509860_web_R_K_B_by_Gerd Altmann_pixelio.de
Radikal sei sie, sagen SP-Vertreter. Und frech. Gemeint ist die Volksinitiative der Jungsozialisten für gerechte Löhne, kurz 1:12-Initiative. Sie fordert, dass die höchsten Löhne in einem Unternehmen maximal das Zwölffache des tiefsten erreichen dürfen.

Der Initiativtext ist allerdings «schlecht formuliert», weil er Hintertüren offenlässt, wie der Vater der Abzocker-Initiative, Thomas Minder, sagte. Dann nämlich, wenn Arbeiter in andere Firmen ausgelagert werden. Statt einer Novartis-Angestellten putzt halt eine ISS-Frau den Schreibtisch. Statt eines UBS-Wachmanns steht einer von Securitas an der Aeschenvorstadt 1.

Die Juristen sind sich uneinig, ob dies zulässig wäre. Entscheiden wird es das Parlament, wenn es die entsprechenden Gesetze formuliert.

Die Initiative wird bei einer Annahme im Herbst – je nach Ausführungsbestimmungen – mehr oder weniger Verlierer hervorbringen: Wenn Arbeiten ausgelagert werden dürfen, verlieren die Tieflöhner, weil Servicegesellschaften oft schlechtere Anstellungsbedingungen bieten.

Aber auch wenn dies verboten würde, dürfte die Vorlage in mach grösserem Unternehmen Auswirkungen bis in die mittleren Gehaltsklassen haben. Denn faktisch bedeutet die willkürlich auf zwölft fixierte Limite einen Höchstlohn in der Region von 600 000 Franken. Wer nun glaubt, dass alle Löhne, welche heute diese Grenze überschreiten, gekürzt werden, ohne dass sich bei den tieferen Löhnen etwas ändert, irrt. Denn der Lohn ist auch Abbild der Hierarchiestufe. Wenn der Chef nur noch maximal 600 000 Franken verdienen darf, werden auch seine Angestellten weniger kriegen. Wer heute 550 000 pro Jahr hatte, wird sich künftig mit 450 000 begnügen müssen. Swisscom hat diese Rechnung gemacht und kommt zum Schluss, dass fast ein Drittel der Löhne nach unten angepasst werden müsste. Swisscom wird nicht das einzige Unternehmen sein.

Aber selbst wer weit weg von diesen Gehaltsklassen verdient und nicht Gefahr läuft, ausgelagert zu werden, verliert. Denn wenn die allgemeine Lohnsumme sinkt, fliessen nicht nur weniger Beiträge in die Sozialwerke, vor allem gehen die Steuereinnahmen zurück. Gerade die progressiv besteuerten, hohen Löhne tragen viel zur Finanzierung des allgemeinen Staatshaushalts bei. Sinken die Löhne, muss diese Lücke von der Allgemeinheit gefüllt werden – sprich alle müssen mehr bezahlen.

Mit ihrer Initiative nehmen die Jungsozialisten in Kauf, dass es den Ärmsten schlechter geht, nur um zu verhindern, dass es den Reichen besser geht. Ausser dem Neid und der Missgunst profitiert niemand von 1:12.

Foto: Gerd Altmann / pixelio.de

Veröffentlicht am 23. Mai 2013 in der Basler Zeitung

Ähnliche Artikel:

One thought on “Von der 1:12-Initiative profitiert niemand – ausser Neid und Missgunst

  1. Die 1:12-Initiative verlangt, dass der höchste Lohn in einem Unternehmen das Zwölffache des tiefsten Lohns nicht überschreiten darf – und die Juso haben klargemacht, dass sie mit Unternehmen auch Fussballklubs meinen. Die Schweizer Klubbosse warnen nun vor einem Qualitätsverlust des Profifussballs, wenn den Klubs Lohnbegrenzungen auferlegt werden.

Leave a Reply

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.