Alte Medizinalbehälter aus einer Apotheke
Institute für Medizingeschichte gibt es an jeder grösseren Schweizer Universität – ausser in Basel. Und es ist gut, dass die Universität Basel nicht alles mitmacht. Eigene Institute für diesen Bereich braucht es aus wissenschaftlicher Sicht nicht, weil sie weder für die Medizin noch für die Geschichtswissenschaft einen Mehrwert bedeuten. Selbstverständlich ist die Medizin ein wichtiger Bereich einer Gesellschaft und soll darum mit dem historischen Operationsbesteck seziert werden. Ihre Relevanz erhält diese Forschung jedoch als Teil einer umfassend verstandenen Gesellschaftsgeschichte, nicht als abgetrennte Spielwiese für Spezialisten. Dass sich Professoren in diesem Gebiet spezialisieren, ist damit nicht ausgeschlossen.

Ob die Institutsleiter Mörgeli oder Condrau heissen, spielt darum nur bei einer politisch vorgeprägten Sichtweise eine Rolle. Darin scheint der eigentliche Grund in der mittlerweile zur Affäre Uni Zürich gewordenen Affäre Mörgeli zu liegen. Es geht um den Politiker Mörgeli. Nüchtern betrachtet, lässt sich hingegen ­festhalten: Ein eigenes Institut für Medizingeschichte entspricht bloss veraltetem Gärtchendenken an den Universitäten und vor allem einem Bedürfnis der angehenden Ärzte.

Das hat seinen Grund: «Doktor» ist ein Synonym für Arzt. Niemand sagt, er gehe zum «Doktor» und meint damit, er besuche einen Rechtsanwalt oder gar einen Historiker. Darum ist klar: Ärzte brauchen den Doktortitel, sogar in der sonst überhaupt nicht «titelgeilen» Schweiz. «Dipl. med.» tönt einfach nicht nach Gott in Weiss, sondern höchstens nach einem im Medizinstudium ­hängen gebliebenen Experten für Schweissfüsse. Doktor ohne «Dr.» ist ein No-Go.

Die Institute für Medizingeschichte eignen sich vorzüglich zum raschen Erwerb eines relativ einfachen Doktortitels. Die Arbeit lässt sich gut einteilen oder berufsbegleitend vorantreiben. Manchmal arbeiten Mediziner schon während ihres Studiums an einer kleinen historischen Untersuchung und kommen so ungleich schneller zu ihrem Titel, als wenn sie sich tatsächlich in die medizinische Forschung vertiefen.

Das sei ihnen gegönnt. Nur: Spezielle Institute für schnelle Titel brauchen wir nicht. «Tabula rasa» statt Krach auf der akademischen Spielwiese, müsste die Devise lauten. Die Universität Zürich könnte genau das von Basel lernen. (veröffentlicht in der Basler Zeitung vom 09.11.13, Foto: Andreas Hermsdorf / pixelio.de)

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3 thoughts on “Fall Uni Zürich: Es braucht keine medizinhistorischen Institute

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  2. Tschechien, Slowakei, Österreich und Ungarn vergeben den medizinischen Doktorgrad auch ohne Doktorarbeit, das hat dort Tradition (ebenso derer MD in den angloamerikanischen Staaten)! Warum muss die Schweiz Deutschland auch hierin kopieren?

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