Gelbe und rote Tabletten
Heute werden die linken Verfechter einer Einheitskasse in der Krankenversicherung im Nationalrat das hohe Lied eines staatlichen Sozialwerks singen. Mit einer Einheitskasse könne man Prämien sparen und Effizienz erreichen. Beides ist falsch. Beides entspricht auch nicht den eigentlichen Beweggründen der Initianten.

«Es geht uns nicht um das Sparen, sondern darum, diesen Bereich der Marktwirtschaft zu entziehen», sagte mir ein SP-Nationalrat in entwaffnender Offenheit. Die Einheitskasse sei ein ideologisches Projekt. Es gehe darum, den Kompromiss von marktwirtschaftlichen und staatlichen Komponenten der Krankenversicherung zugunsten eines staatlichen Gesundheitsdienstes zu zerschlagen.

Was dabei der Krankenversicherung droht, kann erstens bei der Invaliden­versicherung beobachtet werden, die jedes Jahr Milliardendefizite schreibt und zu Marktbedingungen wegen 14 Milliarden Franken Schulden bei der AHV längst in Konkurs gegangen wäre. Zweitens sollte man sich an die «Krankenkasse 57» erinnern, die von Sozialdemokraten und Gewerkschaftern geführt und durch eine falsche Unternehmenspolitik unter Gefährdung der Gesundheit ihrer Versicherten an die Wand gefahren wurde. Und drittens wäre da die französische Einheitskrankenkasse, die allein seit dem Jahr 2000 mehr als 100 Milliarden Euro Schulden angehäuft hat.

Marktwirtschaft sorgt dafür, dass sich Unternehmen an den Bedürfnissen der Kunden ausrichten und Fehlentscheide rasch korrigieren müssen. Unter Wettbewerbsbedingungen ist der Versicherte der König. Er kann jedes Jahr die Kasse wechseln, wovon sogar erwiesenermassen jene profitieren, die bei der Kasse bleiben, bei der sie sind. Bei einer Einheitskasse ist der Versicherte nur noch der Bettler. Die Könige sitzen dann im Führungsorgan der Monopolversicherung und schalten und walten so, wie sie wollen. Während der Markt schlechte Unternehmensführung bestraft, könnte eine Einheitskasse die Korrektur von Fehlern jahrelang hinauszögern – auf Kosten der Versicherten, die keine Alternative haben.

Marktwirtschaft ist ein System, das die richtigen Entscheide zugunsten der Kunden belohnt, und falsche Entscheide rasch bestraft. Dass dies den ehemaligen Chefs der «Krankenkasse 57» nicht passt, ist verständlich. Trotzdem: Marktwirtschaft ist nützlich «für alle», Staatswirtschaft ist bloss «für wenige» tatsächlich gut. Für jene, die über alle anderen bestimmen. Oder wie es der französische Ökonom Frédéric Bastiat ­treffend formulierte: «Der Staat ist die grosse Fiktion, mittels deren alle Welt leben will, auf Kosten von aller Welt.» (veröffentlicht in der Basler Zeitung vom 05.03.14, Foto: Andrea Damm / pixelio.de)

Ähnliche Artikel:

One thought on “Fiktion Einheitskasse

  1. Jetzt haben wir erfahren, dass einige Einheits- Krankenkassen im Ausland Verluste machen. Aber ist es der Auftrag der Krankenversicherung einen Gewinn zu erzielen? Man hat dafür schliesslich weniger Nicht-Versicherte. Die Kosten für Krankenkasse liegen in GB unter denen in Deutschland.

Leave a Reply

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.