Papiere, Papiere
«Wir wollen, dass die Unternehmen in ihrem Handeln nicht von den Steuern beeinflusst werden.» Das sagte Bundesrätin Widmer-Schlumpf gestern in Bern. Sie hat recht. Unternehmen sollen sich nur an ihren Kunden und nicht am Staat und seinen Gesetzen Steuern orientieren.

Die Besteuerung der Unternehmen ist in der Schweiz aber längst so kompliziert, dass keine verantwortungsvolle Firma Entscheide fällt, ohne den Steuerberater anzuhören. Leider ist die Vorlage Widmer-Schlumpfs entgegen ihren Worten nicht dazu geeignet, daran etwas zu ändern. Im Gegenteil: Die hastige Anpassung der Unternehmens­steuern an noch gar nicht richtig beschlossene internationale ­Standards führt zu zahlreichen hochkomplizierten Folgeproblemen – angefangen von einer Verzerrung des Finanzausgleichs bis zu einer Ungleichbehandlung von Zinskosten für Eigen- oder Fremdkapital.

Dass Erträge aus Forschung und Entwicklung tiefer besteuert werden sollen als andere Gewinne, beweist nur, dass Unternehmenssteuern schädlich sind. Sie werden indirekt von jenen Menschen bezahlt, die etwas mit dem Unternehmen zu tun haben, vorab Mitarbeiter und Aktionäre. Wer Unternehmensgewinne besteuert, vernichtet Geld, das sonst in die Firma und ihre Mitarbeiter investiert oder den Aktionären für ihr Risiko ausgeschüttet (und von diesen wiederum investiert) würde. Es ist banal: Die beste Unternehmenssteuer für das Allgemeinwohl wäre gar keine Unternehmenssteuer. Das würde alle Folgeprobleme schlagartig lösen und Widmer-Schlumpf bekäme recht: Unternehmen wären bei Entscheiden nicht mehr von den Steuern beeinflusst. Das würde die Schweiz wettbewerbsfähiger machen als alle Reformpläne.

Doch es kommt noch schlimmer: Die neu vorgeschlagene Kapitalgewinnsteuer vernichtet die Dynamik ­unserer Marktwirtschaft, die auf dem Sparprinzip beruht: Ersparnisse des einen werden von ihm persönlich oder seiner Bank in die gute Geschäftsidee des anderen investiert. Für ein Land ohne Rohstoffe ist die Kapitalgewinnsteuer eine kapitale Dummheit.

Die Steuerausfälle aus der Unternehmenssteuerreform könnten ohne Schwierigkeit vollständig beim Staatshaushalt eingespart werden. Es handelt sich um wenig mehr als ein einziges Prozent der Steuereinnahmen von Bund, Kantonen und Gemeinden. Der Bund gibt 36 Milliarden Franken, mehr als die Hälfte seines Budgets, an Subventionen aus. Würde nur jeder zehnte Sub­ventionsfranken gestrichen, wären die Steuerausfälle bereits mehr als kompensiert. veröffentlicht in der Basler Zeitung vom 23.09.14, Foto: Camilo Rueda Lopez / Flickr.com, CC-Lizenz, unverändert)

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One thought on “Unternehmenssteuerreform: Kapitale Dummheiten

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