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Jubiläen feiern und dabei seine Ge­schichte schreiben, hat immer etwas mit Selbstvergewisserung zu tun. Das gestern präsentierte Buch zum 125-jährigen Bestehen der Sozialdemokratischen Partei macht da keine Ausnahme. Auf fast 500 reich bebilderten Seiten breiten die Autoren in zwei Sprachen ein beeindruckendes Panorama aus. Dazu gehört das Spannungsfeld zwischen internationaler Ausrichtung und nationalem Bekenntnis, das sich wie ein roter Faden durch die 125 Jahre hindurchzieht: vom internationalen Bieler Handwerkerverein zum Schweizer vorbehaltenen Grütli­verein, zum internationalen Sozialismus der Zwischenkriegszeit, dem Bekenntnis zur Landesverteidigung im Zweiten Weltkrieg über die Zäsur der Niederschlagung des Ungarnaufstandes, des «Unbehagens» der Sechziger und eines Algerienkrieges unter der politischen Führung eines Sozialdemokraten bis zur europäischen Frage, die auch heute noch als Ringen der SP zwischen internationaler Ausrichtung und Schweizer Wurzeln gelesen werden kann.
Dieses Werk ist mehr als ein lesenswerter Blick zurück. Es zeigt und dokumentiert wegen des sozialdemokratischen Blickwinkels, wie die SP heute denkt. Goethe lag zumindest bei diesem Buch komplett falsch, als er schrieb, Geschichte sei «eine Art, sich das ­Vergangene vom Halse zu schaffen».

(veröffentlicht in der Basler Zeitung vom 27.11.12. Das Buch: Einig – aber nicht einheitlich, 125 Jahre Sozialdemokratische Partei der Schweiz. Limmat Verlag Zürich, 492 Seiten, Fr. 74.90. Foto: Titelbild)

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