Blick in ein Schaufenster
Es tönt ja nicht schlecht: Die Schüler sollen mit dem neuen Lehrplan nicht einfach Wissen büffeln, sondern lernen, das Wissen anzuwenden. Endlich sollen Kinder für das Leben und nicht für die Schule lernen.

Doch den Autoren ist die (eigene) Ideologie in die Quere gekommen. Es geht im Bereich «Wirtschaft, Arbeit und Haushalt» (PDF) nicht mehr um das Verständnis von Wirtschaft als zwangsfreie Koordination von Menschen. Es geht um die Weitergabe bestimmter moralischer Werte und Ideen. Guter Konsum ist biologisch und regional. Du trägst ein Hemd aus Baumwolle? Du isst Fleisch? Schäme dich! Wegen dir geht die Welt bald zugrunde. Unter der moralischen Keule lehrplanerischer Gesinnungswächter werden zuerst die Fakten begraben. Und dann die Freiheit und Mündigkeit der Jugendlichen.

Derartiger Unterricht nützt niemandem. Die Schule verkommt zu einem Instrument zur Beeinflussung. Sie dient dem «Aufbau einer besseren Gesellschaft» – von der wohlmeinenden und selbstverständlich besser wissenden Elite verordnet. Das ist der alte Traum der 68er-Generation: die (Um-)Erziehung der Menschen zu einer Herde wohlerzogener Schafe. Es ist zu hoffen, dass die Verfasser über ihre Ideologie stolpern. (veröffentlicht in der Basler Zeitung vom 03.08.2013, Foto: Ilse Dunkel (ille) / pixelio.de)

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3 thoughts on “Lehrplan 21: Umerziehung statt Schule

  1. “Guter Konsum ist biologisch und regional. Du trägst ein Hemd aus Baumwolle? Du isst Fleisch? Schäme dich! Wegen dir geht die Welt bald zugrunde.”

    Wo genau steht das? Ich sehe keinerlei moralische Wertung im Lehrplan. Im Gegenteil: Das Reflektieren über diese Fragen gemäss Lehrplan wird zeigen, dass Aussagen wie “Guter Konsum ist biologisch und regional” so nicht haltbar sind.

  2. Eltern haben in der Vergangenheit gefordert, dass Teenager den Umgang mit Geld in der Schule lernen … Dem wurde Rechnung getragen. Es gibt im Lehrplan im Fach Wirtschaft ein Teilgebiet, das sich dem verantwortungsvollen Umgang mit finanziellen Ressourcen widmet. Das geht von Budgetplanung über Zahlungsverkehr bis zur Erklärung von Ursachen der Jugendverschuldung sowie der Schuldenspirale. Weitere Fächer, die einen aufs Leben vorbereiten, sind sicher Informations- und Kommunikationstechnologie oder Nutzung und Umgang mit Medien und natürlich Berufsorientierung.

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