Horoskope in einer Zeitung
Hat sie es vorausgesehen? «In der zweiten Wochenhälfte kann es aufgrund der kritischen Kommunikationssterne zu verbalen Auseinandersetzungen kommen.» Das steht im aktuellen Wochenhoroskop der «Madame Etoile» alias Monika Kissling, der Hofastrologin des Staatssenders SRF. Wobei «verbal» natürlich nicht zutrifft. Und neu ist die Kritik an der gebührenfinanzierten Astrologie auch nicht.

Schon im vergangenen Herbst hatte sich Kulturredaktor Linus Schöpfer von Newsnetz/Bazonline über die «metaphysischen Placebos» mockiert. Kissling bezeichnete ihre Beiträge damals als eine Art «Wetterbericht». Die gleichzeitig gestartete Online-Abstimmung, ob Astrologie ins Programm des Staatsradios gehöre, brachte ein eindeutiges Resultat: 86 Prozent sind gegen den längst widerlegten Aberglauben. Seit 1990 bringt «Madame Etoile» zweimal pro Woche auf SRF 3 ihre Vorhersagen ans Publikum. Mehrmals pro Jahr kommen Spezialsendungen hinzu, jüngst das «Jahreshoroskop 2013», auf der Webseite von SRF 3 sogar als «Highlight» gekennzeichnet. Ein Stellenwert, der keiner anderen Glaubensangelegenheit im Angebot des Staatsfunks zukommt. Kritische Auseinandersetzung gibt es nicht. SRF rechtfertigt das Angebot widersprüchlich. Es handle sich um «Unterhaltung», aber die Hörer erhielten so die wichtigsten «Informationen» über die kommenden Tage. Kissling sei «glaubwürdig», weil sie in Astrologenkreisen ein hohes Ansehen geniesse. Ob sie dieses Ansehen ohne die Unterstützung durch den Staatssender hätte, bleibt selbstredend unhinterfragt. Mit der formellen Etikette «Unterhaltung» umgeht SRF die für den Bereich «Information» geltenden Qualitätsanforderungen. Denn weder die Verordnung noch die Konzession beschreiben genauer, was denn unter Unterhaltung zu verstehen ist. In der Botschaft zum Gesetz steht hingegen, dass SRF auch in diesem Bereich eine «Leitbildfunktion» übernehmen könne und «ethische Minimalstandards» beachten müsse.

Dies bedeutet bei der «Sternenwetterfee» Kissling vor allem durchgehende Unverbindlichkeit. Die Elaborate sind in Kann-Formulierung gegossene Billigpsychologie: Ja, wer sich aufs neue Jahr einen Vorsatz gefasst hat, der hat (zumindestens beim Start) gute Erfolgsaussichten. Banal.

Nun formiert sich Widerstand gegen den durch Zwangsgebühren finanzierten astrologischen Wetterdienst: Online sammeln Aktivisten aus der Umgebung der Freidenker-Vereinigung Unterschriften. Sie fordern, dass SRF auf die «Scharlataneriepropaganda» mit «Madame Etoile» verzichtet. Die Petition sieht darin bloss Werbung für das private Büro von Kissling.

Das ist auch der Knackpunkt. Kissling erhält durch SRF gebührenfinanziert jene Bekanntheit, die ihrer privaten Firma die Einnahmen garantiert. Zurückbezahlen muss sie natürlich nichts. Ohne astrologische Kenntnisse kann vorausgesagt werden, dass sich dieses Geschäftsmodell auch 2013 lohnt. Ausser die Petition hat Erfolg. (veröffentlicht in der Basler Zeitung vom 4.1.13, Foto: Claudia Hautumm / pixelio.de, der Tweet, mit dem #EsoEktomie begann)

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3 thoughts on “Astrologie: Petition gegen die Sternenwetterfee von SRF 3

  1. Pingback: Gehören «Madame Etoile und «Jeder Rappen zählt zum Service Public? « «kritikasterblog

  2. Madame Etoile spricht von seriöser Astrologie. Ebenso gut könnte man von nasser Trockenheit oder gesunder Krankheit sprechen. Dass sie ihr Geschäftsmodell verteidigt, ist verständlich. Weniger verständlich ist, dass Radiomacher darauf hereinfallen.

  3. Pingback: Medienspiegel zur Petition «SRF soll Scharlataneriepropaganda beenden» | Salvie - Rand(om)-Notizen von Gaby Salvisberg

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