Wenige Grossunternehmen steuern die Mehrheit der Einnahmen des Bundes bei, wie Economiesuisse aus Daten der Steuerverwaltung errechnete. Drei Prozent der Unternehmen sorgen für 90   Prozent der Einnahmen. Ähnlich sieht es bei den Privatpersonen aus, wo das am höchsten besteuerte Segment der Einwohner sage und schreibe 41   Prozent der Steuern bezahlt. Die zehn Prozent am höchsten Besteuerten kommen zusammen für fast 80   Prozent der Bundessteuer- Einnahmen auf.

Natürlich sind die direkte Bundessteuer respektive die Gewinnsteuer nicht die einzigen Einnahmequellen des Bundes. Aber sowohl die Reichen (Personen) wie auch die Grossen (Unternehmen) bezahlen mindestens im gleichen Ausmass auch indirekte Steuern.

Die mit den Einnahmen bezahlten Ausgaben des Bundes kommen wohl – über alles betrachtet – allen Einwohnern in ähnlichem Ausmass zugute: Jedes Kind bekommt grundsätzlich die gleiche staatliche Ausbildung bezahlt, unabhängig von der Steuererklärung der Eltern. Oder die Strassen stehen allen Transportern der Firmen zur Verfügung, egal, wie viel Gewinn sie versteuern. Da nicht alle gleich viel einzahlen, alle aber gleich viel bekommen, profitieren diejenigen, die weniger zahlen. Kurz: Es wird umverteilt, von oben nach unten.

Die Politik streitet jeweils in hitzigen Debatten über das Ausmass dieser Umverteilung und – viel grundsätzlicher – ob die Umverteilung von oben nach unten, von den Grossen und Reichen zu den Kleinen und Armen, gut oder schlecht ist.

Viel entscheidender ist aus meiner Sicht aber, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass es für die guten Steuerzahler weiterhin attraktiv ist, in der Schweiz zu bleiben – oder neu hierherzukommen. Um uns herum, in Deutschland oder aktuell in Frankreich gegen den Schauspieler Gérard Depardieu, wird regelmässig Hetze gegen jene betrieben, die etwas in ihrem Leben erreicht haben. Doch was ist falsch daran, Erfolg zu haben? Was soll schlecht daran sein, viel Geld zu verdienen oder zu besitzen?

Die Neiddiskussionen sind müssig. Denn das Geld   der Reichen wurde nicht den Armen geklaut, sondern innerhalb des Rechtsrahmens unseres Systems erarbeitet und allenfalls über Generationen weitervererbt.

Wenn man schaut, wie mobil heutzutage Personen und Unternehmen geworden sind, wird die Attraktivität des Standorts immer wichtiger. Verschlechtern sich die Bedingungen, wird ab- und ausgewandert. Mit jedem Reichen, der umzieht, mit jedem Unternehmen, das geht, verschwinden Steuereinnahmen, Arbeitsplätze. Zum Leidwesen derjenigen, die nicht viel haben, der Kleinen und Armen. Wir sollten darum dafür schauen, dass es «unseren» Unternehmen und Reichen gut geht. Nicht unterwürfig, aber bitte ohne Neid. Es ist zum Wohle aller.

 

Veröffentlicht am 10. Januar 2013 in der Basler Zeitung

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One thought on “Ein Danke an die Grossen und Reichen

  1. Wenn die 10% höchst besteuerten für 80% der Steuern aufkommen – wie hoch ist denn nun deren Anteil am Vermögen aller Besteuerten? Und sollte es sicht selbstverständlich sein in dem Maße der Gemeinschaft zu geben in der sie es ermöglicht hat über den eigenen Bedarbf hinaus Besitz zu erwerben?

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