Teuerung, sondern die Herren der Regierung und in den Notenbanken. Angesichts des Versagens staatlicher Geldpolitik müsste gerade in diesem Buch über eine Liberalisierung des Geldwesens nachgedacht werden. Die «heimliche Enteignung» durch tiefe Zinsen und Inflation kann nur definitiv beendet werden, wenn auch Geld und Geldpolitik der Verfügungsgewalt der Politik entzogen und den einzelnen Menschen zugeteilt werden.

Michael Rasch, Michael Ferber: «Die heimliche Enteignung: So schützen Sie Ihr Geld vor Politikern und Bankern». NZZ Libro 2012, 300 Seiten, Fr. 30.–. (veröffentlicht in der Basler Zeitung vom 01.12.12)

Ähnliche Artikel:

6 thoughts on “Eine Anleitung für alle, die ihr Geld behalten wollen

  1. Guter Artikel, besten Dank!

    Sie fordern den Entzug der Geld- und Geldmengenpolitik aus den Händen der Politik. Stattdessen sollen “einzelne Menschen” (da müssten Sie ein wenig konkreter werden!) entscheiden, was zu tun und wie einzugreifen ist.

    Nun sehen wir aber doch gerade in den USA, dass das Federal Reserve nichts mehr mit “federal” zu tun hat. Es ist eine private Bank, die dem Staat Geld aus heiterem Himmel druckt (d.h. ohne Deckung) und dafür staatliche Schuldscheine entgegen nimmt. Statt die Verfügungsgewalt über die Geldpolitik zu haben, ist der US-Präsident mitsamt Parlament abhängig von ein paar Bankern (Zinsen).

    Der Staat sollte selbst Geld drucken können, ohne jemandem dafür Zinsen bezahlen zu müssen! Die Krise ist nicht staatlich verursacht, sondern von den Finanzinstituten, die die Staaten im Würgegriff haben.
    http://www.youtube.com/watch?v=0MLBGDTvpZU

    Oder wie sehen Sie das?

  2. Im Grundsatz: Jede und Jeder darf sein eigenes Geld herausgeben. Natürlich auch juristische Personen. Es wird sich jene Währung druchsetzen, die am meisten Vertrauen verdient. Das dürfte auch eine sein, die keine Inflation kennt und die durch tatsächliche Werte gedeckt ist. Apropos: Durchschnittliche Inflation vor 1800 p.a.: 0,5%, durchschn. Inflation 1800-1913 (Goldstandard): 0,7% p.a., durchschn. Inflation seither 5,0% p.a. Damit fiele auch ein “lender of last resort” weg, der immer wieder neue Blasen produziert und dann teuer Banken rettet. Wer sich als Bank, Anleger, Investor etc. verspekuliert würde weit bevor es systemrelevant wäre vom Markt verdrängt.
    Wir hatten das schon mal: Der “Würgegriff” ist staatlich so gewollt und verursacht.

  3. Sie meinen also, ich soll morgen damit beginnen, mein eigenes Geld in Umlauf zu bringen? :-D
    Interessante These, die ja auch in den Lokalwährungen, die vielerorts wieder zu Spriessen beginnen, ihre Bestätigung sieht. Oder sollten wir vielleicht doch wieder zurück zum Kerbholz? – Das englische Königreich erlebte während der Zeit des Kerbholzes unter König William I. (ab 1290) eine Blüte…

  4. Pingback: Raiffeisen-Dollars statt Franken « Ordnungspolitischer Blog

  5. Pingback: Eine Anleitung für alle, die ihr Geld behalten wollenTatsachen und Meinungen bei Tatsachen und Meinungen

Leave a Reply